WMDEDGT – 5. April 2026

5. April 2026 · Kommentieren

In meinem heutigen #wmdedgt geht’s um Familie, Natur, Essen, Gemütlichkeit und das schlechteste Hotel der Welt.

Ostersonntag, aufgewacht im Hotel. Wobei „Hotel“ ein falsches Bild vermittelt. Tatsächlich ist das eher ein Haus, in dem man für Geld übernachten kann. Beim Begriff Hotel sehe ich eine Rezeption mit freundlichen Angestellten vor meinem inneren Auge, die „ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt“ sagen. Ich denke an ein ansprechendes Zimmer und morgens verlockenden Duft nach Frühstück. Bei diesem Etablissement standen wir gestern Nachmittag jedoch erst vor verschlossenen Türen, dann sprach die Person bei der Anmeldung weder Deutsch noch Englisch so gut, dass eine richtige Verständigung möglich gewesen wäre. Im Zimmer angekommen rochen wir zuerst Süßliches, hoffentlich nur Parfüm, und sahen dann, dass die Einrichtung zum Teil einen Zustand hatte, bei dem man sie normalerweise zum Sperrmüll rausstellen würde. Frühstück gibt es soweit wir das verstanden keines, aber ich habe inzwischen den Eindruck, das ist auch besser so. Als ich sah, dass die Badezimmertür wohl jemandem als Übungsobjekt für Faustschläge gedient haben muss, erkannte ich, dass ich das hier eher als Jugendherberge begreifen sollte. Immerhin: Bett und Bad sind mittelmäßig sauber, so lange man darüber hinwegsieht, dass Blut aus weißen Handtüchern halt sehr schwer raus geht.

Das ist also das Setting, in dem ich heute aufwachte. Es bot reichlich Verbesserungspotenzial, und darum war ich frohen Mutes: Einen Spaziergang entfernt warteten nicht nur die komplette Familie, sondern auch ein großes Brunch auf uns. Als nach dem Klingeln die Haustür aufschwang, wurden wir nicht nur lächelnd begrüßt, sondern bekamen auch den Brötchen- und Kaffeeduft, der eben dazu gehört. Es wurde lecker, spaßig, österlich, die Übernachtungskaschemme war vergessen.

Nach dem langen Brunch machten wir einen Spaziergang zu einem nahen See. Direkt hinterm Haus Natur zu haben, egal ob es nun Wald, Felder oder Berge sind, bietet eine Wohn- und Lebensqualität, die man nicht überschätzen kann. Der See, ein kleines Naturschutzgebiet, gefällt mir hier immer wieder. Die Kinder hätten gern mehr flache und runde Steinchen gefunden, um sie über das glatte Wasser flitschen zu können, nächstes Mal sollten wir auf dem Weg welche sammeln. Wir suchten mit Ferngläsern den See und umliegenden Bäume nach Tieren ab, ließen uns eine Reinigungsanlage für das Seewasser erklären und genossen kurz die Ruhe.

Zurück zu Hause hatten wir uns natürlich eine Stärkung verdient, klar, also wurde die Kaffeemaschine wieder angeworfen. Es folgte einige Zeit dies und das: Nachbarskinder kamen spielen, man löste Rätselhefte, die Switch kam zum Einsatz, es wurde gedöst, diskutiert, plötzlich war Abend, wie das bei Familienzusammenkünften eben so ist. Endlich wieder essen. Die Bierflaschen kamen mit Bügelverschluss daher, und wer morgens beim Eierdotzen verloren hatte, hatte hier vielleicht den lautesten Plopp.

Abends noch ein bisschen Switchspielerei, ein paar Seiten Rätselheft zum Runterkommen und als die Kinder im Bett waren, redeten die Erwachsenen noch ein wenige über Erwachsenendinge. Was für ein schöner Tag, aber jetzt bin ich auch ziemlich bettschwer. Zurück in der Übernachtungsbruchbude ging’s dann auch direkt in die Waagerechte, gleich gehen die Augen zu, morgen ist hier zum Glück schon Checkout.


„Was machst du eigentlich den ganzen Tag“, kurz #wmdedgt, ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens und findet an jedem 5. eines Monats statt.

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