Das war der Mai 2026

31. Mai 2026 · Kommentieren

Im Mai fuhr ich für ein Wochenende nach Belgien, genoss anderntags die Aussicht auf Bonn, aß Eis, frühstückte und dachte an Loriot.

Anfang Mai machte ich eine kleine Städtetour, es ging nach Liège bzw. Lüttich. Spoiler: Das muss man nicht unbedingt machen. Die Stadt ist klein genug für ein Wochenende, hat aber nicht genug Sehens- oder Besuchswertes für ein Wochenende anzubieten – so jedenfalls unser Eindruck. Dennoch war es schön, durch unbekannte Gässchen zu spazieren, neue Restaurants auszuprobieren und, klar, ist schließlich Belgien, Pommes zu essen.

Beeindruckend fand ich die große Freitreppe Montagne de Bueren. Wir hatten den Berg seitlich erklommen und sahen uns in der angenehmen Situation, die 374 Stufen hinab gehen zu können. Die armen Touristen, die sie hoch schnauften, waren nicht zu beneiden. Ebenso nicht zu beneiden sind allerdings die Anwohner, die täglich Arbeit damit haben dürften, ihre Einkäufe nach Hause zu schleppen (ganz zu schweigen von Möbeln), außerdem stehen ständig Touristen vor ihren Haustüren herum und gucken durch die Fenster. Wir sahen zufällig zwei ihre Wohnung verlassen, sie wirkten wohl nicht grundlos ziemlich fit.

Heim ging es an einem Sonntag, und in Belgien haben manche Supermärkte dann sogar geöffnet. Wir spazierten also durch einen riesigen Carrefour, mit überraschend wenig anderen Menschen, und konnten gemütlich rumgucken. Beim Wort Rumgucken muss ich natürlich sofort an Loriot denken.

Am nächsten Tag gab es Bolognese mit Hackfleisch aus Belgien – sogar das scheint besser zu schmecken als das aus hiesigen Supermärkten, ist aber sicher nur Einbildung – und da ich beim Essen ein weißes T-Shirt trug, wird jeder wissen, wie das ausging.

Anderntags wurden mir die Fäden entfernt, die nach einer Zahn-OP neulich noch übrig waren. Danach gönnte ich mir ein Eis an einem besonderen Ort: In der Eisdiele war ich in den Sommern vor gut 20 Jahren regelmäßig. Unsere Clique traf sich dort sogar so oft, dass wir einen inoffiziellen Stammtisch hatten und fröhlich begrüßt wurden. Einmal bestellten wir eine Eissplittertorte für einen Geburtstag, und das war sogar für das kleine Eiscafé eine so besondere Bestellung, dass sie das Ergebnis fotografierten und es in die neue Speisekarte aufnahmen. So war also unsere Torte lange Jahre dort abgebildet, was mich irgendwie stolz machte. Heutzutage erkennen die Angestellten mich natürlich nicht mehr, aber ein kleines, besonderes Gefühl ist trotzdem da.

In den letzten Maitagen wurde es ziemlich warm. Ich nutzte einen dieser Tage an einem Wochenende für einen Spaziergang auf der anderen Seite des Rheins. Über dem Bonner Stadtteil Oberkassel thront nämlich ein alter Basalt-Steinbruch, von dem aus man schon immer eine gute Sicht auf das Rheintal hatte. Vor längerer Zeit wurde dieser Aussicht ein sogenannter „Skywalk“ gegönnt, nichts anderes als eine schlichte Aussichtsplattform. In ihrer dezenten Ausführungsweise sorgt sie hier nicht einmal für Höhenangst, und die Aussicht ist noch ein bisschen besser.

Der Drachenfels, daneben der Petersberg, und dann der südliche Teil von Bonn

Was macht man sonst an heißen Tagen, wenn man wegen der Schwüle nicht gut schläft? Genau, man steht zerknautscht auf und geht frühstücken. Ich traf mich mit Freunden ein einem Eiscafé in der Nähe, das horizontale Diversifikation betreibt und neben Eis auch Frühstücks- und Mittagssnacks anbietet. Wir verquatschten uns so engagiert, dass wir direkt im Anschluss fürs Mittagessen in eine Pizzeria am Rhein wechselten.


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