„Was ist letzte Preis?“

Nachdem ich vor einer Weile eBay den Rücken gekehrt habe, verkaufe ich ab und zu Sachen bei den Kleinanzeigen. Da hat man wenigstens noch Spaß!

Zum Verkauf stand eine PlayStation. Geboten wurden mir dafür unter anderem die Hälfte des Kaufpreises, Schuhe zum Tausch, Schmuck zum Tausch, andere Schuhe zum Tausch, eine kostenlose Lieferung meinerseits und auch eine ältere PlayStation zum Tausch. Gespräche wie das hier waren an der Tagesordnung.

Screenshot von eBay Kleinanzeigen: Sinnlose Preisdiskussion
So ist es bei eBay Kleinanzeigen…

Wer es nicht kennt: Bei den Kleinanzeigen kann man angeben, ob es sich um einen Festpreis oder um eine Verhandlungsbasis handelt. Im Grunde ist es aber egal, was man als Anbieter ankreuzt, denn meist wollen die Interessenten doch noch mal nachverhandeln.

Es geht aber nicht immer so zu, manchmal klappt es auch einfach! Ich hatte zum Beispiel einmal ein Echtholz-Bett in Übergröße zu verkaufen, das man nicht auseinandernehmen konnte. Mit anderen Worten: sehr schwer und fürchterlich unhandlich. Es meldete sich ein Vater mit sehr großem Sohn – sie nahmen das Monstrum überglücklich in Empfang.

Momente wie dieser sind der Grund, weshalb ich es ab und zu noch bei den Kleinanzeigen versuche. Eine Spielekonsole werde ich da allerdings nicht mehr anbieten. Da wird man ja wahnsinnig. Ich habe sie mittlerweile übrigens verkauft, aber privat.

Auf die Idee hätte ich eher mal kommen können.

Wo ist denn das kleine Dings, das schwarze?

Als Kind und Jugendlicher hatte ich in der Familie einen tollen Ruf: immer alles finden zu können. Das konnten Sachen sein, die man aktiv gesucht hat, aber auch Dinge, die man gar nicht finden wollte.

Einmal fand ich zum Beispiel im Rinnstein einen Einmalrasierer. Neugierig, wie ich nun mal bin, hob ich ihn auf und zeigte ihn meiner Mutter. Die reagierte natürlich, wie sie es sollte und ließ mich das Ding wegwerfen – weil Krankheiten und so. Da ich aber überaus begeistert von dem kleinen Plastikteil war und es eigentlich gerne behalten hätte, köderte sie mich mit einer extra für mich gekauften Packung Einmalrasierer.

So kam ich also zu meinem ersten Rasierer-Set. Jahrelang lagen die Stielmesser in einer Schublade herum. Ab und zu rasierte ich mir die feinen Haare auf dem Oberarm weg und wunderte mich jedes Mal, warum die Erwachsenen das täglich machen.

Ein anderes Mal wollte ich mit meinem Bruder Ball spielen. Wir hatten beide als Geschenk einen besonderen Knautschball bekommen und wir hatten uns im Wohnzimmer zum Spielen verabredet. Ich war da, wer nicht kam, war mein Bruder. Irgendwann ging ich suchen und fand ihn in seinem Zimmer. „Ich finde den Ball nicht“, maulte er, während ich noch in der Tür stand. Ich zeigte drauf: „Da liegt er doch.“ – Hätte er mich mal eher gefragt.

Auch heutzutage finde ich ständig Dinge, die andere Menschen suchen. Wenn ich allerdings mal selbst etwas verlegt habe, dann natürlich nicht. Wie so ein Zahnarzt – der kann sich auch nicht selbst… lassen wir das.


Evelyn Mostrom

Der denkwürdigste Moment der Reihe fand allerdings bei einen kleinen Tour mit ein paar Freunden statt. Wir fuhren in ein Moor, übrigens ein sehr spaßiges Unterfangen. Ständig blieben irgendwelche Kindergummistiefel stecken und man musste gerettet werden. Ich fand das damals reichlich gruselig und bin mir unsicher, ob das wirklich ein Ort für Kinder in unserem Alter war. Ganz sicher war es aber kein Ort für die herausnehmbare Zahnspange, die ich am Wegesrand entdeckte.

Ein großartiger Fund, alle mussten sie natürlich bewundern kommen. Wir malten uns aus, wie man überhaupt eine Zahnspange verlieren konnte und ob das womöglich Absicht gewesen war, denn sind wir mal ehrlich: Angenehm ist es nicht, die Metalldrähte zu tragen. Natürlich konnte niemand die offenen Fragen beantworten und dieses Mal fühlte ich mich auch nicht geneigt, das Fundobjekt mit nach Hause zu nehmen. Ich weiß auch nicht, mit welcher Alternative meine Eltern mich davon hätten abhalten können. Mit diesen Drahtkonstruktionen würde ich auch noch früh genug Bekanntschaft machen – auch wenn ich das damals noch gar nicht ahnte.

Frohes Finden!


PS: Wer zuerst den Erfinder des Titels dieses Blogeintrags nennen kann, gewinnt… Anerkennung!

Urlaubserlebnisse – Andere Länder, alles anders!

Neulich war ich im Urlaub, weit, weiiit weg: in China. Ein Land, von dem ich dachte, viel über es gehört zu haben und es gut zu kennen. Naja, manches stimmte, manches nicht, anderes hatte ich vorher überhaupt nicht bedacht.

Beim Aussteigen aus dem Zug, Flugzeug oder Auto ist das erste, was ich in anderen Ländern immer bewusst wahrnehme, wie die Luft riecht. (Klar, bei Flugzeugen zählt der erste Atemzug immer erst außerhalb des Flughafens.) Auch wenn sie nah liegen, riechen sogar Österreich und die Niederlande schon anders. Spanien macht schon einen etwas größeren Unterschied, den größten hatte ich bisher bei den USA.

Shanghai machte allerdings eine völlig neue Kategorie auf. Da ging es nicht nur um den Geruch, sondern auch um die Frage, wie lange ich das wohl aushalten würde. Denn an unserem Ankunftstag war der Smog gerade stark, die Luft war außerdem ziemlich feucht und bei jedem Atmen hatte ich das Gefühl… ja, was war das eigentlich? Entweder blühte am Flughafen eine mir unbekannte Pflanze gerade heftig oder man kann Smog tatsächlich schmecken.

Meine ersten paar Stunden in China können natürlich auch durch den wirklich verrückten Jetlag verzerrt sein. Während mein vom Alter gezeichneter Körper sich verwirrt fragte, wann wir denn endlich schlafen gehen würden, es sei schließlich schon spät abends, war im Fernen Osten gerade die Sonne aufgegangen. Ich war müde und gleichzeitig wach. So eine Zeitverschiebung muss man meines Erachtens nicht unbedingt mitmachen, aber ohne geht es ja nicht.

Man kann in China natürlich Taxi fahren. Wer eine entspanntere Reise bevorzugt, nimmt aber das, was in anderen Ländern Uber heißt: ein Didi. Der Name kommt vom Geräusch, das es macht, wenn man auf die Hupe drückt: Diiii-diiii! Finde ich süß, irgendwie. Weniger süß ist es dann im wirklichen Straßenverkehr. Die Autos fahren zu großen Teilen mit leisem Elektroantrieb, was die Fahrer offenbar dazu verleitet, die wegfallenden Geräusche mit lautem Hupen zu kompensieren. Mit anderern Worten: Vorfahrt hat, wer am lautesten ist. Mein Führerschein ist dort nicht gültig, ich hätte aber sowieso kein Auto leihen wollen.

Und dann fuhren wir mit dem Didi einmal vom östlichen Rand Shanghais nördlich an der Stadt vorbei bis in den Westen und etwas darüber hinaus. In Bonn dauert so etwas ja 20 Minuten. Wir brauchten 90. Der Vergleich ist natürlich sinnlos. Trotzdem habe ich nie so viele Hochhäusergebiete am Stück gesehen. Eines, ja. Oder zwei. Aber für eine Stunde fuhren wir einfach nur zwischen Hochhäusern hindurch. Auf der Autobahn, wohlgemerkt. Und das sind nur Randgebiete. Ohje… Keine zwei Stunden war ich in dem Land und schon kam ich mir vor wie ein Landei. Natürlich nicht zum letzten Mal.

Völlig übernächtigt und klebrig von einer 20-Stunden-Reise fühlt sich übrigens jede Dusche wie ein Jungbrunnen an. Zumindest für wenige Minuten. Denn danach fühlt sich das Bett wie himmlische Wolken an, aus denen man nie wieder… Moment, alles dreht sich. Obwohl ich keinen Tropfen Alkohol getrunken hatte, drehte sich das Zimmer fleißig um sich selbst. Wenn ich das im Flugzeug gewusst hätte, als sie mir einen Verdauungsschnaps andrehen wollten!

Die „Hose“ in Suzhou ist zwar fertig gebaut, darf aber wegen nicht erteilter Erlaubnis nicht benutzt werden und steht darum leer. Sachen gibt’s…