Anleitung: Wie eine Möbelmesse nicht funktioniert

“Ihr braucht doch noch Möbel”, konstatierte ein Freund irgendwann im vergangenen Jahr, “darum fahren wir in ein paar Tagen zur Möbelmesse.” – Meiner Meinung nach brauchten wir zwar nichts, aber dieser freundlichen Einladung konnte ich natürlich nicht widerstehen. Außerdem kann ein Messebesuch durchaus aus inspirierend sein. Gesagt, getan, besagter Freund und ich machten uns an einem Sonntag auf in die nächste Großstadt.

Es war der letzte Messetag und wir hatten die Hoffnung, dass einige der Aussteller ihre betatschten Möbel nicht wieder mit zurück nehmen und daher günstig verkaufen wollten. Taktisch klug waren wir nicht morgens gleich zur Öffnung der Messe vor Ort, sondern hatten uns überlegt, relativ kurz vor Schließung einzutreffen. Denn, so unser Plan, zu dem Zeitpunkt würden die Anbieter relativ großzügig Rabatt auf die noch verbliebenden Möbel geben.

So betraten wir entspannt um 14 Uhr die erste Messehalle und dachten, mit den verbleibenden drei Stunden bis zum offiziellen Ende hätten wir ausreichend Zeit mitgebracht. Im Nachhinein frage ich mich, wie wir so naiv sein konnten. Ich meine, dies war wahrlich nicht mein erster Besuch auf einer Messe, und man hätte doch vermuten können, dass die Ausstellung in mehr als nur einer Halle stattfinden könnte.

Überrascht mussten wir also feststellen, dass die Möbelmesse sich auf acht Hallen mit je zwei oder drei Geschossen fußballfeldartiger Größe erstreckte – wir hätten also die gesamte Messewoche auf dem Gelände verbringen können und wären nicht fertig geworden. Dies war die naive Annahme Nummer 1.

Naive Annahme Nummer 2 folgte auf dem Fuße, denn selbstverständlich herrschte Aufbruchstimmung, so weit das Auge blicken konnte (was zugegebenermaßen gar nicht so weit war). Wir eilten mehr oder weniger ziellos durch die erstbeste Halle – zufällig die der asiatischen Anbieter.

Recht gehabt hatten wir mit der Annahme, die Anbieter würden ihre Möbel gerne vor Ort verkaufen. Denn gerade Firmen mit weiter Anreise, so wie Chinesen und Japaner, hatten wirklich kein großes Interesse daran, ihre Ausstellungsmöbel wieder mitzunehmen. Sie boten buchstäblich die Stühle an, auf denen sie saßen. Zumindest diejenigen, die noch übrig waren, denn die naive Annahme 3 bestand darin zu glauben, dass wenige Stunden vor Messeschluss noch alle Möbel in ausreichender Menge verfügbar sein würden. Wer jemals an einem Samstagabend kurz vor Ladenschluss in der Gemüseabteilung eines Supermarkts stand und auf einige vertrocknete Salatblätter und faulige Tomaten blickte, weiß, wovon ich spreche.

Dennoch ergatterten wir einen hübschen Schuhschrank für meinen Freund, der zwar eigentlich nichts kaufen wollte, aber man kennt das ja. Als es um die Bezahlung ging, dachte ich erst, es gäbe Übersetzungsschwierigkeiten zwischen der sehr freundlichen chinesischen Verkäuferin und unserem Englisch. Doch wie sich heraus stellen sollte, war das kein Problem, sondern zeigte mir nur unsere naive Annahme Nummer 4.

Auf dieser Messe fand nämlich kein Verkauf statt – abgesehen natürlich von dafür gedachten Imbissbuden und dergleichen. Möbel konnte man auf dieser Möbelmesse allerdings ganz offiziell nicht kaufen, denn sie dienten nur der Ausstellung. Wie sollte auch die Bezahlung ablaufen, wenn hunderte Aussteller ihre eigene Abrechnung machen müssten? Am Messeausgang kann das ja wohl nicht geschehen, und vor Ort am Stand ebenfalls nicht. An die Steuererklärungen möchte ich gar nicht erst denken, die die ausländischen Firmen ohne Sitz in Deutschland machen müssten.

Wie also lief das Ganze ab? Wir bezahlten in bar am Stand, erhielten einen knittrigen Zettel mit Stempel und unleserlicher Unterschrift und trugen das Schränkchen in Richtung eines Ausgangs. Dann galt es, etwa eine Stunde mit hunderten anderen anzustehen. In der Zeit spazierte ein Kamerateam eines fragwürdigen Magazins vorbei und interviewte unter anderem ausgerechnet mich (ausgestrahlt wurde das obendrein auch noch und eine Kollegin entdeckte mich, aber das ist eine andere Geschichte). Irgendwann wurden wir dann von den Sicherheitsleuten durch einen Hinterausgang geschubst und standen mitten innerhalb des Geländes im Dunkeln im Nieselregen. Mit dem Schuhschrank. Vor, neben und hinter uns wuselten andere “Käufer” von Gegenständen, die vermutlich tags drauf reihenweise als defekt aus irgendwelchen Buchungspapieren verschwinden würden.

Und hier schließt naive Annahme Nummer 5 dieses Erlebnis. Wo in aller Welt stand das Auto? Wir wussten weder, welchen Eingang wir genommen hatten, noch, welchen Notausgang wir gerade passiert hatten. Wir trugen das Schränkchen also zur nächsten Hauptstraße und ich bewachte es gut eine halbe Stunde, bis mein Freund das Auto und einen Weg zurück zu mir gefunden hatte.

Wir endeten an dem Abend im nächstbesten Restaurant und ließen das Erlebte Revue passieren. Ja, wir waren an manchen Stellen wirklich naiv gewesen. Aber es war ein lustiger Tag, den wir eventuell einmal wiederholen werden. Dann allerdings mit besserer Planung. Und einem Transporter.


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Phasenleben

Der Blog hier wird von mir immer in Phasen bespielt. Mal kommen die Ideen nur so angeflogen und im regulären Leben stolpere ich von einer Idee in die nächste – in diesen Zeiten komme ich mit dem Schreiben gar nicht hinterher. Dann wieder gibt es Monate, in denen ich nichts schreibe, hauptsächlich, weil mir nichts einfällt. Und wenn mir dann doch mal eine Idee über den Weg läuft, dann habe ich keine Lust.

Nach einer längeren Pause habe ich nun wieder das Gefühl, ich möchte etwas schreiben, allein, es fehlt an der Idee. “Ob ich wohl nichts erzählenswertes mehr erlebe?”, fragte ich mich neulich, das wäre ja auch kein Wunder in dieser Zeit. Sogar auf Ideenseiten im Internet habe ich mich herumgetrieben. Spoiler: dafür ist Lebenszeit zu schade. Auf einer sollte ich Stichworte eingeben, die dann in vorgefertigte Sätze eingefügt wurden: “Das Für und Wider von XY.” Oder “die fünf besten Eigenschaften von XY.” Oder “warum XY besser als ABC ist”. Äußerst hilfreich. Andere Seiten erklärten mir, ich solle den geneigten Leserinnen und Lesern eine Problemlösung anbieten, einen “das geht auch dir so”-Artikel verfassen oder eine ultimative zehn-Punkte-Anleitung.

Völlig absurde Ideen also, zumindest was diesen Blog angeht, denn ich verkaufe hier keine Idee und auch keine Story. Nun, die Suche nach einem Thema für einen Beitrag war eindeutig der Tiefpunkt dieser, nennen wir es mal Schreibblockade. Und “nichts erleben” kann man schließlich gar nicht, so lange man morgens aufwacht.

Apropos aufwachen: “Ich habe schon mehr vergessen als du in deinem Leben jemals lernen kannst” soll mal jemand gesagt haben. Das erinnert mich immer an die Twitter-Abwandlung “ich habe schon mehr Tweets verworfen als veröffentlicht” und so ähnlich ist es hier auch. Seit Jahren warten ein paar Artikel auf Veröffentlichung. Warum so lange? Weil es da um Menschen geht, die zwar morgens noch aufgewacht, abends aber nicht mehr eingeschlafen sind. Und auch wenn ich persönlich damit eher vertraut bin, weiß ich nicht, wie ich das Thema “Ableben” in einen Blogeintrag gießen soll, bei dem anderen nicht unwohl wird oder bei dem manche nicht sofort aufhören zu lesen (wenn ich’s recht bedenke, kann das wegen dieses Satzes soeben passiert sein). Das ist alles so schrecklich ernst, dabei gehört es doch zum Leben dazu.

Andere Artikel warten, weil sie auch mit etwas Abstand betrachtet einfach nicht gut gelungen sind. Ehrlich, die Ideen dazu kamen niemals aus einer der oben genannten Thema-Generierungsmaschinen. Entweder ist das Thema blöd oder… ja… oder habe ich sie einfach schlecht geschrieben.

Es fehlt mitunter einfach an einer zündenden Idee. Wie ein Funke im Heuschober darf es sich dabei auch um einen klitzekleinen Gedanken handeln. Neulich las ich bei Carsten, dass ihm ab und an zusammenhanglose Sätze einfallen, die er gerne behalten möchte. Das geht mir auch so! Wer weiß, vielleicht eignen sie sich ja irgendwann für irgendwas – doch blöderweise vergesse ich sie schneller, als dass ich sie aufschreiben könnte. Ich sollte ein Diktiergerät mitführen.

Einen klitzekleinen Gedanken hatte ich heute, als ich erfolglos online auf wirklich JEDER Shopping-Seite nach einer bestimmten LED-Dekoration für ein bestimmtes Zimmer in einer bestimmten Jahreszeit suchte. Ob ich wohl zu pingelig bin? Jedenfalls fiel mir ein, dass ich schon in einer ziemlich seltsamen Zeit lebe, wenn ich mich rein wegen der Unüberschaubarkeit des Angebots nicht für ein Leuchtobjekt entscheiden kann. Vor nicht allzu langer Zeit konnte man sich noch freuen, wenn man abends ein paar Kerzen in der zugigen Bude hatte oder vielleicht sogar ein Feuerchen. Ach, was sage ich, man konnte sich glücklich schätzen, überhaupt eine zugige Bude sein Eigen nennen zu können. Und ich ärgerte mich gestern erst, dass die Batterien des künstlichen Kaminfeuers leer sind…

Aber zurück zum Thema. Wer also morgens aufsteht, hat etwas zu erzählen. Man muss nur genau hinhören, -schauen oder -lesen. Ich nehme mir das mal vor.


Photo by Lia Leslie from StockSnap | Ein großartiges Stockfoto, das – so wie es ist – nichts aussagt. Insbesondere weil es zur Hälfte leer ist, passt es wunderbar zu diesem Artikel.