Wenn Stau witzig wird

Zugegeben: Stau ist selten witzig. Nur, wenn man selbst nicht drin steht. Lediglich davon hört. Während man auf dem Sofa liegt. Oder im Auto in der Sonne sitzt und in die entgegengesetzte Richtung fährt. 

So ist mir das neulich passiert. Wir fuhren Richtung Niederlande auf der A4 entlang der aus verschiedenen Gründen fragwürdigen Allee der Bäume des Jahres. Na, zumindest bietet sie einen gewissen Wiedererkennungswert. 

Das Radio dudelte so vor sich hin, wir ließen die Nachrichten über uns ergehen. Irgendein orangener Depp hatte sich wieder einmal in der Welt daneben benommen. Nichts Neues. Dann kam die Stauschau. Zahlreiche Sperrungen auf der A3, nicht unsere Route. Dann: „Die A3 ist in Höhe XY zusätzlich blockiert – dort ist ein Putenlaster umgekippt.“ 

Ein was?

„Der Laster versperrt die ganze Fahrbahn. Die meisten Puten haben den Unfall nicht überlebt. Die verbleibenden Tiere sind größtenteils verletzt, so dass sie noch vor Ort vom Veterinär getötet werden müssen.“

Ein Putenlaster?

„Bitte stellen Sie sich auf lange Wartezeiten ein, die Vollsperrung wird mindestens noch zwei Stunden dauern.“

Mein erstes Gefühl war Betroffenheit für all die armen Tiere. Auf der anderen Seite waren sie wahrscheinlich ohnehin auf dem Weg zur Schlachtung. Blieb die Frage, wie sie denn aussehen würde, so eine Massenschlachtung bei sommerlichen 30 Grad mitten auf der Autobahn. 

Ein groteskes Bild von wild herum flatternden Flügeltieren auf einer Teerbühne vor Zuschauern in Autos formte sich vor meinem inneren Auge und ich musste grinsen. Wie im Autokino. So tragisch der Unfall war, so skurril war der Gedanke auch. 

Es ist im Übrigen nicht übermittelt, ob denn Menschen zu Schaden gekommen sind – was ebenfalls nicht einer gewissen Komik entbehrt, da es offenbar nicht so wichtig schien.

Podcast-Empfehlung: Was Mit Medien

Retro-Mikrofon

„Ich mache was mit Medien.“

Dieser gleichermaßen ernst wie spaßig gemeinte Satz ist das Programm des Podcasts, den ich heute kurz vorstellen möchte. Bei der Sendung geht’s um das, was die MedienweltTM in den letzten Tagen beschäftigt hat, die Sendereihe beschreibt sich selbst als „Durchleuchtung der Medienlandschaft“.

Themen sind zum Beispiel neue Entwicklungen bei Snapchat, die Zukunft des Radios in Zeiten von sozialen Medien und virtuelle Realität, aber auch politische Themen wie die Einschränkungen, mit denen Journalisten in anderen Ländern zu kämpfen haben.

Die beiden Herren am Mikrofon sind selbst ausgiebige Online-Menschen und sich auch nicht zu schade, die eine oder andere neue Technik auszuprobieren. Lockerer Podcast in angenehmer Länge!

Eine Stunde was mit Medien bei Deutschlandfunk Nova

  • Länge: 40 Minuten (im Podcast fehlt die Musik, darum keine Stunde)
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  • Daniel Fiene: @fiene
  • Herr Pähler: @herrpaehler

Titelfoto: Maciej Korsan/StockSnap.io

Kalenderführung wie ein Ägypter

Sphinx und eine der Pyramiden von Gizeh

Es war ja früher nicht alles schlecht. Die Ägypter zum Beispiel haben eine Menge vollbracht. Wie, das verstehen wir in manchen Fällen bis heute nicht. Etwas, das wir verstehen, ist die Benennung der Jahreszahlen. Da haben sich die Herrschaften damals nämlich etwas kluges ausgedacht.

Der ägyptische Kalender

Die ägyptische Zeitrechnung war der heutigen natürlich ähnlich, wobei, das sollte ich wohl anders herum formulieren. Also: Die Wurzeln unserer heutigen Zeitrechnung scheinen die Alten Ägypter gelegt zu haben. Hm, auch das ist so nicht richtig, denn das kann ich gar nicht belegen. Ach, es ist ja auch nicht so wichtig. Was ich sagen möchte: Schon damals gab es natürlich eine logische Einteilung in „Tages- und Nachtzeit“, wobei der Tag erst mit dem Sonnenaufgang startete und nicht um Mitternacht. Aber das sind Kleinigkeiten.

Wichtiger ist die Frage: Wie konnten die Ägypter die Jahre beschreiben? Dazu gleich noch eine Frage: Wie machen wir das nochmal? – Ach ja, wir zählen ab einem bestimmten Termin, das hat irgendetwas mit der Bibel zu tun. Da Jesus‘ Schalten und Walten zur Zeit der Ägypter noch in ferner Zukunft lag, musste man sich anders helfen. Rückwärts bis Null zu zählen war ja wohl keine denkbare Option.

Die Idee, Jahreszahlen mit bestimmten Ereignissen zu verbinden, hatten die schlauen Menschen damals auch schon. Statt einer hübschen Geschichte machten sie die Zählerei an echten Geschehnissen fest. So begann die Jahreszahlung eine zeitlang immer neu nach der Krönung eines Herrschers. „2 Jahre nach der Krönung von Herrscher XY“ war damit eine klare Aussage.

In unsere Zeit übersetzt

Was, wenn wir uns nach 2.017 Jahren für eine andere Zeitrechnung entschieden? Abgesehen natürlich von dem herrlichen technologischen Wirrwar, den das hervorrufen würde.

Im Jahre 12 nach der Krönung Merkels
Der Slogan erscheint mir etwas übertrieben. Dass Frau Merkel mittlerweile aber wirklich zwölf Jahre dieses Land regiert, erschreckt hingegen etwas. Gut, das mit den Krönungen haben die Ägypter ja vorgemacht. Mal sehen, was sonst noch so ansteht.

Im Jahre 10 nach der Vorstellung des ersten iPhones
„Smarte Geräte“ haben den Mobilfunkmarkt revolutioniert. Ohne sie würden die meisten Leser dieses Blogs ihn, nun ja, nicht lesen. Aber dass wir jetzt schon so lange auf den Bildschirmen herum tippen und wischen…!

Im Jahre 12 nach der ersten Staffel Germany’s Next Topmodel
Natürlich sollte man die Jahreszahlen nicht nach solch wenig denkwürdigen Dingen richten. Ebenso liegt es mir natürlich fern, eine Kausalität zwischen der Zahl der Topmodel-Veranstaltungen und der Regierungsjahre Merkels herzustellen.

Im Jahre 6 nach dem Ende von „Wetten, dass..?“
Ein Trauerspiel. Sechs Jahre ist es bereits her, dass wir das letzte mal die einst größte Abendshow nicht sahen. Denn sind wir ehrlich: Die Gala wurde abgeschafft, weil wir nicht nicht einschalteten. Sei’s drum, ich vermisse sie nur ein kleines Bisschen. Auch wenn das mehr ist, als ich meinem damaligen Blogeintrag vermutet hatte.

Ins eigene Leben übertragen

Viel spannender als allgemein Bekanntes! Im Jahre X nach der Entjungferung, im Jahre Y nach der Hochzeit, im Jahre Z nach der Ägyptenreise… Aber damit könnte ja niemand sonst etwas anfangen. Schade eigentlich. Verwirrung allerorten, ja, aber wir würden viel über andere Menschen erfahren.

Wahrscheinlich bleibt die Bibelregelung darum erst einmal in Gebrauch. Schlicht, weil alles andere sehr umständlich wäre und auch, weil sich niemand traut zu erzählen, dass er noch gar nicht entjungfert wurde.