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Der Wunsch ist womöglich so alt wie die Menschheit. Während die Steinzeitbewohner sich noch wünschten, am kommenden Morgen wieder aufzuwachen und nicht des nächtens von einer Horde Mammuts überrannt zu werden, wünscht der Neuzeitbewohner sich… tja, viele verschiedene Dinge. Die Meinungen, was ein erfülltes Leben ausmacht, gehen mittlerweile sehr stark auseinander.

Nun hat Dominik dieses Mal das Wort „wünschen“ ausgerufen und jetzt weiß ich auch nicht. Will ich von Weihnachtswünschen schreiben? Von meinen eigenen Lebenswünschen? Von Verwünschungen? Mir fiel bei der Überlegung auf, wie inhaltlich verschieden das Wort Wunsch heutzutage daherkommt. Und ich fühlte mich plötzlich mit meinen Wünschen unbedeutend, zumindest verglichen mit Menschen, denen es weit schlechter geht als mir. Dann wiederum fiel mir auf, dass zwei unterschiedliche Situationen oft schwer miteinander verglichen werden können. So leidet das verwöhnte Einzelkind, wenn es das neueste Mobiltelefon nicht mit Markterscheinung geschenkt bekommt, vielleicht wie der Obdachlose, der auf dem Friedhof überwintert – aber kann man das wirklich in einen Topf werfen?

Die ungeheure Masse an Wünschen zeigt diese Szene aus dem Film „Bruce Allmächtig“ mit Jim Carrey. Er hat in dem Film göttliche Kräfte, allerdings auch göttliche Aufgaben und muss jetzt alle Gebete der Welt abarbeiten. Als Büromensch versucht er es zuerst mit den dort üblichen Mitteln, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

http://youtu.be/rreoaOqHbE4?t=59m43s

Okay. Vielleicht war meine Herangehensweise nicht richtig. Welche grundlegende „Regeln“ Bedürfnissen zugrunde liegen, hat sich ein gewisser Abraham Maslow zur Zeit des zweiten Weltkriegs bereits überlegt.

maslow

Dieses Gebilde wurde nach ihm benannt und heißt heute die Maslow’sche Bedürfnispyramide. Maslow stellte fest, dass der Menschen Wünsche sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ändern. So kann man diese Pyramide nicht nur hinauf, sondern natürlich auch hinab gehen. Erst nach der Befriedigung von Grundbedürfnissen wie einem funktionierenden WLAN und anderen physischen Notwendigkeiten wie Nahrung, Kleidung und einem festen Dach über dem Kopf wünscht der Mensch sich, dass er zuhause nicht bestohlen und auf offener Straße nicht erschossen wird, außerdem hätte er gerne eine feste Arbeit mit sicherer Bezahlung. Ist das erfüllt, kommt das soziale Gefüge an die Reihe: funktionierende Familien- und Freundesverhältnisse, Partner, vielleicht brauchbare Arbeitskollegen. Es schließen sich Wertschätzung und Anerkennung der eigenen Leistungen (15 minutes fame) und schlussendlich die Selbstverwirklichung an, also zum Beispiel das Erlernen einer Fremdsprache, Studieren oder Singen im Chor.

Wir lernen, dass Steinzeitmenschen niemals diese Pyramide erklimmen konnten, denn das damalige Internet war einfach zu schlecht ausgebaut. Andernfalls hätten sie es – Stichwort Wandmalereien – sicherlich bis zur obersten Spitze geschafft. Auch den heutzutage noch im unangetasteten Dschungel lebenden Menschen geht es so: Mit ihren Häusern in den Bäumen, also geschützt vor Gefahren, dem Magen voller frisch gefangener, knusprig gerösteter Vogelspinnen haben sie ihre eigenen sozialen Gefüge, hängen sich die Zähne erlegter Wildtiere um und werden dafür gefeiert. Das wäre eine perfekte Maslow’sche Bedürfnispyramide, wenn da nur das fehlende WLAN nicht wäre…

Die Tatsache, dass heutzutage gefühlt jeder seinen Blog startet, dient sogar gleich unterschiedlichen Ebenen: Manche verdienen damit ihr Geld (Sicherheitsbedürfnisse), andere fassen ihre Gedanken in Worte (Selbstverwirklichung), die meisten suchen damit Aufmerksamkeit und natürlich eine Wertschätzung ihrer Arbeit.

balloons

Was macht also einen Wunsch aus? Die Antwort wird mir langsam klar: Alles und nichts. Jeder wünscht anders, jeder würde anders entscheiden, wäre er für 15 Minuten „Bruce allmächtig“. Von all diesen Überlegungen dreht sich mir jetzt der Kopf, ich wünschte, ich hätte hier einen Tee und säße auf der Couch. Ach – das hat sich ja soeben erfüllt. Na denn, schönen Abend noch.

PS: An jeden, der tatsächlich daran zweifelt: Das „WLAN“ in der Pyramide habe ich natürlich eigenmächtig dazugemalt und -interpretiert!

Pyramide: selbstgemacht | Ballonfoto: nidan/pixabay

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