Mickey Mouse – früher und heute

In einem »Lustigen Taschenbuch« gab es mal eine Geschichte, in der Mickey Maus in seiner Funktion als Detektiv einen gekidnappten Wissenschaftler finden musste. Kurz vor der Tat konnte dieser aber noch einen kurzen Hilferuf aus einer Telefonzelle absetzen. Seine Worte waren leider auf Mickeys Anrufbeantworter nicht gut zu verstehen, deutlich war aber, dass der Professor wiederholt »Achtu, Achtu!« in den Hörer rief.

Es stellte sich heraus, dass der Wissenschaftler aber trotz seines baldigen Verschwindens – die Bösewichte standen buchstäblich vor der Telefonzellentür – seine Geistesgegenwart behalten hatte. Und: Er wusste, dass Mickey die chiffrierten Worte schnell würde übersetzen können.

Das tat er dann auch. Denn als Mickey die Telefonzelle und ihr Interieur genauer in Augenschein nahm, stellte er eine Veränderung am Telefonbuch fest, die ihn auf eine Landkarte hinwies. Der Professor hatte ihm offenbar einen Hinweis zu seinem baldigen Aufenthaltsort geben wollen. Aber welchen? Nun, Mickey Maus wäre nicht Mickey Maus, wenn er das Rätsel nicht auf den nächsten paar Seiten gelöst hätte: Das nebulöse »Achtu« hieß in Wirklichkeit »8 U« und meinte damit einen Quadranten in der Landkarte.

So wurde der Professor gefunden, die Bösewichte konnten dingfest gemacht werden und alles nahm ein dramatisches, aber natürlich gutes Ende. Wie immer in diesen Comics.

Dass diese Geschichte aus den Neunzigern sein muss, brauche ich wahrscheinlich nicht extra zu erwähnen. Denn wäre sie in der heutigen Zeit aus der Feder der Erfinder geflossen, wäre sie wahrscheinlich so abgelaufen:

Mickey Maus hätte natürlich keinen Anruf auf seinem Anrufbeantworter vorgefunden, sondern auf seiner Mailbox. Eigentlich hätte er auch gleich ans Handy gehen können. Aber vielleicht hatte er keine Zeit, weil er sich in dem Moment des wichtigen Anrufs bei Starbucks einen »Chai Tee Latte« bestellte und verzweifelt versuchte, dem Mitarbeiter seinen Namen richtig zu buchstabieren.

Der Professor hätte ihm also schwer verständliche Hieroglyphen auf der Mailbox hinterlassen. Mickey hätte im Anschluss fieberhaft versucht, den letzten Aufenthaltsort des Professors zu erfragen. Dafür hätte er sich bei dem Mobilfunkanbieter, dem Handyhersteller und dem Betreuer der Sendemasten gemeldet, jedoch trotz ausgiebiger Vorratsdatenspeicherung ohne Erfolg. Da könne ja jeder kommen und fragen, hätte man ihm gesagt.

Mickey hätte dann als alter Freund des Professors einmal die »Freunde finden«-Funktion seines Mobiltelefons ausprobiert und erfreulicherweise den letzten Aufenthaltsort des Professors ausfindig machen können. Mit Hilfe des Internets hätte er dann eine passende Webcam gefunden, die auch die Aufzeichnungen der letzten Tage bereit halten würde und so ermitteln können, wie viele Männer den Professor gekidnappt hätten.

Mittlerweile wäre auch die Polizei auf den Fall aufmerksam geworden, würde aber im Dunkeln tappen und sich völlig auf Mickey verlassen müssen. Erst Goofy hätte am Ende die rettende Idee gehabt: Die Hieroglyphen des Professors hätte man in Google Maps eingeben können und siehe da – sie führten direkt zu einer verlassenen Villa. Mickey hätte die Polizei informiert und die Sache wäre glimpflich ausgegangen.

Und all das hätte Mickey erledigen können, ohne die Couch zu verlassen. Grandios.

Dieser Eintrag gehört zur Reihe *.txt. Dieses Mal lautet das Wort »acht«.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.