Perspektive

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Wenn man es einmal durchdenkt, was man aber vielleicht besser lassen sollte, dann stellt man fest, dass wir… also, wenn man den Schlaf abzieht, netto quasi… dass wir tatsächlich mehr Zeit im Büro verbringen als zu Hause.

Für mich war das gerade eine Neuigkeit. Man sagt das zwar immer, aber es stimmt ja wirklich! Netto acht Stunden im Büro und anschließend sechs oder maximal sieben bis zum Schlafen. Hallo? Das kann doch nicht wahr sein!

Die Zeiten, in denen ich mich mit meinem Job identifiziert habe, sind vorbei. Ich gehe gerne hin, es macht manchmal sogar Spaß, ja. Aber ich bin auch sehr gerne zu Hause. Im Bett zum Beispiel. Oder auf der Couch. Oder bei einem Spaziergang. Oder beim Einkaufen. Einfach eine gute Zeit haben, am besten noch zu zweit.

Na gut. Zu zweit bin ich im Büro auch. Aber das ist ja wohl was anders. Im Büro muss ich zum Beispiel die ganze Zeit meine Klamotten an lassen, nicht mal eine Trainingshose ist erlaubt. (Wobei „Trainingshose“ ja auch so ein Euphemismus ist, ich bin mir sicher, das hat ein Twitterer erfunden.) Dazu kommt, dass ich permanent arbeiten muss! Zu Hause kann man auch mal eine Pause machen oder zwei oder drei, oder wenn man gar keine Lust hat, dann macht man einfach nichts… Ist nicht drin! Im Büro kommen lauter E-Mails (ist ok, die kann man auch was liegen lassen) und Telefonate (bäh, aber die kann man ja stumm schalten).

Am schlimmsten sind aber die Kollegen! Die stehen einfach so im Zimmer und wollen was! Meistens muss man dabei auch noch sprechen! Zu Hause ist das doch echt viel besser. Einfach nicht auf die Türklingel reagieren – außer natürlich, man weiß, dass es er der Paketbote sein muss mit dem hippen neuen Apple-Produkt. Aber dem kann man ja auch schließlich in der „Trainingshose“ auf machen. Ich würde ja gerne mal bei einem Postboten Mäuschen spielen. Was der so zu erzählen hat?

„Heute habe ich ein Paket abgegeben bei einem, Typ arbeitsloserer Twitterer mit 50K + Followern, der hatte nicht mal mehr ne Trainingshose an. So in seiner Rolle aufgegangen.“

„Neulich war ich an einer Wohnungstür, die war pink gestrichen und auch die Klingel war pink und hat nicht geläutet sondern miaut. Und die Frau, die auf machte, war pink, so wie die Cindy aus Marzahn, auch die ganze Wohnung war pink. Sogar der Fußboden.“

„Gestern musste ich ein Paket ausliefern, das hat sich bewegt. Vom Geruch nach waren es aber die letzten Bewegungen, die dieses Paket je machen würde.“

Es muss spannend sein, bei der Post zu arbeiten. Da kommt man wenigstens rum und hat was zu erzählen. Aber ich arbeite ja in einem Büro. Ohne Rumkommen. Dafür kann ich sitzenbleiben. Wie zu Hause. Nur in ungemütlicher Hose. Und das acht Stunden!

Ich werde das ändern. Wenn ich das nächste Mal zu Hause bin.

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