Am 23. April war Weltbuchtag, darum schreibe ich über einige Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen oder gehört habe und die mir ganz besonders gut gefallen haben. Tage ohne Ende von Sebastian Barry ist in vielerlei Hinsicht ein etwas anderes Buch. Es ist recht brutal, und doch auch voller Liebe. Es ist wie eine wörtliche Rede geschrieben, und dadurch sehr direkt und nahbar. Und die Geschichte hat ein sonderbares Setting: Wir sind in den USA Ende der 1850er. Zwei Jungs, beide völlig heruntergekommen, verarmt und allein, treffen sich im Regen zufällig unter einer Hecke. Sie beschließen, Freunde zu sein und beginnen in einem Saloon als tanzende Mädchen. Der Eigentümer hat bewusst Jungs eingestellt, denn Mädchen gibt es in dieser Stadt keine, hier wohnen nur Minenarbeiter. Abends wollen die gemütlich Karten spielen, einen oder zwei heben und ein bisschen tanzen. Dafür verkleiden die beiden Jungen sich als Mädchen und werden einige Jahre lang selbst von den rauesten Typen sehr zuvorkommend behandelt.
Eines Tages jedoch sind sie zu Männern geworden und das Tanzen hat ein Ende, inzwischen sind sie ein Paar. Sie gehen zur Armee und in mehreren Einsätzen wird es sehr blutig auf allen Seiten. Es kommt dazu, dass sie ein Mädchen adoptieren, und es wird sich auch zeigen, dass ihre Zeit als Männer in Frauenklamotten noch eine wesentliche Rolle spielen wird bei dem Versuch, zu überleben.
Ich blicke zurück auf fünfzig Lebensjahre und frage mich, wohin sie entschwunden sind. Schätze, sie sind einfach so entschwunden, ohne dass ich was gemerkt hab. Im Gedächtnis eines Menschen sind vielleicht nur hundert klare Tage aufbewahrt, dabei hat er Tausende von Tagen gelebt. Lässt sich nicht viel dran ändern. Wir haben unsern Vorrat an Tagen, und wir vergeuden ihn wie vergessliche Säufer.
Die Geschichte wird von einem der beiden Männer erzählt, Thomas. Er ist irgendwie grobschlächtig und kann auch brutal sein, auch wenn er es oft nicht versteht, wenn sie andere Menschen töten müssen. Gleichzeitig ist seine kleine Familie und sind die Freunde, die ihnen begegnen, sehr wichtig und er setzt sich für sie ein. Im Buch geht es viel um Krieg, auch den amerikanischen Bürgerkrieg in den 1860ern. Über all dem steht der Wunsch nach einem zufrieden, friedlichen und erfüllten Leben dieser zwei Männer und einem Mädchen.
Wie gesagt: Das ist ein seltsames Setting. Aber es hat mir gut gefallen, einen anderen Blick auf „schwule Cowboys“ zu bekommen. An die Sprache des Ich-Erzählers musste ich mich zwar gewöhnen, aber das dauerte nur ein paar Seiten.
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