Heute schlief ich lang aus. Also: laaaang. Natürlich wachte ich erstmal um 6:30 Uhr auf, weil der Wecker dann in der Regel bereits geklingelt hat und der Körper ab einem bestimmten Alter offenbar dabei behilflich sein möchte, keine Verpflichtungen zu verpassen. Nachdem ich ihn aber davon überzeugt hatte, dass heute keine anstünden, konnten wir weiter schlafen, mein Körper und ich.
Frühstück gab es also spät, denn ich habe frei. Der heutige Freitag ist in NRW ein Brückentag. Der Begriff ist seit Mittwoch in Bonn übrigens doppeldeutig, weil die Nordbrücke kurzfristig gesperrt werden musste und wir seither täglich Brückentag haben. Ein böses Teekesselchen.
Nach dem Frühstück schaute ich, euphemistisch formuliert, „was die PlayStation so macht“. Und da der Großteil meines Tages aus Spielen bestand, hier mal ein paar mehr Sätze dazu, samt Fotos und Videos. Ich spiele gerade „The Witcher 3: Wild Hunt“ noch einmal durch. Das Spiel ist schon elf Jahre alt, aber es ist erstens gut und zweitens verleiht die etwas in die Jahre gekommene Grafik ihm eine schöne Patina. Als ich es neulich wieder neu installierte, sah ich zufällig, dass zwei DLCs – also nachträglich veröffentlichte Erweiterungen mit neuen Geschichten und Gegenden – gerade im Preis heruntergesetzt waren. Ich griff zu, denn bislang hatte ich nur das Hauptspiel ein paar Mal gespielt.

Die Hauptperson des Spiels, der Witcher, heißt Geralt und ist ein immer etwas grummeliger Hexer, dessen Beruf(ung) es ist, Monster zu jagen. Im Bild oben sucht er gerade mit einem guten Freund nach Spuren. Die Spielwelt ist die meiste Zeit über leicht entfärbt, selbst bei Sonne sieht alles irgendwie düster und schmuddelig aus, es regnet viel, in den Städten läuft man durch Matsch. Das ist alles nicht besonders schön, passt aber.
Die beiden DLCs sind ins Spielgeschehen eingewoben und irgendwann stößt man von allein auf die ersten Aufgaben, die damit zu tun haben. Ich widmete mich dem DLC „Blood and Wine“ und fand mich kurz danach in einer für mich neuen Spielgegend wieder, die vor Farbe nur so strotzt. Sie liegt auch auf der Spielkarte sehr südlich. Da ständig die Sonne scheint und es viel um Wein geht, passt die Toskana als Vergleich.

Die Quests, also die Aufgaben, die Geralt in der Welt erledigen muss, sind in dieser Erweiterung sehr kreativ und überraschen oft. Einmal sollte ich in einer Bank einen Passierschein A38 besorgen und musste sehr lachen. Ein anderes Mal wurde ich von einem Steinmetz zu einem dringenden Einsatz gerufen:
Ein bisschen pubertärer Humor muss sein. Aber wir sind hier ja bei WMDEDGT, darum also zu heute. Im Rahmen der Hauptgeschichte des DLCs musste ich vorhin in eine Märchen-Vision reisen, die ein König vor vielen Jahren von einem Zauberer für seine beiden Töchter hat anfertigen lassen. Auch heutzutage befinden sich in der Vision lauter bekannte Märchen, allerdings sind sie über die Jahre etwas vom Weg abgekommen. Beim Ankommen störte ich die Hexe dabei, den Ofen anzufeuern, in dem ein Kind gefangen saß. Hinterher wurde ich von einer Mitstreiterin aufgeklärt:
Auch die anderen Märchen drehen frei: Rapunzel hat sich in ihrem Turm erhängt und das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern vertickt jetzt Alkohol und andere Rauschmittel. Der Böse Wolf wollte nie die Rolle des Antagonisten spielen und war über seine Rolle über die Jahre so verstimmt, dass er irgendwann die Großmutter und Rotkäppchen den Brunnen hinunter stieß. Ich traf ihn auf dem Boden liegend mit fürchterlichem Kater an.

Als Geralt ritt ich auf einem Einhorn durch die noch mal farbenfrohere kleine Sonderregion. Zwischendurch befreite ich eine Gans, die mir daraufhin ein goldenes Ei schenkte und nach einem Besuch in Däumelinchens Mini-Dorf prüfte ich, ob am Fuße des Regenbogens vielleicht etwas zu finden ist.
Der Abstecher in diese Welt war ein sehr großer Spaß, an jeder Ecke wurde ich überrascht. Einige bekannte Märchen wurden nur erwähnt, zum Beispiel schauen irgendwo unter einem Haus zwei Schuhe heraus. Als es zurück in die Hauptwelt des DLCs ging, war ich fast schon etwas enttäuscht. Dort wartete der Bosskampf auf mich – also der Abschluss- und damit aufwändigste Kampf der Questlinie. Wie erwartet war er sehr schwer und blutig, aber so gehört das auch im Witcher. Draußen regnete es passenderweise in Strömen, das Wasser platschte nur so ans Fenster.
Als am Nachmittag ein sonniges Stündchen anstand, ließ ich Geralt eine Pause machen und unternahm einen Spaziergang. 19 Grad sollten es sein, aber es fühlte sich so warm an, dass ich eine kurze Hose trug. Eine gute Entscheidung, denn spätestens bei einem längeren Anstieg wurde mir so heiß, dass ich hinterher eine Dusche brauchte. Die Vögel hatten nach dem Regen extrem gute Laune und zwitscherten was das Zeug hielt.
Zurück zu Hause gab es Abendessen, danach tippte ich diese Zeilen und werde mich gleich entweder wieder Geralt widmen oder einem Buch, bei dem ich in der digitalen Warteschlange stand und das heute für mich zum Ausleihen in der Onlinebibliothek bereit war. So oder so, es geht in eine andere Welt.

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag“, kurz #wmdedgt, ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens und findet an jedem 5. eines Monats statt.
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