Gedanken über Werbung

„Irgendwann raucht jedermann
seine erste Dannemann.“

Auch wenn ich nie Raucher war und in meinem ganzen Leben weniger als ein Dutzend Zigarren geraucht habe, ist dieser alte Werbespruch der Zigarrenfirma fest in meinem Kopf verankert. Warum ist das so?

Weil man sich Reime gut merken kann. Und Werbung, in der man angeschrien wird. Und Werbung, in der geflüstert wird. Alles, was aus der Norm fällt, was uns innehalten und aufhorchen lässt, erinnern wir besser.

Was eine Absatzförderung zur Folge hat, ist laut Definition Werbung. Wenn man in der Fußgängerzone Zettel gereicht bekommt, die auf eine Neueröffnung aufmerksam machen, ist das natürlich Werbung. Bunte Preisschilder im Ladenregal – sicher. Und sogar die Sortierung der Waren beinhaltet eine Art Werbung.

Aber Werbung nervt wie Mücken an einem lauen Sommerabend. Die ständigen Werbeunterbrechungen im Fernsehen und im Radio bringen mich auf die Palme, seit ich denken kann – und damit haben sie mich zu Streamingangeboten wie Netflix, Spotify & Co. getrieben. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass Werbung wichtig ist. Ich glaube, wir kommen ohne sie nicht aus, denn sollte sie morgen abgeschafft werden, wie würden wir von neuen Produkten erfahren? Nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda? Aber wäre das nicht auch Werbung?

Dennoch: Früher oder später wird die klassische Werbung, wie wir sie kennen, größtenteils abgeschafft. Keine Werbeunterbrechungen mehr, weil die meisten Sendungen gestreamt werden. Bis auf Live-Events wie Sportereignisse und große Shows. Keine Radiowerbung mehr, weil das Medium sich auf eine Art Podcast umstellen wird, da bin ich mir sicher.

Wenn wir aber unseren Einkaufswagen durch einen der wenigen verbleibenden Läden schieben, dann wird für mich bestimmt After Shave auf einem Flachbildschirm angeboten, während für die Dame vor mir vielleicht Lidschatten angezeigt wurde. Auf den Kunden zurecht geschnittene Werbung ist im Internet längst Alltag und die Gegenmaßnahmen nehmen bisweilen geradezu bizarre Ausmaße an. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die analoge Welt diese Technik zu eigen macht… sofern von der analogen Welt überhaupt noch etwas übrig bleibt.

Ich glaube, in der Werbung zu arbeiten ist ähnlich sicher wie ein in einem Bestattungsunternehmen beschäftigt zu sein. Zwar werden die Werbebudgets je nach Finanzlage stark verändert. Die Branche existiert aber schon seit sechstausend Jahren und es gibt keinen Grund, weshalb sich in Zukunft daran etwas ändern sollte.

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