Das Problem mit Brettspielen

„Brettspiele sind doch schön?“, könnte man erstmal denken. Nun ja, eigentlich ist genau das mein Problem. Ich mag bei Brettspielen häufig die soziale Komponente, also wenn man etwas gemeinsam tut, gemeinsam Spaß hat und dabei vielleicht auch ins Gespräch über anderes kommt. Gemeinsamkeit also, zusammen etwas erreichen und so weiter. Stattdessen geht es bei den meisten Brettspielen darum, gegen andere Spieler zu gewinnen.

Nix ist also mit Gemeinsamkeit! Taktik ist angesagt bei Mensch ärgere dich nicht, Monopoly, Skat oder Azul. Azul? Richtig gelesen. Dabei handelt es sich auf den ersten Blick um ein sehr hübsches Spiel mit bunten Steinchen, das allerdings so gut wie ausschließlich auf Taktik basiert.

Taktiker war ich noch nie, weder beruflich noch im sozialen Kontext oder eben bei Spielen. Womöglich könnte ich mich anstrengen und tatsächlich nach den Regeln spielen, aber ich finde das überhaupt nicht erstrebenswert. Andere Spieler durch die eigenen Spielzüge in ihrem Handeln blockieren und behindern?

Und so passierte es bei Azul neulich wie sonst auch immer, wenn ich die Taktik in solchen Spielen einfach völlig ignoriere: Es entstehen zwei Spielwelten. In einer befinde ich mich, freue mich über meine Erfolge und ärgere mich über Misserfolge. In der anderen befinden sich alle anderen Spieler. Sie erkennen die berechnenden Züge der anderen und geben wissende Ohs und Ahs von sich. Es schwingt ein gemeinsames Wissen um Geschehnisse im Spielverlauf mit, die ich überhaupt nicht mitbekommen habe. So mache ich mich selbst zum Außenseiter, was ein entsprechend seltsames Gefühl mit sich bringt.

Zwei Runden spielten wir. Für eine statistische Aussage reicht das nicht, aber bislang sieht es so aus, dass man auch völlig ohne Taktik nicht allzu weit abgeschlagen spielt. Einmal habe ich nämlich gewonnen.


Bild von Artur Shamsutdinov auf Pixabay

2 Kommentare

  1. Aus vermutlich ähnlichem Grund lehne ich Ballsportarten aller Art ab, weil man dort immer gegen andere gewinnen soll. Dieses Gewinndrang-Gen scheint mir zu fehlen. Ich vermisse es nicht.

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