Das war der Oktober 2026

31. Oktober 2026 · Kommentieren

Im Oktober regnete es, ich sah Kunst auf Reddit, stand erstaunt im Harz, befasste mich mit dem Verbot von Büchern, zog im Büro um, versuchte zu saugen, schrieb Tagebuch, ärgerte mich über einen Einbruchsversuch in diesem Blog und grübelte über Bademäntel.

Der erste Oktober startete in Bonn mit Regen. Da wir zurzeit nur zwei von drei Rheinbrücken haben, ist im Berufsverkehr gern jede Straße voll, zusätzlich sind auch mehr Menschen auf Fahrrädern unterwegs. In Ermangelung vernünftiger Radwege teilen sich Autos und Fahrräder die Straßen. Als ich morgens in Büro fuhr, war es also nass und voll und ungemütlich. Einige Tage vorher hatte ich meinem Auto eine Fahrt durch die Waschanlage spendiert und beim Losfahren hatte es noch stolz das Licht reflektiert. Aus meinem Tagebuch:

Es regnet den ganzen Tag. Gut für die Natur! Die Stadt ist auf dem Hinweg voll, überall außerdem die notgedrungenen Radfahrer. Ich muss an einer Bäckerei halten, für ein Event zum Mittagessen. Mein bis dahin noch glänzendes Auto tut mir leid. Ich fahre beim Halten an der Bäckerei kurz auf einem Stückchen Erde, und als später davon etwas am Reifen klebt, stelle ich mir vor, wie es „iiiiih!“ sagt und mir das Rad so hinhält, wie ich einen Schuh hinhalte, wenn ich in Hundescheiße getreten bin.

Abends sah ich bei Reddit das Gegenteil dieses Wetters: Das Bild einer Frau, die im Sommer, vielleicht in Griechenland, im Schatten ein Buch liest. Sehr schön, von Vittorio Giardino. Siehe hier.

Ein paar Tage später dann Familientreffen im Harz. Ich war noch nie dort gewesen und überrascht von der so weiten Landschaft, ein bisschen wie eine bergigere Eifel mit mehr Bäumen. Die zweite Überraschung bestand leider in der Erkenntnis, dass unfassbar viele Bäume abgestorben waren – nicht nur stellen- oder streifenweise. Stattdessen sind dort komplette Berge kahl, das sieht vergleichsweise gruselig aus. Ich verstand aber sofort, warum der Harz ein begehrtes Ziel für Naturausflüge war und wohl immer noch ist.

Zurück in Bonn nahm ich eines Abends an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Bücher verbieten? Bibliotheken im Spannungsfeld von Meinungsfreiheit und Zensur“ teil. Darüber sprachen drei Personen aus der Wissenschaft, aus der Verlagswelt und von der Bibliotheksleitung und das fand ich alles viel interessanter, als ich gedacht hatte. Ich nahm mit, dass alles leider nicht so einfach ist. Das Haus der Bildung in Bonn ist obendrein ein richtig schönes Gebäude und das müsst ihr mir einfach glauben, weil es keine Webseiten mit Veranstaltungsinfos oder Fotos vom Haus zu geben scheint.

Bei der Arbeit wurde mir wieder einmal vor Augen geführt, was für Gewohnheitstiere wir Menschen sind: Dort gibt es theoretisch freie Platzwahl per Buchungssystem, allerdings mit einem komplizierten Regelwerk dahinter, am Ende bucht man sich doch fast immer den gleichen Sitzplatz. Und ich musste diesen jetzt in einen anderen Häusertrakt umziehen. Neuer Stuhl, neues Zimmer, ungewohnter Lichteinfall, andere Leute auf dem Flur. Es ist gleichzeitig nicht auszuhalten und in spätestens vier Wochen Normalität.

Haushalt fand auch statt auch, mit dem mir ureigenen Tollpatschigsein:

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Ein bisschen Nerdsein fand auch statt. Ich schreibe seit Jahren digitales Tagebuch und ergänze es seither mit Daten aus der Vergangenheit: Urlaube in der Kindheit, handschriftliche Tagebucheinträge in der Pubertät, Fotos von Basteleien und Werken aus dem Kindergarten und der Schule, Blogeinträge, was immer mir eben in die Hände fällt. Nun wurde ich auf die Wikipedia-Jahresübersichten aufmerksam, zum Beispiel die zu 1986. Ich ging diese Übersichten in den letzten Wochen durch und ergänzte subjektiv relevante Ereignisse in mein Tagebuch. Der Effekt: Wenn ich sehe, dass wir kurz nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Urlaub in einem Waldstück machten, ergibt das eine gewisse Dreidimensionalität, wenn man so will. Auch, wie der Mauerfall sich in meine rein privaten Erlebnisse in der Zeit einfügt, ist interessant zu sehen.

Dann war da noch ein Bot, der tagelang mit Brute-Force versuchte, in diesen Blog einzubrechen, indem er zufällige Namen und teilweise auch Benutzernamen von Usern ausprobierte, die Kommentare auf der Seite hinterlassen haben. Ich finde das frech. Es wird zwar niemals klappen, die Zwei-Faktor-Authentifizierung wäre am Ende sowieso im Weg, aber es ist fürchterlich nervig. Darum war die Seite ein paar Tage offline und seither verhält sich WordPress eingeschnappt. Immerhin ließ dieser Text sich veröffentlichen.

Ansonsten? Bademäntel. Ich habe deren Zweck noch nie nachvollziehen können und spüre ausnahmsweise sowas wie FOMO. Vor dem Duschen liege ich im Bett, nach dem Duschen ziehe ich mich an, ähnlich ist es beim Baden. In die Sauna gehe ich nicht und wenn ich mal im Thermalbad bin, ergibt sich da auch keine Chance. Wann also zieht man so ein Ding an?


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