„Wieso ist denn schon wieder Morgen?!“ meckere ich im Chat bei einer Freundin. Sie kontert mit: „Aber da ganz hinten links an der Ecke steht das Wochenende!“ Das gefällt mir. Ich sehe das Wochenende sogar fröhlich hoppsen und winken, ich glaube, es freut sich richtig, bald loszulegen. Also lege ich auch los und starte die Morgenroutine.
Heute ist Homeoffice-Tag, das „Büro“ ist wenige Schritte entfernt und zum ersten Kaffee lese ich die E-Mails. Nachdem ich neulich neue Aufgaben übernommen habe, erhalte ich täglich mehr Nachrichten und auch solche, die ich inhaltlich wenig und stellenweise überhaupt nicht verstehe. Ungewohnt ist das, aber ich rufe mir in Erinnerung, dass Einarbeitungsphasen eben so sind.
Einige Dinge arbeite ich nach, widme mich ein bisschen den Aufgaben, die ich gerade abgebe (wenigstens da Sicherheit im Tun). Dann klingelt das Telefon, ein Kollege aus dem neuen Team ist dran. Es folgen vier Besprechungen und schon falle ich in die Mittagspause. Tage mit so vielen Meetings, oft nahtlos aufeinander folgend, kannte ich bisher so nicht. Ich sah diese Zustände in anderer Leute Terminkalender, nun sieht meiner ebenfalls so aus. Wie man daneben noch irgendwelche Aufgaben erledigen können soll, ist mir schleierhaft.
Als ich mit dem zweiten Kaffee zurück an den Schreibtisch trete, klingelt wieder das Telefon: Die für die Mittagspause unterbrochene Besprechung geht weiter. Es schließt sich, erneut ohne Unterbrechung, die letzte des Tages an. Danach bearbeite ich exakt eine einzige Mail und mache Feierabend.
Ich habe in der Vergangenheit von Menschen gehört, die sich rühmen, solche Arbeitstage zu haben, denen das womöglich sogar gefällt oder die etwas daraus ziehen – ein Wertgefühl, Motivation oder Energie. Mich demotiviert und ermüdet das stattdessen. Gern würde ich ein paar der Dinge tun, die ich tun soll und die mir während der Besprechungen zugewiesen werden. Ungünstigerweise habe ich allerdings den Eindruck, in keinem der Termine überflüssig zu sein. Auch wenn ich manchmal wenig beitrage, ich nehme sehr viele Informationen mit. Meine Hoffnung ist, dass sich das nach der Einarbeitung ändert.
Weil die Tage zurzeit so anstrengend sind, passiert danach in aller Regel nicht mehr viel. Heute schlafe ich ziemlich sofort auf dem Sofa ein. Es ist schon bald Zeit fürs Abendessen, aber ich verschiebe den Sport seit Montag täglich weiter, also strampele ich ein paar Kilometer auf dem Fitnessrad und absolviere danach eine überaus fürchterliche 12 Minuten-Übung für den unteren Rücken.
Ein motivierteres Ich hatte für heute geplant, einen Reis-Thunfisch-Salat zu machen, und auch schon die Zutaten gekauft. Also stehe ich danach verschwitzt in der Küche und schnibbele Gemüse. Bei der Reismenge hätte ich bereits stutzig werden sollen, aber dass ich offenbar für eine ganze Fußballmannschaft Essen bereite, fällt mir erst auf, als die große Schüssel bis zum Rand voll ist.
Nach dem Duschen gibt’s so viel Salat wie rein geht, der Rest kommt portionsweise in den Kühlschrank. Während ich diese Zeilen tippe, ist der Laptop schwer mit einer Datensicherung beschäftigt, auch das portionsweise. Die Abendgestaltung ist noch offen, erstmal wird dies hier veröffentlicht.
„Was machst du eigentlich den ganzen Tag“, kurz #wmdedgt, ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens und findet an jedem 5. eines Monats statt.
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