Wirre Weihnachtszeit

Gestern fuhr ich mit dem Bus in die Stadt, dort drängten sich die Menschenmassen durch die Gassen. Das ganze ist ziemlich lange her, ich weiß es noch genau, ich war nämlich fast allein dort. Natürlich suchte ich nach Weihnachtsgeschenken, was für eine unnütze Aufgabe, doch als ich die üppige Osterdekoration betrachtete, da überkam mich der Wunsch, endlich wieder jemandem ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen.

Gesagt, getan: Ich lief in die nächste Drogerie auf der Suche nach etwas zu Essen und kaufte beim erstbesten Marktschreier einen Besen. An der Kasse tippte mir von hinten jemand auf die Schulter und schnauzte mich an: "Möchten Sie vor? Ich sehe, Sie haben nur eine Sache, ich verkaufe ganz viel." "Sehr freundlich", raunte ich und war kurz danach wieder an der frischen Luft. Etwas enttäuscht über den Einkauf schleppte ich die schweren Kisten zum Auto und wollte gerade einsteigen, als das Taxi plötzlich ohne mich losfuhr. Natürlich rannte ich laut flüsternd vorneweg: "Stehen bleiben, mein Kind ist in Ihrem Wagen!" Aber der Fahrer hörte mich nicht.

Ich musste also selbst die Initiative ergreifen, stand aus meinem Sessel auf und sprintete zum Bus. Keuchend erreichte ich das Fahrerhäuschen, ließ mich bezahlen und folgte dem Kettcar, das gerade um die nächste Ecke tuckerte. Zum Glück waren aber so viele Autos auf der Straße, dass ich ohne Probleme mithalten konnte. Gerade vor der nächsten Brücke erreichte ich das Cabriolet und konnte es stoppen. "Geben Sie mir meinen Fruchtsalat wieder", rief ich freundlich. Die Fahrerin ließ mich durch und vor Trauer lachend schwamm ich nach Hause.

Und die Moral von der Geschichte? Manchmal bleibt man besser daheim.

Zitat

Das magische Lebensgefühl als beständiger Zustand,
Das wäre ein Lebensziel.
Sich unentwegt vom Leben verzaubert zu empfinden,
Welch ein Seiltanz.
Welch ein faszinierendes Spiel um Glück und Schönheit.
Ein wahrer Zeitvertreib mit Aussicht
Auf Ewigkeit.

Friedrich Schiller (1759 – 1805)

Verrücktheit

Fühlst du dich manchmal anders? Besonders? Nicht gesellschaftskonform? Dann bist du völlig normal.

Was ist denn schon Verrücktheit? Ich google das jetzt absichtlich nicht und wage die wenig mutige These, dass Verrücktheit bzw. als Gegenteil die Normalität in jedem Menschen anders aussieht. Wie hat es wohl auf die Gesellschaft gewirkt, als der erste Mensch verkündete, die Erde sei nicht flach, sondern rund?

Das ist, als würde ich jetzt behaupten, das Universum dehne sich nur aus, um nach einiger Zeit wieder in sich zusammen zu fallen und nach einem neuen Urknall den ganzen Spaß von vorne zu beginnen. Das wirkt unsinnig, obgleich diese Theorie gar nicht neu ist und das Gegenteil kann auch niemand mit Sicherheit beweisen. „Unfug“, sagt man da trotzdem leicht, „wir wissen es doch besser.“ Natürlich… Aber das dachten sie damals auch. Die Erde soll eine Kugel sein, was für ein Schwachsinn. Der, der das behauptet, ist verrückt.

Über Normalität habe ich mir in meinem Leben bisher schon oft Gedanken gemacht: In der Schule machten sie früher alle gerne Sport, ich hasste Sport. Jahre später ging am Wochenende jeder in die Disco, ich habe daran nie den Spaß entdecken können. Und Mädchen… herrje, die waren auf bestimmte Art und Weise schon immer ein Buch mit sieben Siegeln.

Das Ergebnis meiner jahrelangen Überlegungen ist, dass alles anders ist. Niemand ist gleich. Das gilt im Kleinen wie im Großen: Der eine mag lieber Nutella, der andere steht auf Nusspli. Der eine steht auf Männer, der andere auf Frauen. Der eine isst für sein Leben gern Pizza, der andere Nudeln. Auf der Erde ist Leben möglich, auf dem Jupiter nicht.

Ist das nicht klasse?! Wie ungeheuer langweilig wäre eine Welt, in der sich alle gleich verhalten und gleich denken würden! Des Einen Verrücktheit ist des Anderen Normalität. Wer schon mal „Numb3rs“ (Wikipedia) im Fernsehen gesehen hat, weiß, was ich meine: Da lösen weltfremde Mathematiker anhand von Gleichungen und Formelsystemen Kriminalfälle, an denen sich die Polizei die Zähne ausbeißt. In ihrem Räumen hängen Tafeln, vollgekritzelt mit Zahlen und Zeichen, die kein Mensch versteht. Außer natürlich, einer dieser Wissenschaftler trifft einen anderen, dann reicht ein einziger Blick darauf. Völlig bescheuert und weltfremd. Jedenfalls für mich.

Wenn ich also wieder einmal nicht nachvollziehen kann, wie sich an Karneval wildfremde, bunt kostümierte Menschen in einer zum Bersten gefüllten Bar reihum singend in den Armen liegen, dann denke ich daran, dass diese Welt verrückt ist. Und dass das jeder jedem gönnen sollte – auch und gerade dann, wenn man es manchmal eben nicht versteht.

Denn Anderssein ist Normalität.