Geschmack ändert sich mit der Zeit. Kinder mögen in der Regel keinen Spinat und keine Zucchini, Kaffee und Wein wohl eher auch nicht. Erwachsene können sich eines Tages möglicherweise für das eine oder andere davon begeistern, aber auch nicht unbedingt.
Gerade beim Essen habe ich das Gefühl, dass sich mein Geschmack mit den Jahren verfeinert oder vielleicht eher ausdifferenziert. Ich lerne, nicht so guten von besserem Kaffee zu unterscheiden und auch, welchen Wein ich lieber mag als anderen. Das gleiche gilt für Brot und Aufschnitt. Bei Spinat und Zucchini habe ich bislang keine große Änderung gemerkt, aber das kann ja noch kommen.
Ähnlich verhält es sich übrigens auch bei anderen Lebensbereichen, zum Beispiel werde ich beim Thema Schlaf zunehmend kompliziert. Mittlerweile reise ich öfter mit eigenem Kissen und finde das zwar sehr bescheuert, freue mich aber unterwegs bei jedem Schlafengehen darüber.
Bei meinem Musikgeschmack hat sich allerdings in den vergangenen Jahren nicht mehr so viel getan. In meiner Jugend hörte ich das, was zu Hause vorhanden war: Von 69er-Hippie-Bands über kölsche Mundart bis hin zu Musicals und klassischer Musik war vieles dabei. Ende der 80er und vor allem in den 90ern entwickelte ich dann meinen eigenen Geschmack, der sich erst vom allgegenwärtigen Radio-Pop langsam hin zu elektronischer Musik jeder Art weiter entwickelte. Wie sich Musikgeschmack entwickelt, habe ich mich übrigens neulich schon gefragt.
In den letzten Jahren lese ich mehr. Verglichen mit der Jugend hat sich auch mein Büchergeschmack geändert. Während ich damals hauptsächlich Stephen King, Thriller und Krimis las, bin ich heute bei „contemporary fiction“ und „literary fiction“, also so etwas wie Gegenwartsromanen angelangt. Geblieben sind gelegentliche Einstreusel von Science Fiction.
Insgesamt glaube ich, dass Geschmack am Anfang des Lebens noch sehr variabel ist und sich manchmal auch täglich ändert, dass er mit zunehmendem Alter aber immer ausgeprägter und definierter wird. Das würde zum geistigen und körperlichen Rest passen: Man wird eben immer unbeweglicher.
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