Ein Tag wie jeder andere, oder: gleich mal lesen!

Piep-piep-piep! Piep-piep-piep!

Der Wecker klingelt auf seine gewohnt nervige Art und Weise. Ich suche mit einem halb geöffneten Auge mehr tastend als sehend den Snooze-Knopf und nuschele dem Gerät ein leises »ja ja, gleich…« zu. Natürlich ist auch mein Wecker eine stoische Ausgeburt der Hölle und meldet sich nach pünktlichen zehn Minuten erneut. Ich gebe auf, stelle das nervige Tönen ab, setze mich auf die Bettkante und reibe mir den Schlaf aus den Augen.

Eine viel zu kurze Nacht liegt hinter mir. Was habe ich doch gleich geträumt? Ach ja, es ging um Kaffee, Geschöpfe von anderen Sternen, den Drucker im Büro und viel zu große Autoreifen. Alles wie immer.

Wenige Minuten später sitze ich nach einer Katzenwäsche im Auto. Heute ist Fitnesstag, also fahre ich vor der Arbeit kurz in die Muskelstube. Jemand sagte mir einmal, es sei besonders belebend, gleich nach dem Aufstehen schon Sport zu treiben, aber auch nach einigen Monaten in dieser Routine merke ich davon rein gar nichts. Ich gähne mehrmals herzhaft, während mein Körper auf dem Laufband aufwacht. Als ich eine knappe Stunde später auf dem Weg ins Büro bin, freue ich mich zwar auf den ersten Kaffee, spüre aber von einer »Belebung« rein gar nichts. Gähn.

Bis zur Mittagspause ist mein Geist zwar durch den Einfluss diverser Becher schwarzen Koffeins mehr oder weniger fit, meine Glieder schmerzen aber von der frühen Bewegung. Vielleicht hätte ich etwas kürzer treten sollen. Glücklicherweise sind die anfallenden Arbeiten heute ähnlicher Natur und so ist es wenig anstrengend. Punkt zwölf steht meine Lieblingskollegin im Türrahmen.

»Hallöchen«, flötet sie, »wie sieht’s aus mit Mittag?« Ich schaue mit einer übertriebenen Geste auf die Uhr und necke sie: »Pünktlich zur Pause, wie immer. Ich komme gleich, muss nur noch kurz…« »Nichts da«, unterbricht sie mich, »das kann warten. In der Kantine gibt es Pudding.« Mit diesen Worten stapft sie los und weiß nur zu gut, dass ich der Aussicht auf frischen Schokoladenpudding noch nie lange widerstehen konnte. Was soll’s. Hinterher!

Kurz danach sitze ich wieder am Schreibtisch und fühle mich wie heute morgen. Mit vollem Magen arbeitet es sich schwerer, das Nachmittagstief wird länger und ich beginne damit, mein Bett zu vermissen. Während ich langsamer und langsamer arbeite, schaue ich fortwährend auf die Uhr und überlege, ob ich heute früher Schluss mache.

»Kommst du gleich mit Laufen? Wie jeder weiß: Von nichts kommt nichts! Wir wollten so gegen 16:30 Uhr los.« In jedem Job gibt es mindestens eine Sportskanone, die das auch alle wissen lässt und, damit nicht genug, auch jeden zu mehr Bewegung motivieren will. Bei uns ist das Manfred. Er ist spindeldürr und ich frage mich, ob er jemals Schokoladenpudding mit so viel Liebe essen könnte wie, na ja, zum Beispiel ich. »Danke«, sage ich und hebe abwehrend die Hände, »ich habe heute schon Sport gemacht und wie du weißt, gehe ich lieber ins Studio. Da sind die erste Hilfe-Kästen näher. Viel Spaß trotzdem!« Manfred verzieht das Gesicht, trollt sich aber dann trotzdem. Morgen wird er wieder in der Tür stehen und mir einen seiner nervigen und immer gleichen Motivationssprüche zuwerfen.

Kurz nach vier halte ich es nicht mehr aus, verschiebe alle anstehenden Arbeiten auf morgen und verabschiede mich von den Kollegen, nicht ohne das sonnige Wetter in Zusammenhang mit meiner Terrasse und einem »frozen Joghurt«-Drink zu erwähnen. Das Ergebnis ist – wie gewünscht – neidvolle Zustimmung. Ich bin schon etwas gemein.

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Zu Hause werfe ich meine Sporttasche in die Ecke, mache mich an den Drink und sitze keine zehn Minuten später im Liegestuhl. Ich schließe die Augen und schlafe, wie sollte es anders sein, nach einem Augenblick kurz ein. Im Traum sitze ich wieder vor dem Computer…

Ich klicke mich durch das Internet, von Blog zu Blog, lese hier und da ein paar Artikel, ganz nach dem Hölzchen-Stöckchen-Prinzip. Gerne würde ich ein paar neue Blogs finden, die sich regelmäßig lesen ließen. Dann stoße ich auf einen Artikel, in dem eine Blogaktion gestartet wird, die mein Interesse weckt: Die Teilnehmer sollen alle drei Wochen einen Artikel zu einem jeweils vom Veranstalter festgelegten Wort verfassen. »Klingt spannend«, denke ich [während mein Magen sich kühl anfühlt]. Ich abonniere den Blog und mache mir Gedanken zum ersten Wort [eiskalt]…

Da schrecke ich gerade rechtzeitig aus dem Traum auf, um das Glas mit dem Joghurtdrink festzuhalten – einen Moment später wäre es mir aus der Hand geglitten. Während des Nickerchens habe ich die Hälfte seines Inhalts auf meinem Bauch verteilt. So eine Sauerei, das muss ich gleich erst mal weg machen; doch vorher schnell mit dem Handy ergründen, ob es diese ominöse Blog-Aktion vielleicht sogar wirklich gibt. Und wie das aktuelle Wort lautet.

Aha! Die Aktion existiert, sie heißt [*.txt] und das zurzeit ausgerufene Wort heißt gleich. Hm. Was könnte man da wohl schreiben?

In diesem Artikel kommt das Wort neun Mal vor.

Foto: blickpixel / pixabay

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