Der März startete mit Schufterei: Gleich am ersten Tag begann ich, den Passwortmanager aufzuräumen. Über 300 gespeicherte Zugänge und Passwörter, muss das denn sein? Aber als ich sie über die nächsten Tage alle einzeln anschaute, stellte ich fest, dass die meisten wirklich noch gültig und, naja, so etwas ähnliches wie sinnvoll waren. Ein Beispiel: Der HNO-Arzt nutzt einen ganz seltsamen Service für die Terminvereinbarung, aber das nächste Mal, wenn ich mit Covid-Nebenwirkungen zu ihm will, freue ich mich sicher, dass ich dort schon einen Account habe und nicht erst einen anlegen muss. Immerhin fand ich aber auch ein-zwei Dutzend Zugänge zu nicht mehr existierenden Websites und Services oder solche, an deren Einrichtung ich mich überhaupt nicht mehr erinnern konnte. Also viele „bitte löschen Sie meinen Account“-Aktionen.
Das war also IT-Schufterei. Ebenfalls am ersten März baute ich auch einen Schreibtisch auf, der zum Stehen hochgefahren werden kann, also mussten nicht nur Platten und Beine, sondern auch Motor und Metallachsen montiert werden. Ich machte das allein, und sagen wir so: Schreibtische, gerade welche mit Knick und großer Tischplatte, sind schwerer und allgemein unhandlicher als man meinen könnte. Beim Werkeln hörte ich ein Hörbuch: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch, geschrieben und vorgelesen von Michael Ende. Das Kinderbuch spielt am Silvesterabend, ist aber das ganze Jahr über spaßig.
Dieser Tage habe ich ein einjähriges Abonnement einer Kunst-App abgeschlossen. Jeden Tag wird dort ein Kunstwerk vorgestellt, meist sind das Bilder, seltener auch mal Objekte. Über die Wochen habe ich gelernt, (a) dass es einen Stil namens Pointillismus gibt, und (b) dass ich den ganz toll finde! Wer gucken will: Unter https://www.dailyartmagazine.com/what-is-pointillism-best-landscapes/ finden sich weitere Beispiele.
Hier im Örtchen gibt es genau ein Restaurant. Seit ich vor einigen Jahren hierher zog, wollte ich es ausprobieren, hatte aber immer Pech: Erst kam die Pandemie, dann stand ich ruhetags vor geschlossenen Türen, danach hatten sie Urlaub – und diese Abwesenheiten nie auf der Website vermerkt. Egal, neulich probierte ich es wieder, sie hatten geöffnet, es war lecker, die Leute waren nett, ich war seither mehrmals dort. Mittlerweile, und darum erzähle ich das überhaupt, werde ich begrüßt mit: „Kölsch, wie immer?“ Das Beste: Damit begannen sie beim zweiten Besuch. Da bereits von „wie immer“ zu sprechen, ist zwar etwas gewagt, aber mathematisch korrekt. Es freut mich einfach, dass ich da erkannt werde, ich mag diesen kleinen Teil des Dorflebens.
Beim Spazieren auf den Feldern bergauf und bergab hier in der Nähe roch es dann an einem sonnigen Donnerstagnachmittag plötzlich nach Meer. Ich blieb stehen und schnüffelte: Eindeutig! Salziges Meer, Fisch, wie in einem kleinen Hafen in Griechenland oder Spanien. Woher das kam, konnte ich nicht herausfinden, es gibt an der Stelle keine Häuser, nicht mal einen Schrebergarten. Vielleicht waren es die Wiesen, die sich, von der Frühlingssonne aus dem Winterschlaf geweckt, mal ordentlich durchlüfteten.
Ansonsten bin ich nachhaltig – im Sinne von „seit 25 Jahren“ – verwundert darüber, wie viele Menschen durch simple Dinge wie eine abknickende Vorfahrt, einen Grünpfeil an der Ampel und das Reißverschlussverfahren überfordert zu sein scheinen. Das ist doch alles nicht so schwer? Ach ja, und ein ganz doll kompetenter Handwerker bin ich auch gewesen:
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