Gelesen: Pompeji von Robert Harris

3. Mai 2026 · 4 Kommentare

Der Ausbruch des Vesuvs beschäftigt uns wissenschaftlich bis heute. Einen Roman darüber zu lesen scheint auf den ersten Blick abwegig, aber er hat mir sehr gut gefallen.

Am 23. April war Weltbuchtag, darum schreibe ich über einige Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen oder gehört habe und die mir ganz besonders gut gefallen haben. Mit diesem Buch endet meine kleine Reihe buchstäblich mit einem Knall. Die grobe Geschichte von Pompeji gehört zwar zum Allgemeinwissen, aber Robert Harris hat drum herum einen spannenden Roman kreiert.

Attilus ist Wasserbaumeister aus Rom und ganz neu vor Ort, er ersetzt seinen Vorgänger, der spurlos verschwunden ist. Wenige Tage nach seinem Arbeitsstart gibt es ein Problem mit dem Wasser. Soweit das Setting, das Harris rund um den Ausbruch des Vesuvs für uns vorbereitet hat. Wir begleiten danach Attilus bei dem Versuch, die Leitung zu prüfen und zu reparieren, die die Städte am Golf von Neapel mit frischem Trinkwasser versorgt. Hinzu kommen Korruption und Politik, außerdem die damalige religiöse Weltanschauung samt Wissenschaft, die auch damals noch vergleichsweise eng miteinander verbunden waren.

Vielleicht bestraft uns Mutter Natur, dachte er, wegen unserer Gier und Selbstsucht. Wir foltern sie Tag und Nacht mit Eisen und Holz, Feuer und Stein. Wir schachten sie aus und kippen sie ins Meer. Wir bohren Stollen in sie hinein und zerren ihre Eingeweide heraus – und das alles nur für einen Edelstein, den jemand an seinem hübschen Finger trägt.

Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Gerade weil schon vor dem Kauf des Buchs feststeht, dass am Ende ein Vulkan ausbrechen wird, ist genau das ja das Coole: Wie der Autor diese Fakten in seine Geschichte einbettet. Und das macht er ganz großartig. Tage vor dem Ausbruch sind mit heutigem Wissen die Anzeichen unübersehbar deutlich, eine Evakuierung wäre vermutlich ohne größere Probleme möglich gewesen. Es wäre wohl übertrieben zu behaupten, dass es einen sachbuchartigen Teil im Buch gäbe, aber die Geschichte Attilus’ ist zumindest sehr nah an den wirklichen Geschehnissen erzählt. Dabei verzichtet Robert Harris zum Ende hin zwar nicht auf Tod und Elend, das ginge auch gar nicht, aber er schildert dies immer gerahmt vom Ausbruch selbst. Alles in Allem ein tolles, spannendes und packendes Buch, das ich in einigen Jahren gern erneut lesen werde.

Einen Tag nachdem ich das Buch beendet hatte, tauchte, quasi als Nachschlag, in meinem Podcatcher ein Podcast über Pompeji von RadioWissen auf – toller Zufall!

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4 Kommentare

  1. Ups, jetzt erst gesehen. Verblüffend. Aber auch irgendwie… puh.


    1. Thomas

      Verblüffend *und* gruselig!


  2. Übrigens: Laut Dr. Who ist der Ausbruch in Pompeji ein Fixpunkt in der Zeit. Selbst mit der besten Zeitmaschine könntest du nichts an dem ändern, was damals passiert ist… (*duckundwech*)


    1. Thomas

      Dr. Who! Ich weiß grob, worum es darin geht, aber leider habe ich von dessen Universum nicht viel Ahnung. Aber wo wir bei der Einschätzung weltlicher Vorgänge durch kreative Köpfe sind, frage ich mich, was Leute wie Terry Pratchett den Ausbruch des Vesuvs erzählt hätten. Voilà, hier die Antwort auf diese Frage, wie die KI Claude sie sich vorstellt. Claude hat den Stil sehr gut getroffen, wie ich finde.


      Der Vesuv hatte schon seit Jahren nachgedacht. Das war das Problem mit Bergen: zu viel Zeit zum Grübeln, zu wenig Ablenkung. Die Menschen zu seinen Füßen hatten ihn stets für einen etwas dicklichen Hügel gehalten, was er als ausgesprochen beleidigend empfand, wenn er auch nicht genau hätte sagen können, warum. Berge empfinden keine Beleidigungen. Das steht so in keinem Buch. Aber dieser hier tat es trotzdem.

      In Pompeji selbst war Lucius Macrinus Spurius, Händler für importierte Garum-Sauce aus dem nördlichen Hispanien, gerade dabei, einem Kunden zu erklären, dass der leicht modrige Geruch Teil des Charakters sei, als das erste Grollen ertönte.

      „Erdbeben“, sagte sein Lehrling Publius hoffnungsvoll. Er hatte schon länger eine Ausrede gesucht, früher nach Hause zu gehen.

      „Kein Erdbeben“, sagte Lucius. „Erdbeben riechen nicht nach Schwefel.“

      „Wonach riecht Schwefel?“

      „Ungefähr so wie diese Garum-Sauce.“

      Das zweite Grollen war entschiedener. Es hatte die Qualität einer kosmischen Ankündigung, die Art von Lärm, die das Universum macht, wenn es möchte, dass man aufmerkt, obwohl die Menschen in Pompeji im Großen und Ganzen die Ansicht vertraten, dass kosmische Ankündigungen für andere Leute gedacht seien.

      Irgendwo in der Via dell’Abbondanza versuchte ein Wahrsager namens Cassivus der Etruskier, seinen Stand zusammenzupacken. Er hatte die Katastrophe natürlich kommen sehen — im Nachhinein war er sich da vollkommen sicher. Das Omen mit der Ziege neulich war eindeutig gewesen. Und die Krähen. Und das Zittern des Bodens in den letzten Wochen. Er hatte es nur leider für einen guten Zeitpunkt gehalten, erst morgen darüber nachzudenken.

      Das ist die bemerkenswerteste Eigenschaft des Menschen: die vollkommen unerschütterliche Überzeugung, dass das Schlimmste immer etwas später passiert.

      Der Vesuv räusperte sich — ein Geräusch wie tausend Götter, die gleichzeitig einen Stuhl zurückschieben — und begann ernsthaft damit, seiner Meinung Ausdruck zu verleihen.

      Der Tod, der in jenen Tagen noch gut zu tun hatte und gerade in der Gegend war, schaute von seiner Liste auf.

      AH, dachte er. DAS ALSO.

      Er hatte eine gewisse professionelle Hochachtung vor vulkanischen Ereignissen. Sie waren gründlich. Sie ließen keine Unklarheiten.


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