Ein Erlebnis in der Herrenumkleide, oder: Männer sind komisch

Dieser Tage war ich beim Sport. Also, so richtig in einer Mucki-Bude, wobei dieser Begriff wohl schon in den 90ern veraltet war. Vielleicht ist Sportcenter ein besseres Wort, ich habe keine Ahnung, wie man das heutzutage nennt. Jedenfalls hatte ich am Ende meines Besuchs eines dieser schönen „Fahrstuhlerlebnisse“, wie sie nur in verklemmten Kulturen wie unserer stattfinden können. 

Die Herrenumkleide in diesem Fitnesstempel (auch schön, oder?) lag im Untergeschoss. Im gesamten Laden lief zwar laute Musik, aber hier unten herrschte Grabesstille. Es gab keine Fenster und war ziemlich beengt. In solchen Räumen – eng und still – entsteht schnell dieses unangenehme Gefühl. Wenn man sich gegenseitig in den „personal space“ treten muss. Das Schlimmste ist, wenn dabei alle nackt sind.

Ich stolperte also nach dem Pumpen (noch so ein 90er-Begriff) verschwitzt in die Umkleide, sagte hallo, etwaige Antworten konnten die Schallmauer meiner Kopfhörer jedoch nicht durchbrechen. Ich lief zunächst zwei Mal verwirrt und leise fluchend im Kreis, weil ich nicht mehr wusste, welchen Spind ich beim Ankommen gewählt hatte. Ein jüngerer Mann stand derweil in der Umkleide und schaute mir wortlos dabei zu. Überhaupt: Ab sofort würde im Raum Schweigen herrschen, denn das ist eine ganz wichtige Regel in diesen Situationen, es darf möglichst nicht gesprochen werden. 

Der Mann, nennen wir ihn spaßeshalber Kai – ich kenne ihn nicht, aber er wird hier ein paar Mal genannt werden und das ist leichter mit Namen – also jedenfalls stand Kai etwas unschlüssig und in kompletter Sportmontur vor seinem Schränkchen herum. Erst als ich die richtige Tür gefunden hatte, natürlich direkt neben seiner, und mein Schloss aufsprang, fing er an, an sich herum zu nesteln. Meiner Erfahrung nach duschen junge Männer wie er selten nach dem Sport. Vielleicht schwitzen diese Leute nicht oder duschen zu Hause, andere Optionen will ich mir nicht ausmalen.

Aus dem Augenwinkel beobachtete ich dann, wie Kai sich zeitgleich mit mir auszog. Das ist übrigens eine weitere, sehr wichtige Verhaltensregel in diesen Situationen: Man darf sich nicht anschauen, allenfalls zur Begrüßung und zur Verabschiedung, aber niemals, wenn eine Person zu viel Haut zeigt. Sobald der Ober-, oder Gott bewahre eventuell sogar der Unterkörper unbekleidet ist, schaut man weder dorthin, noch auf die Brust, noch nicht einmal in die Augen. Daher beobachtete ich ihn also nur aus den Augenwinkeln, so wie Kai zweifelsohne auch mich im Blick hatte.

Und so erkannten wir wohl zeitgleich, dass wir eine gemeinsame Aufgabe würden bewältigen müssen: nebeneinander zu duschen. Kai war eine Sekunde schneller als ich und hatte sich schon schamhaft sein Handtuch um die Hüften geschlungen, als ich es ihm wenige Augenblicke später gleich tat und wir hintereinander die dreieinhalb Schritte zur Dusche antraten.

Der Duschraum befand sich in einem Nebenzimmer, in dem ebenfalls Spinde standen. Erst dort angekommen sah ich, dass sich ein weiterer Mann aufs Duschen vorbereitete und sich zu uns gesellen würde. Auch er trug schon seinen „Lendenschurz“. Nennen wir diesen dritten Mann einfach Robert.

Der Duschraum in dieser Umkleide war ein niedriges, schlauchartiges Kästchen von wenigen Metern Länge, und er war so schmal, dass ich problemlos die Arme ausbreiten und beide Wände hätte berühren können. Die etwa acht Duschen waren teilweise direkt gegenüberliegend angebracht, so dass man sich beim Einseifen näher war, als das in jeder handelsüblichen Kassenschlange angenehm wäre – und dort haben die meisten Menschen wenigstens ausreichend Klamotten an.

Kai ging vorne in unserer Handtuchkolonne und verzog sich strategisch klug an das eine Ende des engen Raumes. Sein Handtuch baumelte an einem Haken am Eingang zum Duschraum. Robert kam als zweiter und wählte natürlich, dem ungeschriebenen Kodex folgend, das andere Ende des Räumchens. Er nahm sein Handtuch vorsorglich mit. Mir blieb nun die Wahl zwischen „direkt neben Kai“ und „direkt neben Robert“. Ich wählte die Dusche, die gegenüber dem Eingang und damit nah an meinem Handtuch angebracht war. Ich stand damit neben Kai, wie vorhin am Spind.

Nachdem die strategischen Positionen bezogen waren, fingen wir wie einem imaginären Startschuss folgend mit dem Duschen an. Schweigend und in einem Raum, der von der Enge her einem Fahrstuhl in nichts nachstand – aber wenigstens dudelt dort gerne mal Musik, bei uns plätscherte nur das Wasser.

In welche Richtung dreht man sich in solch einer Situation und wo schaut man hin? Genau, alle drehen sich mit dem Gesicht zur Wand und zeigen sich damit die weniger peinliche Körperseite. Außerdem, und das ist womöglich noch wichtiger, deutet man mit der Geste an, keine der oben beschriebenen, verbotenen Blicke werfen zu wollen. (Aus dem Augenwinkel natürlich, aber das zählt bekanntlich nicht.) In dieser Enge ging das in meiner Mittelposition leider nicht, so dass ich mich also einige Male unbewusst um mich selbst drehte, bis ich das Problem erkannte und danach abwechselnd auf meine Füße und an die Decke starrte.

So duschten wir also still vor uns hin, die verschiedenen Düfte unserer Shampoos vermengten sich und ich versuchte, so weit von Kai weg zu stehen, wie es meine Duschbrause zuließ. Wir schafften es glücklicherweise, uns nicht zu berühren, sonst hätte vermutlich einer von uns einen spitzen Schrei nicht unterdrücken können.

Ich nahm mir einen kurzen Augenblick Zeit für ein inneres Lächeln. Was für eine absurde Situation war das? Ich wüsste gerne, wie sich Männer in anderen Ländern und Kulturkreisen in solchen Momenten geben, oder, noch einfacher, ob sich Frauen in Umkleiden und speziell beim Duschen auch so bescheuert verhalten. Nicht einmal sprechen können wir Männer, es ist schrecklich kindisch. Ein Gesprächseinstieg ist nach solch langer Stille aber auch unmöglich. Was hätte ich sagen können? „Bei euch ist das Wasser also auch zu kalt, wie ich sehe?“

Wir drei hätten an diesem Tag bestimmt jeden Wettbewerb im Schnellduschen für uns entscheiden können, ich war von meiner eigenen Leistung beeindruckt. Darüber hinaus wunderte mich, dass Kai neben mir irgendwann anfing, sich nach dem kompletten Vorgang ein zweites Mal die Haare zu waschen. Schnell fiel mir der Grund auf: er schindete Zeit.

Denn um an sein Handtuch zu gelangen, hätte er sich an mir vorbei drängeln müssen und es wäre womöglich zu einem Körperkontakt gekommen, und dieser muss bekanntlich um jeden Preis vermieden werden. Überhaupt, wie hätten wir das anstellen sollen? Unsere Hintern zentimeterweit voneinander entfernt, oder… oder etwa anders herum? Ich beschloss, dass es Zeit war für den nächsten Schritt.

Ich stellte also die Dusche ab, schnappte mir mein eigenes Handtuch, gab Kai etwas Raum und genoss den Moment, als ich beim Trocknen meiner Haare kurz überhaupt nichts sehen konnte und damit auch keine Gefahr für die anderen darstellte. Ich seh dich nicht, du siehst mich auch nicht. Robert beendete seinen Duschvorgang wenige Augenblicke nach uns, konnte aber in seiner Ecke verbleiben, denn er hatte sein Handtuch ja mitgenommen. Ein sicherlich nur halbwegs kluger Schachzug, denn das Stück Stoff musste ordentlich mitgeduscht haben. Wer schon einmal versucht hat, sich mit einem klammen Handtuch abzutrocknen, weiß, was ich meine.

Einige kurze, andächtige Abtrocknungssekunden später traten wir unsere Prozession zurück in die Umkleide an, alle mit unseren nassen Handtüchern umwickelt. Robert verblieb in seinem Teil der Umkleide, ihn sah ich an diesem Tag nicht wieder. Ich werde ihn auch in Zukunft nicht erkennen können, denn ich hielt mich stoisch an den Kodex und blickte ihm niemals ins Gesicht. 

Kai und ich erreichten unsere Spinde gleichzeitig, wir machten uns sofort ans Anziehen. Hier schließt die dritte Regel dieser peinlichen Situationen an: Männer müssen stets darauf achten, so kurz unbekleidet zu sein wie nur irgendwie möglich, insbesondere beim Umziehen. An solch einem Ort wirkt diese Regel nicht nur paradox, sie ist es auch. Jedenfalls zieht man sich darum zuerst ein T-Shirt oder Unterhemd an, sofern das feuchte Handtuch um die Hüften noch hält. (Tipp: Beim Verknoten der Enden einatmen und den Bauch einziehen.) Damit ist dann wenigstens der Oberkörper schon einmal gesichert. Bis hierhin lief bei uns beiden auch alles ohne Probleme.

Aber nun ist es ja so: Das gegenseitige Anschweigen mag vielleicht sogar Vorteile haben. So sind diejenigen Männer, die sich an solche Situationen gewöhnt haben, problemlos in der Lage, gedanklich abzuschweifen und vielleicht schon einen Einkaufszettel zusammenzustellen. Ein klarer Nachteil ist aber, dass man jedes Geräusch hört. So nahm ich belustigt wahr, wie Kai erst vergeblich versuchte, die noch nassen Füße in seine Shorts zu bekommen und die Klamotte danach ein lautes Flap-flap-flap-flap von sich gab, als sie schrittweise seine feuchten Beine hoch rutschte.

Normalerweise geht es nämlich nur mir so. Ich stehe dann ausschließlich mit T-Shirt bekleidet da, die Ziellinie der vollen Körperverhüllung bereits vor Augen, und versuche, in meine Unterhose zu steigen. Leider vergesse ich zu häufig, vorher meine Brille wieder aufzusetzen und nehme die Szene nur verschwommen wahr. Darum trete ich daneben und meine Shorts landet in einer kleinen Pfütze auf dem Boden. Um sie aufzuheben, muss ich nun entweder halbnackt in die Knie gehen oder den Personen in meinem Rücken meinen entblößten Hintern entgegen strecken – zwei ganz tolle Optionen, von der feuchten Unterhose mal ganz abgesehen.

Aber Kai war geschickter und natürlich ignorierten wir beide die peinlichen Geräusche, so wie wir seit meinem Eintreffen in der Umkleide alles um uns herum gekonnt ignoriert hatten. Kai zog sich in Windeseile an, ich ließ ihm gerne seinen Vorsprung. Als er schlussendlich grußlos die Umkleide verließ, hätte ich ihm gerne hinterher gerufen: „Du lässt mich einfach so stehen? Hat dir unsere gemeinsame Zeit denn gar nichts bedeutet?!“ 

Grinsend packte ich zusammen und dachte, dass ich hierüber unbedingt schreiben muss. – Wieso sind wir so? Mir hat niemals jemand aktiv beigebracht, dass ich mich so absurd zu verhalten habe. Die beschriebene Problematik tritt auch nicht nur in Fitnessclubs auf (das Wort gefällt mir glaube ich noch am besten), denn in jedem Schwimmbad und jeder Sauna läuft es genauso ab, wobei Saunas aus offensichtlichen Gründen noch eine Spur bekloppter sind.

Kurze Zeit später stieg ich in mein Auto und sah, wie Kai an mir vorbei fuhr. Wir würdigten uns natürlich keines Blickes. Stattdessen beobachteten wir uns nur aus den Augenwinkeln, wie sich das für echte Männer gehört.


Bild von Woon Kuongchin auf Pixabay

Über Panikattacken

Würde ich gebeten zu erklären, was eine Panikattacke ist, dann würde ich die folgenden Beispiele aufzählen:

Beispiel 1: Neulich führte ich ein Videotelefonat und mein Gegenüber fragte mich aus heiterem Himmel plötzlich: „Sag mal, Thomas, hast du eigentlich Angst vor Spinnen?“ Ich fand schnell heraus, dass hinter mir an der Wand eine relativ große Spinne saß und meine Gesprächspartnerin mich ganz vorsichtig auf den potenziellen Schock vorbereiten wollte. 

Beispiel 2: Vor vielen Jahren saß ich mit einer Freundin im Flugzeug in den Urlaub und bot mein Knie als Haltegriff an: Sie hatte nämlich Flugangst. Blaue Flecke bekam ich zwar keine, aber ihre schwitzige Hand durchnässte meine Jeans. 

Beispiel 3: Einmal stand ich auf einer Aussichtsplattform an einer hohen Klippe. Die Plattform führte über das Gestein hinaus und der Boden bestand nur aus einem Metallgitter. Wir Touristen konnten also mehrere hunderte Meter nach unten schauen, direkt unter unseren Füßen. Die Aussicht ins Land war großartig, aber den echten Adrenalinschub brachte der Blick nach unten, wenn man sich das überhaupt traute. 

Alle drei Ängste sind irrational, jedenfalls zu großen Teilen. Natürlich können Spinnen beißen und auch mal gefährlich sein, aber in Deutschland ist das sehr unwahrscheinlich. Und natürlich kann ein Flugzeug abstürzen, aber man sagt, statistisch gesehen sei Fliegen sogar sicherer als Autofahren. Und natürlich konnte das Metallgitter an der Aussichtsplattform durchbrechen und wir in die Tiefe stürzen. Aber wie wahrscheinlich ist das alles?

Genauso verhält es sich bei Panikattacken. Das sind größtenteils irrationale Ängste in Momenten, in denen diese Angst von außen betrachtet nicht erforderlich ist. Und damit unterscheiden sich Panikattacken nicht sonderlich von Ängsten vor Spinnen, vor dem Fliegen oder vor Höhe. 

Die Symptome einer Panikattacke unterscheiden sich darum auch nicht besonders von denen der anderen Ängste: Man bekommt Herzrasen, Schweißausbrüche, ist nervös, fühlt sich schwach und schwindelig, hat vielleicht sogar Überlebensängste. Die Gefühle sind die reiner Angst, und die kennen wir alle.

Aber wie kommt es überhaupt zu einer Panikattacke? Wenn ich das umfassend beantworten könnte, hätte ich vermutlich selbst keine mehr. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Angst davor, eine Panikattacke zu bekommen, am ehesten dazu führt, dass tatsächlich eine kommt. Klingt unlogisch? Ein wenig vielleicht, es ist aber am Ende ein simpler Teufelskreis und auch den kennen wir alle. 

Kann man dagegen etwas unternehmen? Ja, es ist aber reichlich aufwendig: eine Konfrontationstherapie. Bei Spinnen, Höhenangst und auch beim Fliegen sollte es also helfen, sich immer wieder der Angst auszusetzen – natürlich zu Beginn nur ein wenig und zunehmend mehr. Der eigene Kopf soll bei dieser Methode lernen, dass nichts Schlimmes passiert und die Situation anders als erwartet doch ganz gut auszuhalten ist. Je häufiger die Angst als erfolgreich überstanden wahrgenommen wird, desto mehr wird sie mit positiven Gefühlen überschrieben und verschwindet irgendwann. 

So viel zur Theorie. Diese Technik ist bei mir selbst noch nicht von Erfolg gekrönt, aber was nicht ist, kann ja noch werden. 


Beitragsbild: mohamed Hassan auf Pixabay

Gedankenspiel: Corona-Pandemie in den 90ern

Darf man schon wieder freiwillig über Viren nachdenken oder setzt bei dem Wort sofort gedankliches Augenrollen ein? Naja, wer bis hier gelesen hat, hält vielleicht auch weiter durch. Ich frage mich jedenfalls, wie ich die Pandemie als Jugendlicher in den frühen 90ern wohl erlebt hätte.

Zur Erinnerung: Damals gab es noch kein Facebook, kein Reddit, kein Mastodon, auch Mobiltelefone waren noch nicht verbreitet. Und die waren außerdem unglaublich teuer. Wie unterhielten wir uns damals dann überhaupt? Richtig, wir telefonierten kurz, denn das kostete schließlich auch pro Minute. Dabei besprachen wir das nächste Treffen. Ohne weitere Absprachen fanden sich dann alle Parteien zum vereinbarten Zeitpunkt am Ort des Geschehens ein. Man kann es kaum glauben, aber aus irgendwelchen Gründen funktionierte das meist problemlos. Was machte man eigentlich, wenn jemand im Stau fest steckte oder sich aus anderen Gründen massiv verspätete? Ich glaube, man rief bei irgendwem in der Nähe an.

In der Schule

Jedenfalls hätten wir von der Pandemie natürlich über die 20 Uhr-Nachrichten erfahren und über den Tratsch in der Schule. Die aktuellen Inzidenzen gäbe es einmal am Tag aus der Zeitung, bei Bedarf vielleicht auch häufiger im Radio oder im Fernsehen. Ob wohl ein eigener Radiosender dafür eingerichtet worden wäre? Tja, und dann hätte natürlich eine Art „Homeschooling“ stattgefunden. Wobei das Ding sicher einen anderen Namen gehabt hätte. Ich befürchte, dass wir die aktuellen Aufgaben per Fax bekommen hätten (zum Fax habe ich früher schon etwas geschrieben). Oder hätte es unterlagen per Post gegeben?

In Ermangelung von Online-Konferenzsystemen hätte das Lernen komplett in Einzelregie stattfinden müssen. Das ist ein Zustand, der meinem Eindruck nach auch in der echten Pandemie nicht nur vereinzelt so bestand. Schade eigentlich, dass es keinen großen Unterschied zu der ausgedachten Pandemie in den 90ern gibt. Denn beide Male gilt, dass Kinder einfach Pech oder Glück mit der Anstellung ihrer Eltern haben können. Manche können helfen, weil sie die Zeit dafür haben, andere nicht. Vielleicht wissen sie auch nicht, wie sie ihren Kindern den Stoff beibringen sollen. Klar, Eltern haben ja auch keine Lehrausbildung.

Im Privaten

Und wie wäre das mit dem Spielen gewesen? Denn ja, damals ging man noch vor die Tür und traf Freund:innen im Dorf „zum Spielen“. Wir spielten häufiger Brennball bei uns im Wendehammer, oder kraxelten auf die Bäume im Garten oder bei den Nachbarn. Kindern Abstandsregeln beizubringen, stelle ich mir schwer bis nahezu unmöglich vor. Also wären sicherlich auch diese Verabredungen erst einmal ausgefallen.

Mit etwas Glück hätte ich aber wenigstens meinen damals sehnlichsten Wunsch erfüllt bekommen: einen Gameboy. Wir hätten uns sicher noch mehr mit uns selbst beschäftigt. Mit der Familie spielen, im Haushalt aktiv sein, vielleicht ein Haustier anschaffen oder Modellbau. Selbst der Fernseher wäre irgendwann einmal „leer geschaut“, wie es damals immer hieß. Netflix wurde ja auch erst Ende der 90er erfunden.

Fazit

Ich stelle mir das Leben in einer zweijährigen Pandemie in den 1990ern vor allem einsam vor. Und zwar noch einsamer als in dieser Pandemie in den 2020ern. Denn selbst wenn wir alle Zoom & Co. vielleicht heute nicht mehr sehen können: wir haben Glück, dass es das Internet mit den Möglichkeiten zum Austausch bereits gibt. Selbst wenn das vielerorts auch heutzutage nicht so funktioniert wie es sollte, das ist immer noch besser als nichts. (Okay, außer, es ist wirklich nichts.)

Ein düsteres Gedankenspiel. Das hatte ich gar nicht erwartet!


Bild von congerdesign auf Pixabay