Einmal wie die Reichen: Shopping im Designer Outlet Center

Hier können sich Jung und Alt, Frau, Mann und Kind wohl fühlen. Lediglich Babies und Hunde sollten fern bleiben, da sie in den Menschenmassen zu leicht verloren gehen. Die Rede ist nicht vom Rummelplatz, obwohl das Ambiente dem häufig erstaunlich nah kommt, nein, es geht ums Shoppen in einem Designer Outlet Center.

Namhafte Firmen und Firmen, die annehmen, sie wären namhaft, schließen sich zu einem in der Regel riesigen Konglomerat aus Ladenlandschaften zusammen, das es bisweilen von der Grundfläche her auch mit einem Einkaufszentrum aufnehmen kann. So ein Shoppingdorf befindet sich zum Beispiel gleich hinter der Grenze zu den Niederlanden, im ansonsten beschaulichen Roermond.

McArthur Glen Designer Outlet Roermond

Das sogar aus der Luft leicht erkennbare Einkaufsgelände ist größer als der Roermonder Hafen mitsamt Parkplätzen, wird aber meiner Schätzung nach weit mehr einbringen. Denn wer dort einmal seine Kreditkarte zum Glühen gebracht hat, der wird Wiederholungstäter. So ist der Traum aller Shoppingsüchtigen gleichzeitig sicherlich auch ein Albtraum für die Einwohner ringsherum.

Wer sich an einem Samstag- oder Sonntagmittag auf ins Einkaufsparadies macht – geschlossen ist nur an zwei Tagen im Jahr – der wird erkennen, warum eine gewisse Abneigung der Roermonder Bewohner gegenüber uns Deutschen nicht verwunderlich wäre: Kilometerlange Staus in Richtung Grenze, deutsche Nummernschilder, so weit das Auge reicht. Trotzdem sei die Frage gestattet: Ist die Fahrt und der Stress der Menschenmenge das Ergebnis überhaupt wert?

Darüber lässt sich sicher trefflich streiten. Wer nach einem Tag voller „Entschuldigung, das habe ich zuerst gesehen!“ und „bar oder Karte?“ abends mit dem Kofferraum voller Tüten von Adidas, Nike, Burberry, Prada, Lacoste, Ralph Lauren, Boss, Diesel, Timberland, Daniel Hechter, Church’s und sogar Black & Decker nach Hause fährt, der wird sich vielleicht zweifelnd fragen, ob all diese Dinge wirklich nötig waren. Aber es soll den einen oder die andere geben, die voll des Glückes selig noch hundert Kilometer lang immer wieder laut vorrechnen, was sie gespart haben – das habe ich jedenfalls gehört, oder so.

Trotzdem ist der Besuch eines solchen Ortes gleich aus mehreren Gründen lohnenswert:

  • Es ist spaßig, anderen beim Shoppen zuzusehen! Die kindliche Freude, ein Sonder-Sonderangebot ergattert zu haben: »Hier, die Hose, die kostet zwanzig Euro… ZWANZIG! Das ist Ralph Lauren, RALPH LAUREN! Für zwanzig Euro, das ist ein Scherz! Die nehm‘ ich mit… ist nicht meine Größe, aber ich finde schon jemanden, dem ich die schenken kann.«
  • Leute gucken ist sowieso spannend: Wer trägt Tüten von welcher Marke, wem hätte ich das zugetraut und wem nicht? Vielleicht setze ich mich einmal einen ganzen Tag nur in eins der Cafés und schaue zu.
  • Normalerweise hat man eher selten einen Anlass, Prada-, Gucci- oder Louis Vuitton-Läden zu betreten. Auch wenn sie in diesen Einkaufshöllen restlos überfüllt sind, so herrscht dort trotzdem immer eine ganz besondere Atmosphäre. Mit einfachen Stilmitteln erreichen die Betreiber ein etwas klinisches und kaltes Ambiente, in dem die Waren leicht eisig und zurückhaltend in den Regalen auf neugierige Blicke warten. Anfassen nicht immer erlaubt!
  • Und außerdem: In den Niederlanden gibt’s tolles, leckeres und sehr ungesundes Essen.

Fazit: Wer sich noch nie in die Menschenmassen geworfen hat, verpasst vielleicht den einen oder anderen Moment (und das eine oder andere Schnäppchen, »das ist ein Scherz! Die nehm‘ ich mit…«), aber dafür gibt es tausende Orte, die weniger stressig sind. Mein Rat: Wer sich auf der Kirmes unwohl fühlt, hat im Designer Outlet Center sicherlich noch weniger Spaß. Alle anderen: Rein ins Vergnügen! Aber gebt eure Kreditkarten vorher jemandem, dem ihr vertraut…

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