Heute ist Weltbuchtag, und ich schreibe über einige Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen oder gehört habe und die mir ganz besonders gut gefallen haben. In Himmel ohne Ende von Julia Engelmann geht es um Charlie. Sie ist allein, in der Schule hat sie nur eine Freundin, aber die lässt sie bald im Regen stehen. Alle anderen machen sich sowieso schon immer über sie lustig. Ihre Mutter ist mit sich selbst beschäftigt, denn Charlies Vater hat die beiden verlassen. So bleibt Charlie nur Markus, ihr Meerschweinchen. Markus ist kuschelig und lieb und lässt sich gerne von ihr herumtragen, aber das reicht halt irgendwie nicht.
Da kommt eines Tages ein neuer Junge in Charlies Klasse, Kornelius, aber alle nennen ihn nur Pommes. Und Pommes, der sorgt bei Charlie für eine Veränderung. Bisher sah sie die Welt wie durch eine Glasscheibe getrennt, da war sie, und da waren all die anderen. Pommes verändert das, und den Anstoß gibt die Art, wie er die Dinge sieht und beschreibt: genau so wie Charlie. Endlich hat sie jemanden, mit dem sie all die komischen Fragen ihres Lebens besprechen kann. Schnell stellt sich aber auch heraus, dass Pommes gar nicht immer so locker und entspannt ist, wie er oft erscheint.
Man muss seine Träume immer ernster nehmen als die Zweifel.
Das Buch hat mich von den ersten Seiten an gepackt und schon vor dem Ende war mir klar: das ist eines meiner Lesehighlights des Jahres. Auch wenn es „nur“ ein ganz normales Coming-of-age-Büchlein ist, ich lag mit Charlie einfach auf einer Wellenlänge. Warum, das weiß der Himmel – übrigens eine passende Metapher, in dem Buch geht es ganz viel um den Himmel.
Julia Engelmann ist von Haus aus Poetry-Slammerin und Lyrikerin, und das merkt man dem Text an. Würde ich Bücher mit Textmarker oder Klebezettelchen lesen, dieses Buch wäre von vorne bis hinten bunt angemalt oder beklebt. Ständig stolpert man beim Lesen über schöne Formulierungen, wunderbare Beschreibungen oder auch ganze Absätze von Gedanken, die völlig offensichtlich sind, die ich aber so noch nie gedacht habe.
Vielleicht braucht man manchmal gar nicht die richtigen Worte, sondern bloß die richtige Stille.
Wenn man etwas kritisieren wollte, dann, dass Jugendliche im zarten Alter von sechzehn Jahren noch keine so scharf ausformulierten und stechend treffenden Dialoge führen können, wie die zwei es tun. Aber mir war das völlig egal.
Ein absoluter Knaller.
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