Am 23. April war Weltbuchtag, darum schreibe ich über einige Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen oder gehört habe und die mir ganz besonders gut gefallen haben. Der Hexenschöffe war fordernder, als ich beim Ausleihen in der Online-Bibliothek gedacht hatte. Die Geschichte spielt um 1630 im Rheinland, konkret im beschaulichen Städtchen Rheinbach. Die Hexenverfolgung und -verbrennung ist ganz groß in Mode, es ist die Zeit, in der Menschen allein schon für die Anschuldigung, Hexen oder Zauberer zu sein, auf den Scheiterhaufen kamen. Nicht, ohne vorher ordentlich gefoltert zu werden, auf dass sie im Wahn vor Schmerzen weitere Personen der Hexerei und Zauberei beschuldigten. Unmenschliche Zustände.
Was ich nicht gewusst hatte: Es gab auch damals schon Schöffen bei Gericht. Also Personen, die kein juristisches Fachwissen haben, die aber durch so etwas wie ehrbares Verhalten und Seriosität bekannt sind und darum eine beratende Rolle einnehmen – und die auch ein Stimmrecht haben. Die bösen Menschen, die andere auf den Scheiterhaufen bringen, um sich an ihren Besitztümern zu bereichern, müssen also diese Schöffen auf ihre Seite bringen, um diese Taten durchführen zu können. Dies kann durch Überredung, Erpressung oder Bestechung geschehen.
Mit diesen Voraussetzungen schildert Petra Schier eine stellenweise schwer auszuhaltende Phase in der Menschheitsgeschichte, in der manche Personen an Hexen und Zauberer glaubten und diese vernichten wollten, also dachten, dies sei ein Dienst an der Gesellschaft. Es war aber aber auch eine Phase, in der andere Personen diesen Glauben schamlos ausnutzten und aus Intrigen vielerlei Art Gewinn schöpften. (Während ich das schreibe, frage ich mich, ob man in 400 Jahren nicht recht genau das gleiche über die heutige Zeit sagen muss.)
Die Folterszenen der „peinlichen Befragung“, wie sie damals hieß, sind manchmal unangenehm detailliert beschrieben. Andererseits werden wir auch Zeuge des damaligen kulturellen Dorflebens und der einen oder anderen jungen Liebe – das tut gut und ist ein wichtiges Gegengewicht. Außerdem liegt Rheinbach ganz nah an meiner Heimatstadt Bonn, welches zusammen mit anderen Dörfern in der Gegend auch ab und zu genannt wird. Das ist schön, aber auch ein Stückchen erschütternd.
Schreibe einen Kommentar