Bücher zu lesen und zu hören ist auch im Jahr 2025 eins meiner Hobbys gewesen. Mir ist dabei eins ums andere Mal aufgefallen, wie groß der Unterschied zwischen Lesen und Hören ist: Es gibt Bücher, die kann ich ausschließlich hören, dann wiederum gibt es Hörbücher, die ich besser gelesen hätte. In Ermangelung guter Alternativen tracke ich Bücher weiterhin bei Goodreads, wer möchte, kann mir dort gern folgen. Die Weblinks unten führen nicht zu meinen Rezensionen, sondern zu den jeweiligen Verlagsseiten samt offizieller Inhaltsangaben oder zu Wikipedia, weil Goodreads Direktlinks zu Rezensionen nicht zulässt. Zwischendrin versammeln sich einige Zitate, die mir gefielen. Nun aber los.
„It is no accident that a book just opens like a door.“
– J. R. Moehringer, The Tender Bar
Beendete Bücher: 51
Gelesene Seiten: 13.934. Darin sind auch die von Büchern enthalten, die ich abgebrochen habe. Ignorieren wir das, hatte jedes Buch im Schnitt etwa 273 Seiten.
Beendete Hörbücher: 51
Gehörte Minuten: 25.500, also ungefähr 17,5 Tage. Ignorieren wir die abgebrochenen Hörbücher, hatte jedes im Schnitt eine Länge von etwa 8,5 Stunden.
Am besten bewertet habe ich Himmel ohne Ende von Julia Engelmann. Das Buch hat mich von den ersten Seiten an gepackt und schon vor dem Ende war mir klar: Das ist eines meiner Lesehighlights des Jahres. Auch wenn es „nur“ ein ganz normales Coming-of-age-Büchlein ist, lag ich mit der Hauptperson Charlie einfach auf einer Wellenlänge.
Am niedrigsten bewertet habe ich Die Toten von Thunder Bay von Douglas Skelton. Das Buch habe ich als Hörbuch in meiner Apple-Mediathek gefunden, es war wohl mal ein kostenloses Lockangebot. Zum Glück, sonst hätte ich mich neben den vielen ausgelutschten Stereotypen, der fürchterlich langweiligen Story und der monotonen Sprecherin auch noch über die Kosten geärgert.
Das längste Buch war Dreimal im Leben von Arturo Pérez-Reverte mit 525 Seiten, das ist für eingefleischte Büchernerds gar nicht so viel. Richtig dicke Wälzer habe ich dieses Jahr lieber gehört, siehe unten, und mit diesem Buch hatte ich leider auch nicht so viel Glück, es gefiel mir gerade noch so gut, dass ich es nicht abbrach.
Das längste Hörbuch war Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara mit fast 36 Stunden Laufzeit, irre eigentlich. Wegen der fürchterlich erschütternden Story brauchte ich regelmäßige Pausen. Beim Hören lernte ich, dass man in der App der Stadtbibliothek die Vorlesegeschwindigkeit anpassen kann, das hat mir über die Zeit einige Stunden gespart. Das Vorgehen klingt gehetzter, als es in Wirklichkeit ist, es verzerrt aber ein wenig die Hörstatistik.
Abgebrochen habe ich 7 Bücher und Hörbücher. Darunter ist auch The Mysterious Affair at Styles von Agatha Christie, was laut dem Internet und einzelner Personen das beste Buch sein soll, das sie je geschrieben hat. Mich haben die ölfzig Menschen, die in den ersten fünf Minuten die Bühne betreten, einfach nur verwirrt. Da ich mir kein Personenregister anlegen wollte, ließ ich‘s bleiben. Beim Lesen ist es wie beim Dating: Alles kann, nichts muss. Passen Buch und Mensch nicht zusammen, dann vielleicht ein anderes Mal – oder auch nie. Es ist egal.
Über die Onlinebibliotheken der Stadtbüchereien in Bonn und Köln kamen dieses Jahr 35 Werke, hauptsächlich Hörbücher, das ist weniger als im letzten Jahr, gleichzeitig habe ich aber auch weniger Bücher gekauft. Anders als zuvor habe ich im Jahr 2025 nämlich ein paar Bücher nochmal gelesen, sogar welche auf Papier aus dem Regal, und dann auch noch so alte Schinken wie Unterm Rad von Hermann Hesse und Der Hobbit von J.R.R. Tolkien, außerdem einige Sachbücher (sogar beruflich, wie Privathobby-unpassend).
„Man muss seine Träume immer ernster nehmen als die Zweifel.“
– Julia Engelmann, Himmel ohne Ende
Negative Überraschungen gab es, aber ich musste nachschauen, welche das waren, denn wer kann Büchern schon lange böse sein. Von Gebt mir etwas Zeit von Hape Kerkeling hatte ich mehr erwartet, kann aber nicht sagen, was denn genau. Ich bewundere Hape Kerkeling sehr und vielleicht konnte er da nur verlieren. Die Glasglocke von Sylvia Plath ließ mich erschreckend kalt, was ich insbesondere vor dem Hintergrund der Entstehung schade finde. Das Feld von Robert Seethaler war auch nicht so meins, dabei bin ich eigentlich ein Seethaler-Fanboy.
An positive Überraschungen erinnere ich mich aber lieber. The Tender Bar von J.R. Moehringer las ich auf Englisch, vielleicht hat das zur Faszination beigetragen. Es mag auch daran liegen, dass das Buch nicht dem klassischen Heldenreise-Plot folgt. Es ließ mich jedenfalls immer gern zum Autor und seinen Erfahrungen in „der Bar“ zurückkehren. Vielleicht schaue ich eines Tages die Verfilmung, kann mir aber nicht vorstellen, dass sie so eindrücklich ist wie das Buch.
The Secret Adversary von Agatha Christie begann ich gleich, nachdem ich ihr oben genanntes Buch abgebrochen hatte – und diesmal wurde ich positiv überrascht. So ein packender Krimi, und obwohl er vor über 100 Jahren erstveröffentlicht wurde, ist er aktuell wie eh und je.
Das Erbe des Zauberers von Terry Pratchett kaufte ich mir als Hörbuch. Katharina Thalbach liest mit ihrer rauen Stimme Oma Wetterwachs so unglaublich gut vor, dass ich irren Spaß hatte. Hoffentlich hat sie weitere Bücher der ohnehin empfehlenswerten Scheibenwelt-Reihe eingelesen.
Tage ohne Ende von Sebastian Barry hat mich durch sein abgefahrenes „Cowboy“-Setting überrascht: USA im Jahr 1850. Zwei Waisenjungen heuern in einem Saloon als Tanzmädchen an, gehen später zur Armee, adoptieren ein Kind und wollen zufrieden leben, was jedoch schwierig ist. Das Buch ist gewöhnungsbedürftig geschrieben und recht brutal, hat mich aber auch dadurch gefesselt.
Damals, am Meer von Marco Balzano hat mich die heiße, staubige Luft von Apulien in Süditalien spüren lassen. Ein Buch über Abschied, über das Nacherleben längst vergangener, anderer Zeiten. Mit jedem Abschied geht auch ein Neubeginn einher, oder zumindest eine Rückbesinnung auf das Jetzt, auch darum geht es.
Der Hausmann von Wlada Kolosowa enthält neben dem Roman, der aus der Sicht mehrerer Person mit jeweils eigener Erzählstimme verfasst ist, auch noch einen Comic. Obendrein ist das sogar als eBook gut zu lesen. Die Geschichte selbst, wie nämlich ein junges Paar in einem heruntergekommen Wohnblock lebt, sie das Geld verdient und er zeichnet, ist auch gut.
Erste Hilfe von Mariana Leky hat mich ebenfalls positiv überrascht. Es geht zwar um Angstzustände, aber auch um Freundschaft und das Lernen, mit der Angst umzugehen. Die Ich-Erzählerin wohnt in einer WG mit ihrem Kumpel Sylvester. Beide sind befreundet mit Matilda, die eines Tages glaubt, sie verliert den Verstand. Matilda wird von den beiden umsorgt und gemeinsam überlegen sie, wie es weiter gehen kann. Und wenn es dann mal unangenehmer wird, gibt es einfach was zu lachen. Ein ungeahnt federleichtes Buch.
Abschließend eine Buchempfehlung: Als ich neulich auf eine Handyreparatur wartete, ging ich in meiner Not durch die Läden in der Nähe und kam an einem Buchgeschäft vorbei. Da sah ich Ich bin der beste Freund des Menschen von Christian Schnalke, mit 100 Comics über das Bücherlesen. Die Zeichnungen in dem kleinen Hardcover sind auf den ersten Blick einfach lustig, aber schnell erschließt sich ein tieferer Sinn oder Gedanke dahinter. Sehr schön gemacht, ein tolles Geschenk und eine niedliche… na, sagen wir mal: „Hommage ans Bücherlesen“.
„Schon immer hatte ich das an meiner Mutter bewundert, dass da etwas in ihr war, das unbedingt vorwärts wollte, eine Richtung hatte. Nie sah es bei ihr so aus, als würde sie gehen, um etwas hinter sich zu lassen. Meine Mutter kam nie irgendwoher, immer wollte sie irgendwohin.“
– Joachim Meyerhoff, Man kann auch in die Höhe fallen
Schreibe einen Kommentar