Ein Jahr im Leben des neuen Hofbesitzers in Stardew Valley

Wir werfen einen Blick in die Tiefen von Stardew Valley: Wie könnte das private Tagebuch der Person aussehen, die neulich den Hof im Westen von Pelikan Stadt übernahm?

Dieser Beitrag erschien auf Videospielgeschichten.de und wird hier zweitveröffentlicht.

2. April

Liebes Tagebuch,

es ist soweit! Vor einigen Monaten hatte ich doch berichtet, dass ich gerne etwas nach draußen ziehen möchte, weil mir die Innenstadt auf Dauer nicht gut bekommt. Ich mag den Trubel und die Möglichkeiten, bin aber im Herzen ein „Landei“. Und was soll ich sagen… es hat geklappt! Es hat sich eine Gelegenheit ergeben, ich habe den Sprung gewagt und schreibe diese Zeilen nun aus meinem neuen Zuhause! Ich bin so aufgeregt! 

Viele Jahre lebte ich in dieser anonymen Hochhaussiedlung und darum war es für mich ziemlich ungewohnt, dass ich gleich zum Einzug schon in Kontakt mit meinen Nachbarn kam. Sie sagten, hier draußen würden selten neue Menschen einziehen und sie würden sich freuen, mich kennenzulernen. Ganz ehrlich, ich glaube, die waren einfach neugierig und wollten herausfinden, was ich für einer bin. Aber alle sind sehr freundlich. Hoffentlich bleiben sie das auch und ich habe nicht verlernt, wie man Freunde gewinnt. 

Als erstes habe ich mir aber trotzdem einen Hund angeschafft, damit es hier nicht einsam wird. Max ist super lieb und tollt den ganzen Tag auf dem Hof herum. Er kennt sich hier bestimmt schon besser aus als ich. 

15. Mai

Mittlerweile fühle ich mich hier richtig wohl. Ich habe ein kleines Häuschen mit einem Stückchen Garten, das ist ein riesiger Schritt im Vergleich zu dem winzigen Balkon in der Stadt. Auf dem hatte ich vorher ja schon ein paar Pflänzchen stehen – die meisten waren Zierpflanzen, aber auch das eine oder andere Gemüse war darunter. Für die Zeit hier habe ich mir vorgenommen, mehr Essbares anzupflanzen und mich so zumindest ein bisschen auch selbst versorgen zu können. Natürlich ist die Auswahl an Läden nicht so groß wie in der Stadt, es gibt tatsächlich nur einen kleinen Krämerladen und einen Supermarkt. Das reicht zwar, aber ich habe schon immer davon geträumt, einen komplett selbst gepflanzten und geernteten Salat zu essen. 

Neulich fand ein Dorffest statt. Die meisten Nachbarn meiner Straße kannte ich schon und habe sie dort alle auch wieder getroffen. Lustig zu sehen, wie so eine kleine Feier ein ganzes Dorf mobilisiert – würde mich nicht wundern, wenn wirklich alle Einwohner dort gewesen wären. Jedenfalls habe ich auch ein paar neue Bekanntschaften gemacht. Und ich habe jemanden kennengelernt… ich muss unbedingt mehr über ihn herausfinden. 

8. Juni

Die Pflanzen gedeihen! Das Meiste wächst gut und brav vor sich hin, ein-zwei der Pflanzen sind mir eingegangen. Ich muss beim Gießen noch besser werden, manche wollen viel, andere wenig Wasser. Ich überlege, mir eine automatische Bewässerungsanlage anzuschaffen, aber die ist nicht billig. Außerdem muss man die ja programmieren und anschließen. Ach, mal schauen. Vielleicht kann Sam mir helfen, dann würde ich zwei Fliegen mit einer Klappe… Achso, Sam ist der, von dem ich neulich schrieb. Wir haben uns nach dem Dorffest noch ein paar Mal beim Einkaufen und auf der Straße getroffen und jedes Mal ein bisschen gequatscht. Ich mag ihn sehr gerne, er ist so lebensfroh. 

Sam hat irgendwann einmal fallen lassen, dass er Blumen mag. Das hätte ich nicht erwartet, muss ich sagen. Normalerweise sehe ich ihn draußen nur am Smartphone oder auf dem Skateboard. Er spielt auch manchmal mit den kleinen Kindern, das finde ich süß. Vielleicht mag ich ihn deshalb so gerne, weil er einfach sympathisch rüberkommt. Jedenfalls habe ich mir überlegt, die Tomaten, die neulich eingegangen sind, durch hübsche Zierpflanzen zu ersetzen. Dann kann ich ihm mal eine mitbringen. Oder wirkt das zu aufdringlich?

28. Juli

WIE PEINLICH! Vorhin machte ich nach dem Einkaufen noch einen kurzen Spaziergang durchs Dorf und kam zufällig an Sams Haus vorbei. (Okay, nicht ganz zufällig. Es gibt mehrere Wege nach Hause und einer führt nun mal an seinem Haus… ach, ich muss mich hier doch nicht rechtfertigen!) Ich blieb davor stehen und träumte ein bisschen vor mich hin. Ob er mich wohl auch mag, wie es wäre, mit ihm zusammen zu wohnen – solche Dinge. Mitten in meinem Tagtraum geht plötzlich die Haustür auf, Sam tritt aus der Tür und sieht mich fragend an. Ich habe mir eine total blöde Ausrede einfallen lassen, irgendwas mit Architektur oder so. Wenn er nicht vollständig bescheuert ist, hat er es gemerkt. Ich hätte im Boden versinken können. 

Meine Pflanzen gedeihen prima. Vielleicht ist es einfach nur eine Frage der Routine. Ich gieße sie jetzt jeden Morgen noch vor dem Frühstück. Neulich habe ich danach einen kleinen Ausflug über das Gelände gemacht. Der Hof ist viel größer, als ich gedacht hatte! Hinter dem Teich fand ich ein kleines Wäldchen, das sich als schier endlos herausstellte. Es gibt unglaublich viel aufzuräumen alles ist total zugewachsen. Ich hätte eine Machete mitnehmen sollen. 

Beim Dorffest

13. August

Ich habe beschlossen, ein paar der Bäume weiter hinten zu fällen und Platz für einen kleinen Hühnerstall zu schaffen. Mit etwas Glück habe ich dann jeden Morgen ein frisches Ei zum Frühstück. Und die Hühner können den Hof etwas beleben und Max auf Trab halten. Oder anders herum, wir werden sehen. 

Neulich fand wieder ein Dorffest statt. Ich muss sagen, die wissen hier wirklich, wie man Party macht. Alle feierten bis tief in die Nacht, selbst die Kinder waren dabei – aber es sind ja auch Ferien. Für Sam hatte ich extra eine frisch geerntete Chili dabei, weil ich dachte, das könnte ihm gefallen. Ich will ihm nicht ständig Blumen schenken. Geschenke waren bei der Feier aber nicht erwünscht, also unterhielten wir uns einfach nur. Ich habe bemerkt, dass er mir Blicke zuwirft, wenn wir entfernt voneinander stehen. Oder schaut er nur zurück, weil ich ihn anschaue? Aaah!

18. September

Hier gibt es sehr viel zu entdecken. In einer alten Mine habe ich allerlei Material für den Hof gefunden. Die Höhlen sind allerdings etwas gruselig, sogar Max will da nicht rein. Mich beschleicht das Gefühl, dass ich dort nicht das einzige Lebewesen bin. Ob ich mich bewaffnen sollte? Vielleicht können mir die Leute von der Jägergilde nebenan ein paar Tipps geben. 

Das Freiräumen auf dem Hof geht gut voran. Ich habe im Dorf einen Hühnerstall und auch schon ein paar Hühner bestellt. Toll, dass das hier alles vor Ort möglich ist. Sobald der Stall fertig ist, können die Hühner einziehen. Ich soll mir schon mal Gedanken über die Namen machen, haben sie gesagt, das bringt sonst Pech. Haha! 

Ich brauche dringend etwas Deko!

11. Oktober

Am Strand habe ich ein paar unglaublich schöne Muscheln gefunden. Vielleicht kann ich einige davon in meiner Wohnung platzieren. Leider habe ich nicht so viel Ahnung vom Dekorieren, es sieht recht eintönig aus. Neulich war ich bei Sam, sein Zimmer ist total gemütlich eingerichtet. Vielleicht lade ich ihn mal zu mir ein für ein paar Tipps. Als Dankeschön bekommt er eine der Muscheln. 

Hier lebt so ein stiller Typ in einem Zelt am Dorfrand, der ist die meiste Zeit allein. Ich dachte, er freut sich vielleicht über ein paar Materialien aus der gruseligen Höhle. Habe ich ihm neulich vorbei gebracht. Meine Güte, war der sauer, sagte irgendwas von ekelhaft und stillos. Die Woche drauf habe ich ihm eine Schale frischer Himbeeren vom eigenen Feld gebracht, das hat ihn besänftigt. Ich sollte eine Liste anlegen, wer hier was mag. 

Die Hühner sind mittlerweile alle eingezogen. Sie legen mehr Eier als ich essen kann, also habe ich beschlossen, ein paar davon zu verkaufen. Das lohnt sich richtig, die Nachfrage ist groß. Ich überlege sogar, ob ich einen zweiten Stall anschaffen sollte. 

29. November

Beim Stadtbummel kam ich mit der Schreinerin ins Plaudern und was soll ich sagen, ich habe jetzt einen neuen Stall und vier Kühe. Sie hat mir einen Sonderpreis gemacht und ich hatte sowieso noch Platz auf dem Hof. Die Kühe und die Hühner vertragen sich super. Max findet das alles großartig und läuft immer hin und her, wenn er nicht gerade ein Nickerchen in seiner Lieblingsecke macht. 

Die Kinder im Dorf haben anfangs noch gesagt, sie würden mit Fremden nicht reden. Fand ich eigentlich ganz gut. Mittlerweile sind die meisten aber aufgetaut und spielen auch mal mit mir Ball, wenn ich ins Dorf gehe. Ich kenne mittlerweile fast alle Dorfbewohner, es ist ja auch schon über ein halbes Jahr vergangen. 

Sam und ich reden häufig miteinander. Manchmal telefonieren wir abends noch ein bisschen, das finde ich schön. Ich war schon häufiger bei ihm, wir haben in seinem Zimmer abgehangen und naja, einmal hat seine Mutter uns fast beim Fummeln erwischt. Das war mir ziemlich peinlich, weil ich der Ältere von uns beiden bin. Als sie wieder raus war, hat er Tränen gelacht, weil ich wohl knallrot geworden bin. Ich habe gesagt, wir treffen uns ab sofort nur noch bei mir. 

Mama hat mir einen Brief geschrieben. Ich habe mich so gefreut! Ich habe ihr Fotos vom Hof, den Ställen und dem Garten geschickt. Von Sam habe ich nichts gesagt, ich will noch etwas warten. 

12. Dezember

Kann das wahr sein? Selbst im tiefsten Winter ist dieses Dorf wunderschön. Ich war heute wieder am Strand, es war allerdings eiskalt. Trotzdem habe ich wieder einige schöne Muscheln gefunden. 

Dieser Tage gehe ich aber wegen der Kälte häufiger in die Stollen. Mit meinem Schwert kann ich mittlerweile ganz gut umgehen. Da kommt man auch nicht drum herum, denn je tiefer man kommt, desto fieser sind die Höhlengestalten. Die meisten fühlen sich glaube ich einfach nur durch Menschen gestört, aber sie greifen immer zuerst an, diese kleinen Biester. 

Sam hat mir endlich ein wenig beim Dekorieren geholfen. Ich habe ihn richtig beknien müssen! Mein Haus sieht jetzt echt wohnlich aus. In den letzten Wochen habe ich allerlei Rezepte ausprobiert, das Meiste natürlich mit Produkten von meinem kleinen Hof. Ich überlege, ihn zum Jahreswechsel zu einem Dinner einzuladen. Vielleicht sogar ein romantisches…

4. Januar

Habe ich schon erwähnt, dass hier ständig irgendwelche Feten stattfinden? Wenn nicht gerade die jeweilige Jahreszeit gefeiert wird, hat jemand Geburtstag. Es wäre ein Halbtagsjob, ständig ein Auge darauf zu haben, wer wann dran ist. Ich habe mir einen Kalender in meine Wohnung gehängt, damit ich den Überblick nicht verliere. 

Bald beginnt das Frühjahr, ich sollte mir Gedanken machen über die neuen Pflanzen, die ich anbauen will. Im vergangenen Jahr habe ich viel ausprobiert und einiges ist auch schief gegangen. Vor allem aber habe ich gelernt, wie unterschiedlich die Preise sind, die man je Pflanze aufrufen kann. Wenn man dazu bedenkt, dass manche nur kurz blühen oder Früchte tragen, andere dafür mehrfach… ich mache mir mal eine Liste. 

Sam hat neulich gesagt, er könnte sich grundsätzlich ein Leben auf dem Land vorstellen. Es kam zwar in einem Nebensatz und ganz beiläufig, aber mir ist fast das Herz stehen geblieben. Hat er das als die Anspielung gemeint, als die ich es verstanden habe?!

7. Februar

Sam und ich waren an unserem geheimen Lieblingsort im Dorf. Er hat mich geküsst und ich habe angefangen zu zittern vor Aufregung. Er hat gelacht und gesagt, ihm würde es ähnlich gehen. Wir haben uns über unsere Zukunft unterhalten. Und dann hat er zugestimmt… bei mir… EINZUZIEHEN!! ICH WERDE WAHNSINNIG!!!!

Am nächsten Tag haben wir es seinen Eltern gesagt. Die beiden sind ausgerastet vor Freude. Sogar sein kleiner Bruder war froh, aber ich glaube, er hat eher ein Auge auf Sams Zimmer geworfen. Das ist nämlich größer als seins. 

Womit ich nicht gerechnet habe, ist der Traditionalismus hier im Dorf. Es stand für alle sofort fest, dass wir heiraten würden. Für mich als ehemaligen Städter war das gar nicht so wichtig, aber ich habe mich natürlich gerne gefügt. Endlich mal wieder eine Party im Dorf 🙂

Ach, der Hofplan fürs Frühjahr steht auch! Ich werde weniger anpflanzen und mehr auf die Tiere setzen. Dafür brauche ich zwar eine ganze Menge Heu, aber für selbstgemachte Milch und Mayonnaise verdiene ich pro Tag einfach mehr als für das meiste Gemüse. Mit der neuen, automatischen Bewässerungsanlage spare ich außerdem sehr viel Zeit. Es hat sich doch gelohnt, dass ich damals in der Stadt etwas BWL gelernt habe. Moment, damals? Das ist noch nicht mal ein Jahr her. 

Der schönste Tag meines Lebens

16. März

Unsere Hochzeit war unglaublich schön. Ich habe es ja schon geschrieben: Feiern können die hier gut. Das ganze Dorf kam zusammen, alle schick herausgeputzt, der komplette Dorfplatz war geschmückt. Der Bürgermeister hat ein paar Worte gesagt und ich habe gesehen, dass sogar die sonst eher zurückgezogenen Leute ergriffen waren. 

Sam ist letzte Woche mit Sack und Pack bei mir eingezogen. Ich habe uns den Anbau hergerichtet. Bisher hatte ich ihn gar nicht genutzt, allein war das auch nicht nötig. Jetzt steht hier sein Schlagzeug und seine ganze Skaterausrüstung. Am ersten Tag stand ich morgens auf, da fuhrwerkte er schon in der Küche herum und brutzelte uns ein Rührei. Es ist schön, zusammen zu leben. 

Danach habe ich mir beim Krämerladen die Gemüsesamen für das ganze anstehende Jahr besorgt. Bei der Schreinerin habe ich einen zweiten Hühnerstall und eine Erweiterung für den Kuhstall bestellt. Als ich zurückkam, hatte Sam sich mit der Bewässerungsanlage vertraut gemacht. Ich glaube, wir sind ein gutes Team und fühle mich gewappnet für die anstehende Saison. 

„Wo sind eigentlich die Kinder?“

Immer, wenn ich solch urige Häuser wie auf dem Beitragsbild sehe, werde ich an eine denkwürde Situation in meiner Kindheit erinnert. Ich weiß noch, dass wir mit einigen Familienmitgliedern in dieses „ganz besondere Restaurant“ gingen – so wurde es uns Kindern jedenfalls angepriesen.

„Ganz besonders“, das bedeutete komisches glibberiges Zeug (Sülze), seltsam schmeckendes Fleisch (Leber) und überwürzte Wurst (Blutwurst). Kurz: Mir gefiel dieses Etablissement überhaupt nicht. Es war düster und verwinkelt, ständig waren schwarz angestrichene Holzbalken im Weg. Als Erwachsener würde ich es wohl als uriges Restaurant im Landhausstil bezeichnen. Als Kind, das eher Lust auf Pommes und Abenteuer hatte, übte der Ort aber keinen besonderen Reiz auf mich aus. Es war unglaublich langweilig und ich kann mir gut vorstellen, dass wir Kinder irgendwann schrecklich quengelten.

Vielleicht durften wir deshalb vor oder nach dem Essen etwas Herumlaufen. Wir gingen vor die Tür und schauten, was man um das Haus denn so erleben konnte. Das Restaurant befand sich nah am Wald, ringsherum standen große Bäume. Die ganze Szenerie wirkte so düster wie der Innenraum. Links vom Eingang entdeckten wir eine alte, rostige Leiter. Sie führte auf ein schmales Podest, das sich längs am Haus auf etwa anderthalb Metern Höhe befand. Jemand machte den Anfang und kurz danach standen wir nebeneinander auf diesem schmalen Steg.

Viel zu erleben gab es hier nicht: Links war der Wald, rechts begann das Reetdach. Wir schauten uns die vielen Schichten Schilfrohr an, mit dem das Haus bedeckt war. Beeindruckend, dass es tatsächlich all den Regen und die Feuchtigkeit abhalten konnte, die so ein Dach nun mal abbekommt. Wir schoben ein paar alte Blätter und herabgefallene Zweige beiseite und hatten nun das Reet direkt vor uns.

Einer von uns war frech genug, ein einziges kleines Rohr aus dem Dach heraus zu ziehen. Das war schon ganz schön dreist, dachte ich. Aber ich wollte es dann auch versuchen – das ging ganz leicht und machte irgendwie Spaß. Reihum zogen wir alle ein paar der Schilfrohre aus dem Dach heraus, und dann ein paar mehr, bis wir in einem kleinen Haufen dieser ehemaligen Dachbefestigung standen. Im Dach war mittlerweile ein beeindruckend großes Loch entstanden.

Da hörten wir ein Rufen. Einer der Erwachsenen hatte uns gefunden. Offenbar waren wir zu lange weggeblieben und wie das nun mal so ist: Wenn von Kindern zu lange nichts zu sehen oder zu hören ist, sollte man mal nachschauen gehen. In diesem Fall war es aber leider zu spät. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Es gab einen riesigen Ärger und natürlich wurde den Besitzern gebeichtet, die den Schaden dann natürlich aufgeregt begutachten mussten. Wir wurden reihum zur Rede gestellt und schämten uns schrecklich. Nach unserer Rückkehr nach Hause mussten sich meine Eltern dann noch eine ganze Weile mit der Versicherung und den Eigentümern des Hauses herum schlagen, um die Reparaturen zu koordinieren.

Mir ist das alles bis heute peinlich. Dass meine Eltern uns auch heute noch bei Reetdächern ein schräges Lächeln zuwerfen, zeigt mir aber, dass sie den Stress wohl überwunden haben.


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Gute und böse Zeit

Disstress und Eustress – zwei Begriffe, über die man normalerweise irgendwann in seinem Leben stolpert. Disstress ist, wie die Vorsilbe schon vermuten lässt, der Stress, der nicht gut ist. Er macht unzufrieden und auf Dauer sogar krank.

Ich hatte total viel zu tun, dann war auch noch Montag und der zieht sich ja bekanntlich ohnehin schon so in die Länge. Alle hatten schlechte Laune und der Tag nahm einfach kein Ende.

Auf solche Arbeitsbedingungen hat sicher niemand Lust. Mir scheint aber auch, dass das hier ein bisschen Einstellungssache ist: Denn überraschenderweise ist nicht jeder Montag immer gleich ein schlimmer Tag. Aber es muss ja nicht alles schlecht sein: Eustress hingegen ist nämlich der gute Stress. Die Arbeitslast mag die gleiche sein, aber man fühlt sich während der Zeit nicht ausgelaugt sondern motiviert und stark, ist froh und zufrieden.

Ich hatte total viel zu tun, aber es hat einfach nur Spaß gemacht und die Zeit verging wie im Fluge. Ich könnte jetzt sogar noch weiter arbeiten, habe richtig Lust auf den Job und freue mich auf die nächsten Tage.

Ob so ein Satz wohl je an einem Montag gesagt worden ist? Wie dem auch sei: In die gleiche Kerbe schlugen auch schon die Griechen: „Chronos“ ist bei ihnen die Zeit, die mich belastet, die Zeit, in der ich wirklich nach der Uhr lebe. Wohingegen „kairos“ die angenehme Zeit ist, in der ich mich entspanne, in der die Uhrzeit gar nicht so wichtig ist – Urlaub eben.

Was fällt bei diesen Definitionen auf? Niemand sagt, diese oder jene Arbeitszeit sei gut. Oder schlecht. Es steht auch nicht fest, dass Arbeiten am Wochenende oder spät abends schlecht ist. Oder gut. Es liegt offenbar an uns, die Zeit, die wir haben, so zu (be)nutzen, dass wir möglichst nur noch Eustress erleben.

Naja. So viel jedenfalls zur Theorie.


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