Wie stark kann sich der eigene Geschmack ändern?

10. Januar 2026 · 4 Kommentare

Am Beispiel von Musik, Büchern und Vorlieben beim Thema Essen überlege ich, ob Geschmack sich ändern kann. Oder, falls ja, wie lange. Ich meine: Magst du etwa Spinat?!

Geschmack ändert sich mit der Zeit. Kinder mögen in der Regel keinen Spinat und keine Zucchini, Kaffee und Wein wohl eher auch nicht. Erwachsene können sich eines Tages möglicherweise für das eine oder andere davon begeistern, aber auch nicht unbedingt.

Gerade beim Essen habe ich das Gefühl, dass sich mein Geschmack mit den Jahren verfeinert oder vielleicht eher ausdifferenziert. Ich lerne, nicht so guten von besserem Kaffee zu unterscheiden und auch, welchen Wein ich lieber mag als anderen. Das gleiche gilt für Brot und Aufschnitt. Bei Spinat und Zucchini habe ich bislang keine große Änderung gemerkt, aber das kann ja noch kommen.

Ähnlich verhält es sich übrigens auch bei anderen Lebensbereichen, zum Beispiel werde ich beim Thema Schlaf zunehmend kompliziert. Mittlerweile reise ich öfter mit eigenem Kissen und finde das zwar sehr bescheuert, freue mich aber unterwegs bei jedem Schlafengehen darüber.

Bei meinem Musikgeschmack hat sich allerdings in den vergangenen Jahren nicht mehr so viel getan. In meiner Jugend hörte ich das, was zu Hause vorhanden war: Von 69er-Hippie-Bands über kölsche Mundart bis hin zu Musicals und klassischer Musik war vieles dabei. Ende der 80er und vor allem in den 90ern entwickelte ich dann meinen eigenen Geschmack, der sich erst vom allgegenwärtigen Radio-Pop langsam hin zu elektronischer Musik jeder Art weiter entwickelte. Wie sich Musikgeschmack entwickelt, habe ich mich übrigens neulich schon gefragt.

In den letzten Jahren lese ich mehr. Verglichen mit der Jugend hat sich auch mein Büchergeschmack geändert. Während ich damals hauptsächlich Stephen King, Thriller und Krimis las, bin ich heute bei „contemporary fiction“ und „literary fiction“, also so etwas wie Gegenwartsromanen angelangt. Geblieben sind gelegentliche Einstreusel von Science Fiction.

Insgesamt glaube ich, dass Geschmack am Anfang des Lebens noch sehr variabel ist und sich manchmal auch täglich ändert, dass er mit zunehmendem Alter aber immer ausgeprägter und definierter wird. Das würde zum geistigen und körperlichen Rest passen: Man wird eben immer unbeweglicher.


4 Antworten

  1. Eine spannende Frage.
    Sieht man von gesundheitlichen Einflüssen ab, ist die Antwort vielleicht im eigenen Kopf.
    Mit zunehmendem Alter gibt es nicht nur „Darauf habe ich heute keinen Bock mehr“, sondern ebenso „Warum habe ich das nicht früher probiert?“, sofern ein Mensch dafür offen bleibt.


    1. Es ist ja eh eine schlaue Einstellung, alles mindestens einmal auszuprobieren – vorher kann man nicht sagen, ob es schmeckt. Ich weiß das, will mich aber trotzdem nicht überwinden, Seegetier mit vielen Beinchen und großen Augen zu essen


  2. Der Geschmack von bestimmten Nahrungsmitteln hat sich bei mir in Folge einer Krebserkrankung und nachfolgender Radio- u. Chemotherapie teils drastisch verändert.
    Auch solche Gründe gibt es dafür.


    1. Ah, äußere Einwirkungen habe ich nicht bedacht, stimmt. Ich habe jetzt eine Weile überlegt, ob das nicht zwei verschiedene Zugänge sind – also der Geschmack auf der Zunge und der „im Kopf“. Ob wohl der Grund, dass Kinder eher keinen Rosenkohl mögen und der, dass nach einer Chemotherapie oder auch bei einem simplen Schnupfen der Kaffee seifig schmeckt, jeweils der gleiche ist? Ich habe keine Ahnung.

      Jedenfalls hoffe ich mal, dass du mit deinem veränderten Geschmack auch oder vielleicht sogar mehr zufrieden bist als vorher.


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