Der Wecker klingelte um 6 Uhr. Kurz vorher wachte ich auf und freute mich diebisch, dass ich ihn sofort ausstellen konnte, als er mir schlechte Weltnachrichten servieren wollte. Ha! Ich war danach langsam, trank den Kaffee gemütlich und hatte es am Ende eilig. Beim Verlassen der Wohnung fiel eine Winterjacke vom Türhaken – eine Aufgabe für mein späteres Ich.
Im Büro dann nahtlos Besprechungen bis zur Mittagszeit. Erwähnenswert: Ich half bei einer Veranstaltungsvorbereitung und wollte einige Papierunterlagen auslegen. Vor Ort stellte ich fest, dass sie vorher umsortiert werden mussten, und als danach ein Dokument in neuerer Version geliefert wurde, erinnerte mich das an meine Schulzeit. Damals jobbte ich in einem kleinen Copyshop. Änderungen nach dem Druck kamen dort auch manchmal vor, und wenn man bei tausend Unterlagen – womöglich noch getackert – ein Blatt tauschen muss, war das sehr nervig. Heute ging es nur um 20 Stäpelchen, also verschmerzbar (gerade so). Nett war’s, mal wieder mit so viel Papier zu hantieren, ich bin das gar nicht mehr gewohnt.
Mittags saß ich im nahen Grüngelände in der Sonne. Um genau zu sein ist es ein Friedhof, aber man gewöhnt sich schnell daran, ihn als Park zu benutzen. Ich mag dieses Wetter: Sonne, angenehm kühl, Vögel zwitschern auch schon. Im vergangenen Jahr empfahl mir außerdem jemand, die Allergie einfach zu ignorieren, dann sei sie gar nicht so schlimm…
Auf der Fahrt nach Hause, vorbei an Tankstellen, die die zwei-Euro-Marke bereits überschritten hatten, leuchtete mir durchs Schiebedach die Sonne ins Gesicht, das fand ich schön. Zuhause wartete eine schöne Überraschung: Mein neuer Führerschein war eingetroffen, ich berichtete. Kurz erschreckte mich das gruselige Foto, das ich neulich extra dafür aufnahm. Mein 18-Jähriges Ich auf dem alten Führerschein sah mir zwar weniger ähnlich, aber das Foto gefiel mir besser. Beim Öffnen der Wohnungstür kurze Verwunderung über das seltsame Geräusch, bis mir einfiel: Dahinter liegt noch die Winterjacke von morgens.
Den Mittagsschlaf hatte ich mir verdient, und so tief wie der war, war er auch nötig. Während des Abendessens rief ich sicherheitshalber bei der Person an, die abends vorbei kommen wollte, um ein Sofa von mir zu kaufen und abzutransportieren. Der Kontakt kam übrigens über Nebenan.de zustande, eine Website, bei der man sich lokal vernetzt. Die Registrierung ist in der heutigen, schnelllebigen Zeit wahrscheinlich eine Hürde, denn sie geschieht per Postkarte. Der Vorteil, nachdem die eigene Adresse authentifiziert ist: Man kann sich nur mit Personen in der Nachbarschaft austauschen, allenfalls dem Stadtteil danach. Es kann also theoretisch vorkommen, dass man die Leute demnächst beim Spazieren trifft, was mir zwar bewusst noch nie passiert ist. Aber das sowie die Klarnamenpflicht verhindern in vielen Fällen unangenehme Umgangsformen, so mein Eindruck. Jedenfalls gibt es dort auch einen Marktplatz.
Die Leute kamen pünktlich. Als ich sie herein ließ, fiel die Winterjacke wieder runter. Das Sofa war nicht extrem schwer, aber sie hatten meine Anzeige nicht richtig gelesen: Ich hatte wegen Rückenproblemen nicht vor, beim Tragen zu helfen. Sie hatten damit aber gerechnet, und da der starke Nachbar ebenfalls Rückenprobleme hat und ich die Sache nicht platzen lassen wollte, half ich mit, wenn auch etwas genervt. Genervter war allerdings der Nachbar, der nicht in die Tiefgarage fahren konnte, weil die Sofa-Leute mit dem Lieferwagen die Zufahrt versperrt hatten. Ich hätte gerne gesagt, dass wir nun quitt wären, denn er hat einmal eine Nacht meinen Parkplatz benutzt, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein.
Als ich mit verspanntem Rücken zurück in die Wohnung trat, fiel die Winterjacke wieder runter, danach konnte der Abend beginnen. Ich spielte etwas „Spiritfarer“, ein schönes Spiel, das ich anders als beim ersten Durchgang jetzt entspannter angehen kann. Dann klingelte es überraschend an der Tür. Ob die das Sofa wieder zurück brächten? Nein, es war eine späte Paketlieferung, die ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte: ein neuer Bürodrehstuhl. „Achtung, wiegt mehr als 15 Kilo“ stand auf dem Paket. Als ich den schweren Karton in die Wohnung schob und die Winterjacke wieder runter fiel, kam ich mir vor wie Freddie Frinton in „Dinner for One“, wie er ständig über diesen blöden Tigerkopf stolpert. Schon in Ordnung, ich räume die Jacke bei Gelegenheit mal weg.
„Was machst du eigentlich den ganzen Tag“, kurz #wmdedgt, ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens und findet an jedem 5. eines Monats statt.
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