grauer Tag

Heute ist einer dieser Tage, an denen man sich schon früh morgens fragt: „Warum bin ich überhaupt aufgestanden?“ Der Kopf dröhnt, die Kollegen haben schlechte Laune, alles geht irgendwie langsam vonstatten. Die eigene Laune sinkt beständig hin zu einem für alle unguten Niveau und selbst der frühlingshafte, strahlende Sonnenschein ist nicht mehr als eine minderwertige Begleiterscheinung.

Der Kaffee schmeckt nach Nudeln Bolognese. Kann das überhaupt sein? Vielleicht ist die Milch schlecht, das würde ja zum Tag passen. Der Chef kommt ins Zimmer gestürzt, ranzt jeden der Reihe nach an und stampft schnaufend wieder hinaus. Offenbar ist er mit dem falschen Bein aufgestanden. Wir lächeln uns müde an und ergeben uns in unser Schicksal. Jeder widmet sich seinem vollgestopften E-Mail-Postfach und fragt sich, wann dieser grausame Tag wohl enden wird.

Mein Telefon klingelt. Die Zentrale stellt mir wütend jemanden durch, der seinerseits einen wohl seit Tagen angestauten Ärger auf mich los lässt. Ich versuche, es so gleichgültig wie möglich auf mich einprasseln zu lassen und denke an einen fernen Sandstrand. Dort am Wasser auf einem Liegestuhl zu liegen, einen eiskalten Drink aus einer halben Kokosnuss zu trinken und die seichten Wellen zu beobachten – das wäre jetzt was. Aber ich sitze hier, lasse mich wüst beschimpfen und bin für den gesamten Weltschmerz verantwortlich. Was soll’s.

Auf dem Büroflur werden Stimmen laut. Zwei Kollegen haben sich in die Haare bekommen und vergessen, dass es günstiger wäre, sich für eine Klärung in ein Zimmer zurück zu ziehen. Ich merke, dass ich meinen Anrufer nicht beruhigen kann und vertröste ihn mit möglichst gewählten Worten auf einen anderen Tag. Dafür muss ich mir zwar noch einiges in Sachen „inkompetent“ anhören, aber das ist mir egal. Drink in der Kokosnuss.

Ich spüre, dass mein Handy in der Hosentasche vibriert. „Was kommt denn jetzt noch?!“ denke ich und hole es missmutig hervor. Eine SMS von ihm: „Heute Abend gehen wir spazieren, danach kochen wir uns was besonderes und schauen eine Schnulze. Keine Widerrede.“

Und mit einem Mal ist es ein schöner Tag.

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