Das war der Februar 2024

Wenn es ans Schreiben der Monatszusammenfassung geht, denke ich immer „oha, diesmal habe ich wirklich gar nichts erlebt. Dann schaue ich nach und stelle fest: stimmt überhaupt nicht. Wie viel der Mensch vergisst, es ist erstaunlich.

Der Monat beginnt mit einem seltsamen Telefonat: Da muss ich von zu Hause einen Abschleppdienst für jemanden bestellen, der irgendwo bei Leverkusen-Opladen auf der Autobahn liegen geblieben ist, weil er Diesel in seinen Benziner gefüllt hat. Es gibt echt Leute… Sprachlich ist die Sache auch eine Herausforderung und es fällt mir zu, mutige Abschleppleute zu finden für eine mir völlig unbekannte Gegend. Wie haben wir eigentlich vor digitalen Medien wie Suchmaschinen, Übersetzungsdiensten und Kartenanbietern überlebt? Vermutlich haben wir einfach gewusst, welcher Treibstoff in ein Auto gehört.

Bei einer Weiterbildung lerne ich dieser Tage viel über Kommunikation in E-Mails, vor allem über die Fehler, die man dabei machen kann. Mir war bewusst, dass Absender und Empfängerin völlig unterschiedliche Emotionen in eine E-Mail hineinschreiben beziehungsweise aus ihr herauslesen, aber es ist interessant zu sehen, wie weit das geht. Und wie sehr das mit der eigenen Sozialisation, der eigenen Kultur und auch dem eigenen aktuellen Befinden verknüpft ist.

Apropos Befinden: Seit Besprechungen mindestens hybrid, wenn nicht sogar komplett digital stattfinden, habe ich keine Geduld mehr für unnötiges Absitzen von Gesprächen. Ich bin erfreulich selten in der Situation, in einer Besprechung zu sein, deren Thema mich nichts angeht, aber wenn es doch einmal dazu kommt, bin ich schlagartig genervt und kann nicht mehr still sitzen. Sind es große Runden, mache ich gern die Kamera aus, höre zu und falte die Wäsche. Wie konnte ich früher in großen Besprechungsräumen sitzen und für mich irrelevante Berieselung ertragen? Und das auch noch ohne Wäschefalten?

Über die Karnevalstage versinkt das Rheinland in Konfetti. Auf der Hauptstraße fahren einige Trecker mit geschmückten Anhängern und so lauter Musik vorbei, dass die Gläser im Schrank vibrieren (das ist natürlich nur minimal übertrieben). Ich nutze einen arbeitsfreien Brauchtumsfeiertag und mache mit zwei weiteren Urlaubstagen mein ohnehin langes Wochenende zu einem noch längeren. Der erste freie Tag beginnt sehr früh mit dem Fädenziehen nach einer kleinen Haut-Operation. Die Praxis ist noch geschlossen, ich bin der erste Patient und mir öffnet eine mit teuflischen Hörnern verkleidete Arzthelferin, das finde ich lustig. Abgesehen von ähnlichen visuellen Überraschungen beim Einkaufen oder Spazieren spielt Karneval dieser Tage bei mir aber keine Rolle.

Während das Rheinland schunkelt, wird auch im fernen China gefeiert: Dort begehen sie das Chinesische Neujahrsfest, das diesmal im Zeichen des Holz-Drachen steht. Eine Astrologie-Seite fabuliert: „Holzjahre markieren Perioden beschleunigten Wachstums. Wie ein Schössling, der sich durch die Erde schiebt und zu einem hoch aufragenden Baum heranwächst. Der Frühling ist die Jahreszeit, die mit Holz assoziiert wird, was das Jahr 2024 zu einer Zeit der Erneuerung, Veränderung und Wiedergeburt macht.“ Inhaltsleerer Unsinn natürlich, aber ich habe nichts dagegen, diesen Frühling als Zeit des Aufbruchs und der Erneuerung zu verstehen, ganz abgesehen davon, dass sich diese Jahreszeit eh immer so anfühlt. Eine etwas realistischere Sicht auf den Drachen bietet die taz.

An einem Wochenende gehen wir zu viert brunchen. Das kleine Café liegt in einem Obstanbau mit Blick auf eine Plantage mit noch kahlen Apfelbäumen, im Sommer muss es hier herrlich sein. Am Anfang steht nur das Essgeschirr vor uns, wir warten auf unser zweifaches zwei-Personen-Riesenbrunch und ich packe derweil mein Medikamentendöschen aus. Zwei Pillen kullern auf meinen Teller. Mein Partner legt eine auf seinen eigenen und wir schauen unsere Freunde an. Beide fangen gleichzeitig an zu lachen, als einer von ihnen ein gefaltetes Taschentuch hervor holt und fünf Tabletten auf seinen Teller purzeln lässt. Der vierte in unserer Runde grinst, sagt erst, er hätte keine Medikamente dabei, gibt aber dann zu, seine schon morgens nach dem Aufstehen genommen zu haben. Wir sind alle Anfang 40 und finden, dass es zu früh für solch ein Chemiegelage ist. Zum Glück kommt dann das Frühstück.

Beim Essen fällt uns auf, dass der Rahmen der Eingangstür gesplittert ist, so als wäre sie gewaltsam aufgedrückt worden. Die Bedienung bestätigt den Gedanken, denn es wurde kürzlich dort eingebrochen. Wir sind verwirrt, was will man in so einem kleinen Laden bitte stehlen? „Die Kaffeemaschine“, lautet die Antwort. Ich wiederhole mich, aber: es gibt echt Leute…

Im Auto auf dem Heimweg meint einer: „Sagt mal, haben wir nicht viel zu wenig bezahlt? Ich glaube, die haben uns nur eins der Riesenbrunchs berechnet.“ Wir rechnen nach: Tatsächlich schulden wir dem Café über 30 Euro. Also drehen wir um und reklamieren die Rechnung. Die Angestellten sind überrascht, weil das Kassensystem in der Küche die richtige Bestellung abgeliefert hat, am Ende aber tatsächlich ein Brunch zu wenig berechnet wurde. Der Fehler lässt sich nicht sofort aufklären, ich wäre ja neugierig über die technischen Zusammenhänge gewesen. Wir zahlen ein zweites Mal und fahren guten Gewissens heim. Ganz ehrlich: Bei einer großen Kette wie IKEA oder McDonalds hätte ich das nicht gemacht. Aber bei einem kleinen Unternehmen, dem gerade erst die Kaffeemaschine gestohlen wurde? Keine Frage.

Nochmal zu den Medikamenten: Im letzten Monatsbericht erzählte ich von den vielen Nebenwirkungen, die das neue Antidepressivum habe. Im Februar werden die zwar weniger, aber einige bleiben überraschend hartnäckig bestehen. Ich soll jetzt zum Beispiel etwas mehr Antrieb haben, kann aber jeden Tag problemlos einen anderthalbstündigen Mittagsschlaf einschieben, nach dem ich zusätzlich eine halbe Stunde brauche, um wieder in Trab zu kommen. Es ist sowohl beeindruckend als auch erschreckend, was so kleine Tabletten mit einem Körper anstellen können. Die Bewertung des Gesamtergebnisses dieser Medikation schiebe ich aber noch etwas auf, nachdem ich insbesondere im Februar nochmal einige sehr unangenehme Tage hatte.

Es ist wiederum total angenehm, über diese Erkrankung offen mit anderen reden zu können. Meine Therapeutin nimmt natürlich überhaupt kein Blatt vor den Mund und fragt auch nach Details, die ich meinem Umfeld eher nicht zumute. Aber ich werde in diesen Wochen mehrfach zwanglos gefragt, wie denn alles so liefe mit den Medikamenten und wie es mir ginge. Und das immer genau so nebenbei, wie man auch über andere Themen spricht. Diese Erkrankung ist ein Teil des restlichen Lebens, nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Gelesen

Plitsch und Platsch: Anke Gröner beschreibt ganz wunderbar, wie schön es ist, etwas zu tun, das man vielleicht nicht gut kann, aber man tut es, weil es Spaß macht. Nicht, weil man damit messbaren Erfolg haben könnte – oder gar wollte: „The Joy of alles, was man nicht gut kann, es aber trotzdem macht. Vor sich hinzustümpern, ist nämlich super.“ So führe ich auch diesen Blog.

Ärgere dich: Im Web stolpert man schnell über eine Liste der Verhaltensweisen, die „erfolgreiche Menschen“ an den Tag legen, und die wird dann problematischem Verhalten gegenübergestellt, das „erfolglose Menschen“ pflegen. Aventurer macht sich Gedanken dazu und kommt zu dem Schluss, dass es zu einem erfolgreichen (im Sinne von zufriedeneren) Leben auch gehört, sich mal so richtig zu ärgern, um Dinge danach abhaken zu können: „Also ärgere dich! Hin und wieder. Kurzzeitig.“ Finde ich gut.

Bücher habe ich auch gelesen und gehört, aber dieser Eintrag ist schon wieder viel zu lang 🤷‍♂️


PS: Wie fandet ihr die Form des Genderns in diesem Artikel? Seid ihr im dritten Absatz auch über „Absender und Empfängerin“ gestolpert, so wie ich beim Korrekturlesen?

WMDEDGT – 5. Februar 2024

Unter „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“, kurz #wmdedgt, versammeln sich die Tagebuchbloggenden an jedem 5. eines Monats und berichten vom Tag. Initiiert wurde das von Frau Brüllen.

Heute wache ich eine Stunde vor dem Wecker auf, das ist eine blöde Zeit, weil sich das Einschlafen nicht mehr lohnt. Mein Kopf ist voller Gedanken, spannenden sogar, und ich hätte gerne mitgeschrieben, aber natürlich schlummere ich wieder ein, vergesse sie alle und kurz danach macht der Wecker seinen Job. Ich snooze so häufig, dass es mich selbst nervt, und stehe zu spät auf.

Im Badezimmerspiegel sehe ich, dass meine Haare zu lang geworden sind. Sie stehen über den Ohren ab, was ein wenig nach frechem Schuljungen aussieht, aber der Rest meiner Erscheinung passt nicht zu dem diesem Bild. Immerhin gibt es Brötchen, und auf eins kommt dickflüssiger, weißer Honig von heimischen Bienen. Dabei muss ich wie immer kurz an Christine denken.

Heute ist Bürotag, also wecke ich bald das Auto, das, so scheint es, ebenfalls nur widerwillig aufwacht. Zum Glück kennt der Wagen keine Snooze-Funktion. Die Straßen sind erst voll, dann leer, dann voll, nichts ist so richtig im Fluss. Im Büro begrüßt mich eine Kollegin mit „oh, du warst beim Frisör!“ und ich muss lachen, weil: eben nicht! Und damit scheint das Eis des Tages gebrochen, ich bin im Montag angekommen.

Heute findet eine Austauschrunde über Firmenprozesse statt und ich freue mich, dass die Angestellten in die Entscheidungen einbezogen werden. Es gab dazu schon eine anonyme Umfrage und jetzt können wir in kleinen Gruppen zusätzlich noch einmal darüber sprechen, es gibt auch hier die Möglichkeit, anonyme Antworten zu geben, moderiert wird alles vom Betriebsrat und der Personalabteilung. Fühlt sich gut an, mitreden zu können, das sagen wir auch nachdrücklich.

Zum Mittag laufe ich nur kurz rüber ins Café, hole mir ein belegtes Brötchen (und ein Schokocroissant) und esse es über der Tastatur. (Beides. Ich esse beides über der Tastatur, aber das Croissant verberge ich vor meinem inneren Gesundheitsmanager, weil es Süßkram ist, und darum steht das in Klammern.) Normalerweise mache ich richtige Pausen, aber heute passt das ausnahmsweise mal nicht. Erst danach ist Zeit, den Vormittagskaffee in einer anderen Abteilung abzuholen, zu dem ich vor Stunden eingeladen wurde. Er ist noch warm und es schließt sich ein netter Austausch an (mit Kinderriegel).

Wenig später liege ich unter der Wärmelampe bei der Physiotherapie und höre leise einen Podcast. Meist bin ich exakt nach zwanzig Minuten bei der Wärme so weit, einzuschlafen, und muss erst aufwändig zurück in diese Welt waten, wenn die Lampe ausgeht. Die Physiotherapeutin ist immer erfreulich energetisch, das hilft. Ich berichte ihr von in letzter Zeit weniger Schmerzen, das kann auch an den neuen Medikamenten liegen, aber woher es kommt, ist ja egal. Wir gehen in den hauseigenen Fitnessbereich und machen weitere zwanzig Minuten Krafttraining.

Zurück zu Hause will ich nur kurz meine Sachen abstellen und einkaufen gehen, die Sonne scheint sehr schön. Mit dem Aufschließen der Tür überkommt mich aber schlagartig eine unerwartete Müdigkeit und Bettschwere, ich spüre all die Muskeln, die ich gerade an den Geräten brauchte. Und obwohl ich nur zwanzig Minuten Sport gemacht habe, schlafe ich über anderthalb Stunden tief und fest auf der Couch. Naja, die Nacht war auch nicht besonders gut.

Als ich aufwache, ist es dunkel. Mein Partner ruft an und wir vereinbaren, dass ich beginne, das Abendessen vorzubereiten. Heute gibt’s panierten Fisch aus dem Ofen mit ein bisschen Gemüse und Reis. Während ich in der Küche fuhrwerke, kommt er heim und trägt breit lächelnd einen Pappkarton mit feinem Süßgebäck einer lokalen, französischen Boulangerie-Kette vor sich her. Das gibt’s zum Nachtisch (und als ich erzähle, was ich heute schon Süßes aß, bekommt er große Augen).

Danach setze ich mich an diesen Text und werde anschließend die PlayStation anwerfen. Mich erwarten Aufgaben im Alten Ägypten.

Das war der Januar 2024

Ob man spirituell denkt oder nicht, ob man ihn feiert oder nicht, so ein Jahreswechsel ist was Besonderes. Ein Umblättern, ein Neustart, ein Zurück zum Anfang. Und trotzdem wachen wir am Ersten des neuen Jahres auf und haben die gleichen Probleme, die gleichen Sorgen – aber wir gehen eben auch mit neuem Wissen und neuen Erfahrungen in das nächste Jahr. Also rein in die Tretmühle, den Jahreskalender aufgehängt und los geht’s.

Ich gehe gleich am 2. Januar wieder arbeiten, wobei an dem Tag noch von zu Hause, ein äußerst entspannter Start. Die meisten Menschen sind wohl noch im Urlaub. Ich arbeite alle in meinen freien Tagen eingegangenen E-Mails ab, bin pünktlich zum Feierabend damit fertig und frage mich kurz, ob ich jetzt wieder Ferien haben kann. Was ich da noch nicht weiß: Die Woche wird so gemütlich weiter gehen, es ist beruflich ein wirklich angenehmer Beginn ins neue Jahr.

Bald kommen dann auch die, sagen wir mal, „nachträglich spontan selbst gemachten Weihnachtsgeschenke“ und ich sitze wie ein Kind umringt von Pappschachteln auf dem Teppich im Wohnzimmer und packe eifrig neue Lautsprecher aus. Angenehmen Wumms haben sie, und fügen sich gut ins bestehende Setup ein.

Die Tage gehen wir einmal ganz besonders essen: In ein American Diner, das Miss Pepper. Für die richtige Atmosphäre sorgen unter anderem eine lebensgroße Elvis-Statue, ein alter US-Briefkasten und allerlei Objekte, die man an einer Tankstelle finden könnte. Die weiblichen Bedienungen tragen Petticoat. Ich vermisse lediglich die klischeehafte, rauchende Dame mit der Kanne Filterkaffee und die klebrigen Tische. Die Burger sind lecker, wenn auch nichts besonderes, und ich fühle mich kurz wie in einem US-amerikanischen Roadmovie. Ein Selfie vor der riesigen Freiheitsstatue auf dem Parkplatz muss natürlich auch sein.

In den vergangenen Monaten hatte ich zu starke Rückenschmerzen, um länger vor der PlayStation sitzen zu können. Im Januar hat’s aber endlich mal wieder geklappt und ich verbringe ein-zwei Stündchen mit Assassins Creed Origins. Das Spiel kam schon 2017 raus und das Alter sieht man ihm inzwischen an – aber es ist immer noch meine Lieblingsepisode aus der Reihe. Wenn die Speicherstände nicht lügen, beginne ich den vierten Durchgang und es fühlt sich ein wenig wie „nach Hause kommen“ an:

Ausschnitt aus dem Spielanfang, als Bayek (den spiele ich) einen Kumpel trifft

Ansonsten geht’s im Januar bei mir leider viel um Krankheiten. Meine Augen mögen nicht mehr fokussieren und sind schnell angestrengt, stellt sich raus: die sind viel zu trocken. Ich werde also jetzt Master im Augentropfen. Außerdem erhalte ich ein Antidepressivum und nehme fast alle in der Packungsbeilage aufgeführten, anfänglichen Nebenwirkungen mit, meine Güte, völlig übertrieben, das alles. Ich las übrigens bisher nur Positives über das neue elektronische Rezept und reihe mich da ein: Es funktioniert auf Anhieb und ohne Probleme, ich bin recht begeistert.

Und dann schneit es und hört gar nicht mehr auf. Plötzlich fahren sie in den Straßen Schlitten, überall stehen Schneefiguren herum, das Leben im Dörfchen steht ein paar Tage fast still. Und still ist das richtige Wort, denn der Schnee dämpft so herrlich die Geräusche. Beim Spazieren steil bergauf im Wald höre ich nur das beruhigende Knirschen unter meinen Schuhen und mein Schnaufen. Stehe ich still, ist da einfach gar kein Ton, kein Vogelzwitschern, kein Auto, nichts. Ab und zu fällt irgendwo etwas Schnee von einem Ast auf den Boden, das ist alles. Ungemein entspannend.

Ein paar Schritte im knirschenden Schnee. Ton einschalten!

Im Online-Testcenter für den Einbürgerungstest werden übrigens lustige Fragen gestellt. Eine lautet Die Wahlen in Deutschland sind: a) speziell, b) geheim, c) berufsbezogen, d) geschlechtsabhängig und da fällt es schwer, die eine richtige Antwort zu finden. Der Test läuft ab wie der für den Führerschein: Aus einem Pool von über 300 Fragen werden knapp 30 gestellt, von denen müssen 17 richtig beantwortet werden. Die Fragen sind fast alle durch logisches Denken zu lösen. Wer fließend Deutsch spricht, hat damit also kein Problem, für alle anderen ist es eher ein Vokabeltest.

Gelesen und gehört

Bücher lese ich wie berichtet fast nur digital. Eines habe ich aber auf Papier bestellt (beim fiesen eBay, musste dafür extra einen neuen Account anlegen): „American Bar. The Artistry of Mixing Drinks“ von Charles Schumann, ein Lehrbuch zum Cocktailmixen, von dem ich bei der Kaltmamsell las. Das Buch hat dicke, fast plastikartige Seiten, die sicher gut abwaschbar sind. Smart. Jetzt muss ich es nur noch lesen und „durcharbeiten“. Prost.

„Wir hätten uns alles gesagt“ von Judith Hermann höre ich als Hörbuch, vorgelesen von der Autorin selbst. Das Buch ist für mich eine Enttäuschung, ich komme leider überhaupt nicht in die Geschichte rein und verstehe bis zum Ende nicht, weshalb Frau Hermann mir unzusammenhängende Teile ihrer (?) Lebensgeschichte erzählt bzw. ich mir diese anhören soll. Ich warte die ganze Zeit auf den alles zusammenbindenden Plottwist, aber der kommt nicht. Ich vermute stark, dass es an meiner Aufmerksamkeit liegt, denn ich gehe dabei die meiste Zeit spazieren, oder daran, dass ich ihre Art zu lesen zwischenzeitlich recht ablenkend finde. Vielleicht hätte ich es lieber selbst lesen sollen. Schade.

„Alte Sorten“ von Ewald Arenz höre ich auch als Hörbuch und habe bei der Sprecherin Sabine Arnhold ständig eine Schauspielerin mit Locken vor meinem inneren Auge, die sie wohl mal synchronisiert hat, deren Namen ich aber nicht herausfinden kann. Sie passt gut, ihre Stimme bringt die junge Protagonistin und ihren Ärger auf die Menschen in dieser Welt ganz hervorragend rüber, finde ich. In der zweiten Hälfte wird das Buch etwas abgedreht, und das passt nicht mehr so recht zur ersten, doch sehr angenehm ruhigen Hälfte. Es scheint Arenz’ Stil zu sein, bei „Der große Sommer“ war das ganz genauso. Beides dennoch gute Bücher.

„Das Café ohne Namen“ von Robert Seethaler hingegen lese ich gemütlich auf der Couch und das Buch ist von vorne bis hinten ruhig. Was eine Kunst ist, denn auch dort geht es um Liebe, Hass, Tod und Wut, es explodiert sogar etwas. Trotzdem ist das Buch herrlich angenehm zu lesen: In ganz kleinen Häppchen schauen wir in die Lebensgeschichten der Gäste und des Eigentümers eines Cafés hinein. Könnte auch eine Bettlektüre sein.

Mein Überraschungshit des Monats ist aber eindeutig „Ganz normale Helden“ von Anthony McCarten. Eine dreiköpfige Familie ist kurz davor, auseinander zu brechen. Der gerade volljährige Sohn hält es nicht mehr aus, zieht aus, sagt aber niemandem, wohin. Der Vater hat versehentlich erfahren, wo er sich hauptsächlich aufhält: in einem Computerspiel. Sein Wunsch, Kontakt zum Sohn zu haben, ist so groß, dass er sich dort anmeldet und in dem Spiel nach ihm sucht. Das Buch findet darum auch zur Hälfte im Spiel statt, ein cooles Setting, das ich so noch nicht gesehen habe. Das Ende fühlt sich für mich zwar etwas unrund an, insgesamt bin ich vom Buch aber dennoch begeistert.

Auch begeistert bin ich von Pizza, wer ist das nicht. (Hier steht absichtlich kein Fragezeichen, denn niemand ist nicht von Pizza begeistert.) Darum habe ich Spaß an diesem Podcast über die Kulturgeschichte der Pizza im BR. Lohnende 22 Minuten.

Im Buchpodcast Kapitel Eins besprechen sie die Frage „Welches Buch würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?“, das kann ja schon mal zum Denken anregen, aber danach werden die Fragen verrückter, zum Beispiel „Welchen Autor würdest du auf diese einsame Insel mitnehmen?“ – weil, mit der Person muss man sich dann ja den Rest des Lebens unterhalten! Der Podcast gefällt mir sehr gut, auch hier lohnende 1 Stunde 18 Minuten.

Zum Abschluss ein Aufreger: Bei Novemberregen hat um fünf Uhr morgens ein Gebäude angerufen, um ihr eine Alarmmeldung mitzuteilen. Auf allen verfügbaren Telefonnummern, und das schließt das Festnetz mit ein.