„Frau, äh, Kleinert, unser Arbeitsplan erfährt eine Änderung.“

Dieses großartige Loriot-Zitat aus dem stets aktuellen Film „Pappa ante Portas“ hat heute auf meine Situation gepasst.

Nach der Arbeit bin ich energetisch zum Sport gefahren. Dem Körper etwas Gutes tun. Lust hatte ich keine, aber wann hat man die schon. Also stand ich da in der Umkleide und zog mich um. Laufshirt schon an, die Jeans auszogen, stellte ich fest: „Heute habe ich zwei Shirts dabei. Und dafür keine Sporthose.“ So ging es natürlich nicht. 

Also wieder zurück umgezogen und nach dem wohl kürzesten Aufenthalt meines Lebens die Muckibude missmutig wieder verlassen. Aber wie das Leben so spielt: Es kam eine Alternative auf. Denn bewegen wollte ich mich wirklich und ging stattdessen eine Weile in den Wald. Wer an Schicksal glaubt, könnte meinen, dass ich heute Morgen verschlafen aus guten Gründen die falschen Klamotten eingepackt habe, denn die Natur zeigte sich von einer sehr schönen Seite.

So viel Grün! 
Ich nenne es: Mittelweg
Hat den Fluss sicher viel Arbeit gekostet, diesen Weg zu graben…

Von Twitter zu Mastodon – ist das ein guter Wechsel?

Mann am Handy

Vor fast zehn Jahren habe ich mich bei Twitter registriert. Für mich war das Netzwerk immer ein Freizeit-Nischenprodukt neben dem völlig überladenen und unhandlichen Konkurrenten Facebook. Aber nun verdirbt mir Twitter selbst den Spaß am eigenen Service.

Warum überhaupt Twitter?

Ich mochte Twitter gerne. Es war familiär, voller Ideen und überall tummelten sich nette Menschen. Wie ein großes Wohnzimmer, in dem jeder laut umher gackerte: Man konnte gemeinsam fernsehen und sich aber auch in eine lauschige Ecke zurück ziehen und sich unterhalten. 

Nervige Accounts, allen voran gewisse Politiker, aber auch bestimmte Hashtags und Stichwörter konnte man einfach stumm schalten. So bildete ich mir mit der Zeit eine schöne und gemütliche Filterbubble. Jeder kann das Netzwerk so nutzen, wie er mag, und für mich sollte es ein Teil Nachrichten-, ein Teil Spaß- und ein Teil Kreativitätstimeline sein. Ach ja, und Flausch natürlich.

Twitters Website und ihren Smartphone-Client fand ich nie besonders ausgereift oder vernünftig bedienbar. Die Funktionen waren zwar irgendwie alle vorhanden, aber Drittanbieter machten einfach einen viel besseren Job. Mit dem Ende der chronologischen Timeline waren die firmeneigenen Produkte für mich ohnehin gestorben. Aber egal: Für keine andere App auf meinem Handy habe ich so gerne auf „Bezahlen“ gedrückt wie für Tweetbot. Vor einigen Monaten dann kam die Nachricht, dass Twitter die API-Zugänge für Drittanbieter so stark beschränken würde, dass diese einige ihrer Funktionen deaktivieren müssten.

So kam es dann auch. Tweetbot veröffentlichte wie die anderen Anbieter auch ein „Update“, das eher einem „Downgrade“ gleich kam. So kann ich jetzt nicht mehr sehen, wer ein Herzchen dagelassen hat, wer neu folgt und auch das Timeline-Streaming funktioniert nicht mehr. Ich bin zwar nie ein intensiver Nutzer gewesen, aber die Funktionen vermisse ich. 

Es fühlt sich nicht mehr gut an

Und da setzt die Krise in meinem Kopf an. Weshalb Twitter die Funktionen einschränkt, liegt auf der Hand: es geht um Geld. Die Nutzer sollen konzerneigene Produkte, also die Website und die Smartphone-App nutzen. Dort werden die Tweets aber mit Werbung versehen und nach einem kruden Algorithmus in eine verwirrende Reihenfolge gebracht.

Das entspricht nicht dem, wie ich das Netzwerk kennen gelernt habe. Das gemütliche Wohnzimmer ist verschwunden, stattdessen herrscht eine Atmosphäre wie bei Facebook: „Hier, das willst du sehen. Und dann noch diese Werbung. Und diese Info verschweigen wir dir, weil wir glauben, das ist so besser für dich.“

Das ist Bevormundung. Und das passt mir nicht. 

Ich hätte Geld für ein funktionierendes System gezahlt, genau wie vorher auch. Ich wäre dann vielleicht sogar bereit gewesen, die Twitter-App zu nutzen, trotz ihrer schlechten Umsetzung. Aber von einem Netzwerk, in das ich in meiner Freizeit und rein aus Spaß einlogge, lasse ich mir nicht vorschreiben, welche Inhalte ich zuerst zu sehen habe. 

Und so ist nun das Unvermeidliche geschehen: Ich habe die Lust an Twitter verloren. Dass gerade in den letzten Monaten meine Liste der geblockten Stichwörter und Accounts exponentiell gestiegen ist, spielt da schon fast nur noch eine Nebenrolle. 

Das ist alles sehr schade. Ich mag die Idee hinter Twitter. Man tauscht sich aus. Liest, was andere so denken und machen, sieht ihre Fotos von der Welt oder aus ihrem Garten und lässt sie auch ein Stück am eigenen Leben teilhaben. 

Und jetzt?

So stand ich also neulich da. Etwas verwundert. Zwar war die API-Abschaltung lange angekündigt worden, aber die konkreten Auswirkungen machen sich erst seit kurzer Zeit bemerkbar. 

Da hörte ich von Mastodon. Über das quelloffene Netzwerk wurde in der letzten Zeit viel geschrieben und diskutiert. Ist es eine Alternative zu Twitter – und will es überhaupt eine sein? Geradezu philosophisch ging es da schon zu. Ich habe das interessiert verfolgt und mich dann auch gleich mal dort angemeldet. 

Der Unterschied zu Twitter ist gar nicht so groß. Während kurz gesagt bei Twitter alle Nutzer bei einem „Server“ angemeldet sind – sozusagen dem Twitter-Hauptserver – kann bei Mastodon jeder einen eigenen Server betreiben. Alle Server sind miteinander verbunden. So hat niemand die „Macht“ über das gesamte Netzwerk. Lediglich die Betreiber eines Servers können damit tun, was sie möchten, das gesamte Netzwerk gehört keiner Person oder Firma.

Im Grunde funktioniert Mastodon wie das Internet selbst. Denn auch wenn der größte deutsche Internetknoten in Frankfurt komplett vom Netz gehen würde, würde das Internet weiter bestehen. So ist es mit den Servern bei Mastodon auch. Hier eine grafische Darstellung der Unterschiede.

Ist Mastodon also der Gewinner?

„Tschüss Twitter, auf zu neuen Gefilden!“ – Wie ein Siedler bin ich fast schon euphorisch zu Mastodon gewechselt. Derzeit setze ich fast keine Tweets mehr ab, sondern poste nur noch drüben bei Mastodon. Da funktioniert alles noch nicht so gut, die Smartphone-Apps sind rar und haben Fehler, auch die Website-Ansicht kann man nur als okay bezeichnen. Es gibt noch viel Luft nach oben. Aber der Erfinder der Software ist auf der Plattform sehr sichtbar, ansprechbar und hach – das Wohnzimmergefühl war plötzlich wieder da.

Bis kürzlich der erste große Skandal stattfand, den ich dort mitbekommen habe. Jemand wurde wegen irgendwelchen Äußerungen von dem Admin des Servers, auf dem er sein Profil angemeldet hatte, zum Gehen aufgefordert, um genau zu sein sogar gesperrt (hier das ganze Drama). Das Thema kochte hoch, es gab Befürworter der einen und Befürworter der anderen Partei. Ich fühlte mich plötzlich fast wie bei Twitter – nur mit chronologischer Timeline und Benachrichtigungen. Der Vorfall brachte nicht nur mich zum Nachdenken.

As Mastodon is growing, it becomes clear that many of the problems that we face in social media aren’t solved by simply replacing monolithic corporate-owned infrastructure with a decentralized one. That – it seems – was the easy part. The hard problems appear to be sociological. How do you protect an individual from an angry mob? How do you find out if the mob’s anger is justified or not? We can’t hope to answer these questions with technology.

https://chaos.social/@tauli/100638409158981308

Was kann ein soziales Netzwerk überhaupt leisten?

Wohnzimmer hin oder her: Wie lange wird es denn dabei bleiben? Wann wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben? Werde ich wieder eine lange Liste mit ausgeblendeten Hashtags, Accounts und Stichwörtern erstellen müssen? Was, wenn der Betreiber „meines“ Servers sich dazu entschließt, die Lichter auszumachen? 

Zur letzten Frage schien mir eine Antwort ganz nahe: Dann mache ich eben selbst einen Server auf! (Ein Server heißt bei Mastodon übrigens „Instanz“.) Ein Blick in die Installationshinweise ließen mich aber völlig verwirrt zurück: Schon im ersten Satz einer Anleitung „für Neulinge“ kamen so viele Begriffe vor, die ich noch nie gehört hatte, dass ich die Anleitung nur überflog und feststellte: das kann ich im Leben nicht.

Also ging ich einen Schritt zurück und fragte mich: Was erwarte ich von einem sozialen Netzwerk eigentlich? Und was kann es mir bieten? 

Ein Netzwerk wird erst dann „sozial“, wenn sich viele Menschen darin versammeln. Das hat zur Folge, dass verschiedene Meinungen und Ansichten aufeinander treffen. Früher war es die Dorfkneipe, heute ist es das Internet. Nur mit vielen Menschen macht ein Netzwerk aber erst Spaß – denn all die oben genannten Vorteile treten nur ab einer geeigneten Gruppengröße auf. 

Diese Vorteile sind aber auch gleichzeitig die größten Nachteile: Wo Menschen, da früher oder später auch der Mob. Da spielt es auch keine Rolle, ob die Umzüge mit brennenden Fackeln und Mistgabeln gerechtfertigt sind oder nicht.

Neulich stand mir ein unfreiwilliger Spaziergang durch einem Park bevor und während ich ihn durchquerte, ging ich im Kopf die sozialen Netzwerke durch, die mir auf Anhieb einfielen. Twitter, Facebook, Instagram, Mastodon, Reddit. Im weitesten Sinne auch: Blogs, WhatsApp, Snapchat, Telegram, Wire, WeChat, Discord, Jodel… und dann wären da noch Foren, Bewertungsportale, Online-Shops und so weiter und so fort.

Bei keinem dieser Namen fühlte es sich auf Anhieb einfach nur gut an. Ich suchte nach meinem Wohnzimmergefühl. Reddit ist nett und zur Zerstreuung gut, aber so wuchtig – ich mag die kurzen Posts wie bei Twitter und Mastodon. Meinen Facebook-Account habe ich gelöscht und bin froh drum. Instagram? Ich esse lieber statt den Teller zu fotografieren. Was bleibt da noch?

(c) XKCD

Mastodon it is!

Und so kommt dieser Rant nun zu einem Ende: Ich bleibe vorerst bei Mastodon. Zwar bin ich einer der dort etwas verpönten Wechsler von der „birdsite“, also von Twitter. Schon nach wenigen Tagen fühle ich mich dort sehr wohl. Es geht einfach ruhiger zu, man ist auch viel netter zueinander. Dennoch hat Mastodon genau so wie Twitter das Potenzial für weitere Mobs und negative Atmosphäre. 

Es bleibt die Frage, wie sich die Admins der jeweiligen Server bzw. Instanzen sich dann positionieren. Denn sie stellen nicht nur die Verhaltensregeln in ihrer Instanz auf, es ist auch ihr Job, diese bei Bedarf durchzusetzen und zu sanktionieren. 

Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt! 


Titelfoto: LinkedIn Sales Navigator/StockSnap.io

Blutspenden

Zu Blutspenden habe ich ein sehr gespaltenes Verhältnis.

Zunächst sei festgehalten, dass Blutspenden enorm wichtig sind. Zu wenige Menschen tun es – übrigens wie Organspenden, aber das ist ein anderes Thema. Vielleicht sollte man einen Service einrichten, der einem überall dort Blut abzapft, wo man sowieso wartet. Im Bürgeramt, im Wartezimmer, an der Kassenschlange…

Weshalb ich persönlich aber etwas die Lust am Nadelpieksen verloren habe, hat zwei konkrete Gründe. Und keiner der beiden hat irgendetwas mit den Nadeln selbst zu tun! Okay, beim Blutspenden handelt es sich weniger um Nadeln und mehr um kleine Metallrohre, die sie einem da in die Armbeuge rammen. Das kann man schön oder weniger schön finden, aber es ist in der Regel auszuhalten. (Gibt es irgendjemanden, der das mag? Als sexuelle Praktik womöglich. Oh Gott, eine Erektion im Ärztezimmer! Das sieht man dort sicher selten.)

Der erste Versuch

Es ist über 15 einige Jahre her, ich machte gerade den Führerschein. Meine Fahrschule organisierte regelmäßige Blutspendetouren ins nächste Krankenhaus – eine sehr gute Aktion. Wir jungen Leute kamen gerne mit, warum auch nicht, es gab sogar ein bisschen Geld dafür.

So saßen wir in diesem 80er-Jahre-Wartezimmer mit den 70er-Jahre-Stühlen und füllten auf einem Klemmbrett den üblichen Zettel aus:

  • Haben Sie HIV? – Nee.
  • Sind Sie schwanger? – Pubertäres Kichern.
  • Haben Sie in den letzten sechs Monaten Blut gespendet? – Nein.
  • Haben Sie diese oder jene Krankheit kürzlich überstanden? … – Alle nein.
  • Waren Sie kürzlich bei einer Akupunktur-Behandlung? – Ja, tatsächlich.
  • Haben Sie häufig wechselnde Sexualpartner? – Wieder pubertäres Kichern.
  • Und so weiter und so fort, zwei Seiten Kreuzchen machen.

Anschließend wurden wir zu einer Vorbehandlung gelassen, ich wurde als einer der Letzten unserer Fahrschulgruppe dran genommen. Der Arzt schaute sich mein Kreuzchenprotokoll an: „Oha, Akupunktur… da muss ich kurz nachfragen.“ Er wählte eine Nummer am Telefon und erklärte die Situation. „Aha, ja… verstehe… also nur dann? Gut.“ Er legte auf. „Wurden dort Akupunkturnadeln verwendet, die mehrfach benutzt werden?“

„Nein“, sagte ich, denn das wusste ich tatsächlich hundertprozentig. „Die werden danach weggeworfen. Auch die Injektionen, die man anschließend bekommt…“

„Es wird eine Injektion verabreicht? Dann kann ich Sie leider nicht weiter lassen. Wir wissen nicht, was Sie gespritzt bekommen haben.“

Auch wenn es sich dabei um ein simples Schmerzmittel handelt, durfte ich tatsächlich beim Blutspenden als Einziger nicht mitmachen. Und statt mich für meine Ehrlichkeit zu bewundern, wurde ich bei der Heimfahrt ausgelacht und dachte mir, ich hätte einfach überall „Nein“ ankreuzen sollen. Wobei das gelogen gewesen wäre, und ich wollte bei solch einem wichtigen Thema ja doch ehrlich sein. Wenigstens hatte ich ein kostenloses Essen bekommen.

Der zweite Versuch

Jahre nach diesem Misserfolg unternahm ich mit meinem Bruder und ein paar Freunden einen zweiten Versuch. Ich war auch lange nicht bei der Akupunktur gewesen. Der übliche Zettel war schnell ausgefüllt. Wer gibt denn auch bitte an, häufig wechselnde Sexualpartner… oh, die Frage wurde ausgetauscht. „Sind Sie homosexuell?“ – Was für eine Frechheit, das ging die gar nichts an. Wie wir heute wissen, ging man damals davon aus, dass Schwule grundsätzlich HIV haben und deshalb durften sie nicht spenden. Pah… aber auch das ist ein anderes Thema.

Diesmal überstand ich die ärztliche Voruntersuchung und wurde endlich ins Nadelzimmer gelassen. Wir wurden auf ergonomisch geformten Liegen gebettet, es gab sicher zehn oder 15 in dem Raum. Mein Bruder und ich lagen uns gegenüber und unterhielten uns, während die Nadeln gesetzt wurden.

Später wurde es etwas langweilig und wir schauten uns um. Neben jeder Liege befand sich ein kleines Schränkchen, in dem eine Waage stand. Das abgezapfte Blut wurde sofort gewogen und nach einem halben Liter hörte das System automatisch mit dem Zapfen auf. Mein Bruder und ich konnten jeweils die Waage des anderen sehen.

Für den Fall, dass es mal nicht so „laufen“ sollte wie gewünscht, hatten wir beide einen kleinen Ball bekommen. Wenn man den wiederholt presst, wird der Arm besser durchblutet und naja, wo mehr ist, kann mehr entnommen werden. Weil wir ja sowieso nichts besseres zu tun hatten, beschlossen wir einen Wettlauf: Wer zuerst fertig ist, hat gewonnen! Also pumpten wir drauflos. Es war ein knappes Rennen, aber ich gewann.

Das Entnahmesystem piepste und eine Schwester machte sich an meinem Arm zu schaffen. Stolz erklärte ich ihr, dass ich unseren Wettkampf gewonnen hatte. Während sie so neben mir fuhrwerkte, die Nadel abnahm und so weiter, wurde mir plötzlich sehr flau und schwindelig. Sie sah mich an, verstand sofort und fragte: „Alles in Ordnung?“

„Äääh“, sagte ich nur, da wurde meine Liege auch schon nach hinten gekippt, so dass das Blut von den Beinen in den Kopf fließt.

„Trinken Sie das. Für den Kreislauf.“

„Das ist mir wirklich sehr unangenehm…“

„Ach, das passiert hier öfter. Hätten Sie sich mal nicht so beeilt…“

Da musste mein Bruder natürlich lachen. Gemein. Er war mittlerweile fertig, natürlich ohne Kreislaufprobleme, und durfte in den Essensraum gehen. Ich sollte noch ganze 20 Minuten ausharren, bis ich mich besser fühlte. Super langweilig. Und ziemlich peinlich.

Als die Zeit endlich rum war, ließ man die Liege wieder hinab und ich durfte aufstehen. Vorsichtig machte ich die ersten Schritte in Richtung des Ausgangs, aber was war das? Mein Arm fühlte sich so warm an.

Ich sah an mir herunter: Von der Einstichstelle hatte sich ein Rinnsal Blut gebildet, das bis zu meiner Hand verlief und über den Mittelfinger auf den Boden tropfte. Es sah aus wie in einem drittklassigen Horrorfilm. Statt meine Armbeuge zu pressen und die Blutung zu stoppen, stand ich blöd herum. „Ähm, ich blute, könnte mir jemand kurz helfen?“

„Draufdrücken!“

Die Schwester kam angerannt und rollte mit den Augen. Ich wurde zur Liege zurück bugsiert und mit einem dicken Mullband versorgt: „Jetzt drücken Sie da mal lange drauf und nicht loslassen!“ Während ich brav drückte und nicht losließ, musste die arme Pflegerin meine Sauerei auf dem Boden aufwischen. So stelle ich mir den Boden in einer Schlachterei vor. Ich hatte eine ordentliche Menge dicker Tropfen hinterlassen, die erst einmal schön verschmierten. Herrje, war mir das alles peinlich.

Nach einer Weile kam mein Bruder ins Zimmer, mittlerweile hatte die Gruppe sich gefragt, wo ich denn nun geblieben sei.

So kam es, dass ich bei der Rückfahrt schon wieder ausgelacht wurde. Dieses Mal allerdings aus gutem Grund.

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